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"Schmutziger Süden" von Klaus Lemke: Sommerkomödie über Schwabinger Dolce Vita

Im Oktober feiert er seinen 70. Geburtstag, aber Regisseur Klaus Lemke denkt nicht ans Aufhören. In seinem neuen Film entführt er einen Taugenichts in ein erotisches Wunderland. Für Lemke-Fans, aber nicht nur.

Er ist der bunte Hund unter Deutschlands Regisseuren, der bekennende Schwabinger Bohemien Klaus Lemke (69) passt in keine Schublade. Seit vielen Jahren dreht er ohne reguläre Filmförderung nur mit Mini-Budgets und Darstellern von der Straße kleine, nicht ganz stubenreine Filme.

Angefangen hat er Mitte der 60er Jahre als Autorenfilmer mit "48 Stunden bis Acapulco" (1967) oder "Rocker" (1972), er drehte mit Cleo Kretschmer und Iris Berben, kam später mit dem Gesetz in Konflikt, verschwand von der Bildfläche und ist seit einiger Zeit wieder präsent. Im vergangenen Monat erst erhielt Klaus Lemke den Filmpreis der Stadt München. Sein neuer Film "Schmutziger Süden" läuft in der Nacht von Montag auf Dienstag um 0.10 Uhr im ZDF.

Erzählt wird die fast märchenhafte Geschichte des jungen Herumtreibers Henning (Henning Gronkowski), der sich in Hamburg mehr schlecht als recht über Wasser hält, bis eine seiner Liebschaften ihn zu einem dubiosen Kurierdienst überredet: "Entweder fünf Jahre Knast oder fünf Jahre Karibik mit mir", lockt ihn das Mädel, und so macht sich Henning trotz Flugangst auf nach München, wo der Taugenichts prompt mit düsteren Typen in Berührung kommt, sich dann aber schnell freischwimmt und das Schwabinger Dolce Vita in vollen Zügen genießt.

Zunächst mit der Barfrau Indira (Indira Madison), dann kommt die verwöhnte Sina (Sina Hentschel) an die Reihe. Der Don Juan aus dem hohen Norden schlendert durch die Straßen, und die Herzen fliegen ihm nur so zu. Dazwischen jobbt er ein wenig als Model, und schließlich startet er mit Hilfe der Boulevardpresse eine Kampagne, um einsame Frauenherzen zu erlösen. Kaum zu glauben, der schillernde Ex- Klatschkolumnist Michael Graeter adelt die sommerliche Farce mit einem Kurzauftritt.

Mit lässiger Nonchalance überspielt der Film ganz gut seinen dünnen, bisweilen hanebüchenen Plot, und große Schauspielkunst sollte man von den Amateurdarstellern, die angeblich nur 50 Euro Tagesgage bekommen, auch nicht erwarten. Dennoch versprüht Lemkes amouröse Komödie gerade in ihrer trashigen Unbedarftheit und Spontaneität einen ganz speziellen Charme. Für 75 Minuten folgt man ganz gern den Irrwegen eines Helden, der selbst nicht ganz genau zu wissen scheint, was da gerade mit ihm geschieht.

Johannes von der Gathen, DPA / DPA
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