HOME

TV-Kritik "Schlag den Raab": Die Killerplauze erlegt einen Olympiasieger

Selbst ein superfitter Olympiasieger ist gegen Stefan Raab chancenlos. Spannend wird es bei "Schlag den Raab" nur, wenn der Zotenkönig an seinem eigenen Ehrgeiz scheitert.

Von Andrea Zschocher

Seit 2006 haben mehr als 50 Menschen versucht gegen Stefan Raab zu gewinnen. 15 Menschen haben das bislang geschafft.

Seit 2006 haben mehr als 50 Menschen versucht gegen Stefan Raab zu gewinnen. 15 Menschen haben das bislang geschafft.

Stefan Raab hat auch die 51. Ausgabe seiner "Schlag den Raab" - Show gewonnen. Selten aber hat man ihm den Sieg so gegönnt wie dieses Mal. Oder vielmehr, dem Kandidaten eben nicht den Gewinn. Ob es in der Sendung am 28. März nun 1,5 Millionen Euro oder 500.000 Euro zu gewinnen gibt, ist dabei nebensächlich. In aller Regel, so ist die Show ja angelegt, will man Raab scheitern sehen, fiebert mit den Kandidaten mit. Diesmal allerdings war das anders.

Olympiasieger gegen Stefan Raab

Die Zuschauer entschieden sich für Jan-Marco Montag, der den Kampf gegen den Showmaster aufnehmen sollte. Sie versprachen sich vermutlich viel von ihm, diesem Europa- und Weltmeister im Hockey, der auch 2008 bei Olympia in Peking dabei war und dort die Goldmedaille gewonnen hat.

Bereits beim ersten Spiel fiel auf, dass der Kandidat entweder frühere Sendungen sehr genau studiert hatte, oder mit derselben überhebliche Attitüde wie Raab durchs Leben geht. Nur, in Raabs Fall ist das vielleicht auch angebracht. Immerhin hat der Moderator bislang 36 der 51 Ausgaben gewonnen. Jan-Marco hingegen fiel schnell unangenehm durch Kopieren von Raabs nervigem Verhalten auf. Er stellte Moderator Steven Gätjen bereits während der ersten beiden Spielen genauso viele Fragen wie Raab, hörte nicht zu, probierte aus, trickste und versuchte zu schummeln.

Der Heilige Geist bei Stefan Raab

In punkto Einander bespitzeln, Verraten und auf den anderen mit dem Finger zeigen, lieferten sich Raab und der Kandidat in dieser Ausgabe ein sehr ausgeglichenes Match.

Im letzten, 13. Spiel "Wer ist das?" wusste Jan-Marco nur den Vornamen der im Foto abgebildeten Malala Yousafzai. Auf Nachfrage vom Moderator Steven Gätjen konnte er nur bruchstückhaft einen Nachnamen hervorbringen, der entfernt richtig klang. Er bekam dafür keinen Punkt, der Nachname war falsch. Das Publikum buhte erbost, wollte Gätjen zu einer Ausnahme zwingen. Sofort echauffierte sich Stefan Raab: "Ja, wenn ich sage Bodo Ramelon, dann zählt das ja auch nicht!"

Im Spiel neun, das "Auszeichnen" hieß und beide Kandidaten auf eine Arbeit im Supermarkt bestens vorbereitete, ging es darum 500 Dosen mit einem Etikett zu versehen, das oben auf dem Deckel kleben musste. Raab war als Erster fertig und buzzerte. Ein Aufkleber war am Deckelrand, sofort reklamierte Jan-Marco wie ein kleiner Schuljunge. Da Raab aber eine Dose beim Auszeichnen vergessen hatte, gingen die neun Punkte sowieso an den Olympiasieger. Raab war fassungslos und vermutete gar, dass "der Heilige Geist" das Etikett gestohlen habe.

Sie schenken sich nichts

Es wurde schnell klar, diese beiden Männer schenken sich nichts. Akribisch wurde überwacht, dass Linien nicht übertreten, dass Würfel bei "Tumbling Dice" geschnippst und nicht geschubst wurden, dass das Publikum nicht vorsagte. Das wurde offenbar eifrig getan.

Im zwölften Spiel "Wer lügt?“ sollten Raab und Montag erkennen, wer oder was jeweils nicht zur Gruppe passte. Mehrfach mokierte sich der ProSieben-Moderator, dass Jan-Marco nur dann den Buzzer drückte, wenn ein vernehmbares Raunen, ein Hinweis auf die Lösung, durch die Menge ging. Steven Gätjen, ganz der Kindergärtner der beiden Kontrahenten, versuchte zu schlichten, gab hier einen Punkt, erkannte dort eine Lösung nicht an. Besonders Jan-Marco schien angesäuert, redete sich raus, er hätte die Antworten selbst gewusst, gar nicht hingehört und überhaupt. So ganz abnehmen konnte man es ihm nicht.

Glück im Spiel

In Spiel drei, "Blamieren oder Kassieren" mit Elton, fragte Jan-Marco, der von seinen Freunden Jambo genannt wird, ob je ein Kandidat dieses Spiel allein dadurch gewonnen hätte, dass Stefan Raab daneben lag. Als würde er damit zwei seiner Siege vorweg nehmen. Denn tatsächlich konnte der 31-Jährige zwei der vier Spiele nur durch Glück auf seiner Habenseite verbuchen. Sowohl beim "Sportarten-Raten", als auch bei besagtem "Auszeichnen" verkalkulierte sich Raab und die Punkte wurden automatisch Jan-Marco Montag zugeschrieben. So richtig glänzen konnte der nur beim ersten Spiel, "Auswringen". Es gelang ihm sein klatschnasses Handtuch um 30 Gramm leichter zu wringen als Stefan Raab. Welche Leistung im Vergleich mit Raab, der Frisbee-Golf, Schlittschuh-Verfolgen oder Slalomfahren mit einem futuristisch anmutenden Gerät beherrschte und gewann.

Der 48-Jährige Moderator zeigte einmal mehr, dass Taktik und Durchsetzungsvermögen wichtiger sind, als Sportlichkeit und Jugendlichkeit. Denn beides konnte Montag ja durchaus vorweisen.

Raabs größte Schwäche ist seine fehlende sportliche Ausdauer: Bei der Verfolgungsjagd auf Schlittschuhen, bei denen die beiden Kontrahenten sich gegenseitig fangen sollten, war der Moderator enorm schnell aus der Puste. Für einen sportlichen Olympiasieger hätte dieses Spiel ein Heimspiel sein sollen, wenn, ach wenn nur die Schlittschuhe nicht gewesen wären. Erst hatte Jan-Marco nicht die richtige Technik und dann fiel er auch noch hin. "Raab hat die bessere Technik, Jan-Marco die bessere Konstitution" fasste Kommentator Frank Buschmann die Lage richtig zusammen. Dennoch, Raab gewann, unfassbar. Anschließend lagen beide Männer minutenlang schwer atmend auf dem Boden, "Zwei Maikäfer auf dem Eis", so zeichnete Buschmann das Bild für die Zuschauer.

Jan-Marco Montag gewinnt Matchball-Spiel

Beim Matchball-Spiel, dem 13., ging es darum, mit Dartpfeilen Luftballons zu treffen. Das spannendste Spiel des Abends, und das Zweite, bei dem Jan-Marco aus eigener Kraft gewann. Ein Sieg auf dem Weg zur Million, die man dem dauerfluchenden BWL-Studenten da schon lange nicht mehr gönnte. Woran genau das lag? An der anmaßenden Art des jungen Mannes, an der Humorlosigkeit, und auch am fehlenden Biss. Denn über lange Zeit wirkte es so, als würde Jan-Marco Montag seinen Gegner schlicht nicht ernst nehmen. Raab zu unterschätzen ist allerdings ein großer Fehler.

Diese Ausgabe von "Schlag den Raab" war gut, es gab tolle Spiele, Herbert Grönemeyer hat gesungen, Stefan Raab hat souverän gespielt und wenig gemogelt. Auch Moderator Steven Gätjen hat endlich wieder seine Arbeit getan: Er versuchte, Raabs nervige Fragerunden in den Griff zu kriegen und die Kandidaten, die sich teilweise wie Kleinkinder um Punkte stritten, in die Schranken zu weisen. Leider aber war Jan-Marco Montag, dem es an Fitness nicht mangelte, schlicht der Falsche für diesen Abend. Zu überheblich, zu humorlos, zu langweilig. Fast wirkte es, als hätte ihm Raab, der für seine Bissigkeit bekannt ist, die Mitleidspunkte von Herzen gegönnt. Fünfeinhalb Stunden dauerte "Schlag den Raab" dieses Mal und der Moderator zeigte einmal mehr, dass er es mit Weltmeistern und Olympiasiegern locker aufnehmen kann.