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Satire-Show "Neo Magazin Royale": "Du machst das ganz toll": Jan Böhmermann zeigt, wie Sexismus funktioniert

Es muss gar nicht immer Belästigung sein: In einem satirischen Beitrag demonstrierte Jan Böhmermann im "Neo Magazin Royale" die subtilen Mechanismen des täglichen Sexismus.

Jan Böhmermann im Gespräch mit Sophie Passmann

Jan Böhmermann im Gespräch mit Sophie Passmann

"Sexbomb" erklang, als Sophie Passmann das Studio im "Neo Magazin Royale" betrat. Damit war der Ton gesetzt für einen knapp achtminütigen Beitrag, in dem Jan Böhmermann die mehr oder weniger subtilen Mechanismen vorführte, mit denen Frauen noch immer diskriminiert werden.

Denn eigentlich wollte Passmann ihre Reportage über den Sexismus in der Filmbranche anmoderieren, die sie auf der Berlinale gedreht hat. Doch sie kam nicht dazu: Väterlich bevormundend fiel ihr der Moderator sogleich ins Wort: "Ich finde es super wichtig, dass du dich gerade als Frau für das Thema einsetzt und dass du auch mal den Frauen eine Stimme gibst", sagte Böhmermann - und schob noch ein übertriebenes Kompliment hinterher: "Ich finde es ganz toll, dass du dich in dieser Angelegenheit so engagierst."


Diese Form von Sexismus setzte sich in Passmanns Filmbeitrag fort. Die 24-Jährige stand auf dem roten Teppich der Berlinale und wollte gerade  ihre Anmoderation sprechen, da gesellte sich überraschend Böhmermanns Sidekick Ralf Kabelka dazu. Auch er ergoss sich in altväterlichem Lob: "Toll, ich finde du machst das ganz ganz toll."

Auf der Veranstaltung, dem Empfang der Film- und Medienstiftung NRW, wurden weitere Probleme offenbar: Passmann wurde von einigen männlichen Gesprächspartnern wie Jürgen Vogel gar nicht ernst genommen. Während Schauspieler Clemens Schick mit ihr gar nicht erst über das Thema Sexismus reden wollte, geriet er zur gleichen Frage bei Ralf Kabelka in Plauderstimmung. "Seriös und tiefgründig können nur Männer untereinander über das Thema MeToo in der Filmbranche reden. Das haben die Frauen einfach verdient", so Kabelkas zufriedenes Fazit.

Lob von Jan Böhmermann

Zwar kündigte er gönnerhaft an: "Das letzte Wort soll natürlich meine reizende Kollegin Sophie haben" - doch dazu kam es nicht. Erneut fiel der Mann Passmann ins Wort. 

Als der Beitrag vorbei war, saß nun Ralf Kabelka anstelle von Sophie Passmann auf dem Sofa - und holte sich ein dickes Lob von Jan Böhmermann ab. 

Es sind Mechanismen, die vermutlich jeder so ähnlich schon einmal in seinem Arbeitsleben mitbekommen hat. Mit nur geringer satirischer Überzeichung hat das "Neo Magazin Royale" sie offen gelegt. "Wieder einmal gut, dass wir Männer darüber geredet haben", konnte Kabelka befriedigt feststellen.

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