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TV-Tipp 24.11.: "Schwerkraft": Als "Tatort"-Gisbert noch richtig böse war

Vom Sparkassenangestellten zum Schwerverbrecher: Ein deutscher Film macht auf "Breaking Bad" - und das klappt überraschend gut. Unser TV-Tipp des Tages.

Bevor sich Fabian Hinrichs als "Tatort"-Assistent in die Herzen der deutschen Krimi-Fans spielte, mischte er an der Seite von Jürgen Vogel in einer genialen Krimi-Groteske mit.

Bevor sich Fabian Hinrichs als "Tatort"-Assistent in die Herzen der deutschen Krimi-Fans spielte, mischte er an der Seite von Jürgen Vogel in einer genialen Krimi-Groteske mit.

"Schwerkraft" 1.35 Uhr, Arte
DRAMA "ZDF plant deutsches 'Breaking Bad' mit Bastian Pastewka". So titelten im März einige deutsche Zeitungen und ich dachte nur: WTF? Glücklicherweise entpuppte sich die Meldung als völlig überdreht. Ja, Pastewka macht eine neue Serie. Ja, er wird darin zum Verbrechen verführt. Aber mit der Erfolgsserie von Bryan Cranston hat das ganze sonst nicht viel zu tun. Wie Pastewka auch äußerst amüsiert bei Jan Böhmermann zu verstehen gab.

"Schwerkraft" liegt schon näher dran: Fabian Hinrichs gibt des kleinen Bankangestellten, der nach einem Notfall-Einbruch Gefallen am Leben auf der dunklen Seite des Gesetzes findet. Jürgen Vogel spielt seine Eintrittskarte in die Welt des Verbrechens - Skins-mit-Baseballschläger-verprügeln inklusive. Von einer Kopie der Geschichte um den Meth-Koch und seinen Junkie-Adlatus Pinkman kann man aber nicht sprechen. Überhaupt ist zweifelhaft, dass Drehbuchschreiber und Regisseur Maximilian Erlenwein die Serie schon als Vorbild nehmen konnte. "Schwerkraft" feierte 2009 Premiere - und schwirrte sicher schon eine Zeit lang im Kopf des Filmemachers herum. "Breaking Bad" startete zum Jahresbeginn 2008.

Fabian Hinrichs bräuchte den Vergleich aber nicht zu scheuen. Der Mann, der sich als "Tatort"-Gehilfe Gisbert Engelhardt in die Herzen der "Tatort"-Fans spielte, bringt den Wandel vom Spießer zum Brutalo glaubhaft und doch immer mit dem nötigen schwarzen Humor rüber. So gelingt "Schwerkraft", was nur wenige deutsche Filme schaffen: die feine Linie zwischen Drama und Komödie bis zum Ende durchzuhalten. Respekt für diese Leistung.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern