HOME

"Tatort"-Spurensicherung: Wie macht die Saatkrähe?

Ist Crystal Meth wirklich so schlimm? Was ist eine Stoßstangenobservation? Und wie macht die Saatkrähe? Antworten in der "Tatort"-Spurensicherung des stern.

Im Drogenrausch: Rita Holbeck (Elisa Schlott) und das spätere Mordopfer Mike Nickel (Joel Basman)

Im Drogenrausch: Rita Holbeck (Elisa Schlott) und das spätere Mordopfer Mike Nickel (Joel Basman)

Dieser "Tatort" ließ wirklich keinen kalt. 10,67 Millionen Menschen haben am Sonntagabend die Folge "Borowski und der Himmel über Kiel" angeschaut, in der sich alles um die Droge Crystal Meth drehte. Selbst die Twitter-Gemeinde war so beeindruckt, dass sie mitunter das Twittern vergaß. Und doch sind am Ende womöglich noch ein paar Fragen offen geblieben. Diese klärt die "Tatort"-Spurensicherung des stern.

Was ist Crystal Meth?

Hinter dem Namen steckt das Aufputschmittel Methamphetamin. Es wird in Form grober Kristalle oder als Pulver verkauft. Die Herstellung ist billig, die notwendigen Zutaten gibt es in der Apotheke: ein Mittel gegen Erkältung und das notwendige Ephedrin. Methamphetamin ist über 100 Jahre alt. Ab 1938 gab es die abgeschwächte Droge als Medikament "Pervitin" und war insbesondere bei Soldaten ein beliebtes Mittel zur Angstunterdrückung. Mehr zum Thema Chrystal Meth finden Sie hier.

Gibt es solche Drogendörfer auch in der Realität?

Im Film erklärt Kommissarin Sarah Brandt ihrem Kollegen Borowski, dass insbesondere Landstriche nahe der tschechischen und österreichischen Grenze von Meth überschwemmt werden. Das entspricht ziemlich der Realität. Im Jahr 2013 griff die Polizei 77 Kilogramm Meth ab, davon 36 Kilo in Bayern und 27 Kilo in Sachsen. Laut Anti-Drogen-Behörde in Prag werden in Tschechien rund zehn Tonnen Crystal Meth hergestellt, geschätzt rund drei Tonnen davon sollen über die Grenze nach Deutschland kommen. Laut dem Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2013 13.721 erstauffällige Meth-Konsumenten in Deutschland registriert.

Rufen Saatkrähen tatsächlich so, wie Borowski es im Auto vormacht?

Wir müssen zugeben: Wir wären nicht wirklich auf die Idee gekommen, das nachzuprüfen. Aber die Kollegen bei der "FAZ" haben sich dankenswerter Weise die Mühe gemacht - und tatsächlich "Stimmproben" von Borowski, Krähen und anderen Vögeln zusammengestellt. Was dabei herausgekommen ist, können Sie hier nachlesen.

Was ist eine "Stoßstangenobservation"?

Im Film wird Borowski fuchsteufelswild, weil seine Kollegin Brandt auf eigene Faust einem verdächtigen Dealerpärchen nachsetzt. Eine "Stoßstangenobservation" mit nur einem Fahrzeug sei unverantwortlich, schimpft der TV-Kommissar. In Wirklichkeit kennt man bei der Polizei Hamburg ein solches Wort gar nicht. Grundsätzlich gilt laut dem Hamburger Polizeisprecher Holger Vehren bei Observationen der Grundsatz "keiner soll was mitbekommen." Anders als im Film seien für eine Verfolgung im Auto mindestens drei Fahrzeuge notwendig. Und will man tatsächlich eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung aufbauen, braucht es dafür "nicht weniger als acht Mann", wie Vehren sagt.

Wie hoch ist die Rückfallquote bei cleanen Meth-Abhängigen?

Am Schluss des Films wünscht man sich für Meth-abhängige Rita so etwas wie Hoffnung, dass sie sich aus dem Drogensumpf befreien kann. Laut Uwe Wicha, dem Leiter einer Fachklinik für Drogenrehabilitätion, mit dem das "Tatort"-Team eng zusammengearbeitet hat, gibt es keine objektiven Zahlen dazu. Horrorzahlen die von einer Rückfallquote von 90 Prozent sprechen, mag er in einem ausgesprochen lesenswerten Interview auf der ARD-"Tatort"-Seite jedenfalls nicht zustimmen. Wicha: "Es gibt Befragungen von Suchtklienten nach dem Rückfall. Die sind aber nicht nach der Art der Droge aufgeschlüsselt. Danach sind zwischen 40 und 50 Prozent nach einem Jahr noch clean.

Volker Königkrämer