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Alles Wichtige über die Horror-Droge im "Tatort": Hält Crystal Meth wirklich zwei Wochen wach?

Um einen bestialischen Mord drehte sich der Kieler "Tatort" - und um die Modedroge Crystal Meth. Was macht sie so gefährlich? Und hält sie wirklich zwei Wochen wach? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Crystal Meth – eine Höllendroge, die schnell abhängig macht

Crystal Meth – eine Höllendroge, die schnell abhängig macht

Ein abgehackter Kopf, braune Sumpflandschaften und die Abgründe der Kieler Drogenszene - selten war ein deutscher Krimi so düster wie der gestrige "Tatort", der sich um den brutalen Mord an einem 20-jährigen Crystal-Meth-Abhängigen drehte. Die Freundin des Opfers behauptet im Verhör, dass man mit der Droge zwei Wochen am Stück wach bleiben kann. Stimmt das wirklich? Und was bewirkt die Partydroge noch? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Crystal Meth.

Der Rausch

Hinter Namen wie Piko, Ice oder Crystal steckt das Aufputschmittel Methamphetamin. Es wird in Form grober Kristalle oder als Pulver verkauft, und vom Konsumenten meist geschnupft oder inhaliert, seltener auch geschluckt. Die Droge ist verwandt mit Amphetaminen wie Speed, wirkt aber viel stärker: Methamphetamin überwindet die Blut-Hirn-Schranke besonders leicht und bringt die Nervenzellen dazu, Glückshormone wie Dopamin und Noradrenalin auszuschütten. Das Belohnungszentrum reagiert, als hätte man eine gigantische Glücksspritze bekommen. Der Körper gerät in Alarmbereitschaft. Herzschlag und Aufmerksamkeit nehmen zu, die Leistungsfähigkeit steigt. Man fühlt sich fit, selbstbewusst. Viele spüren sexuelles Verlangen. Hunger, Durst und Schmerzen spielen keine Rolle mehr. Und ja: Auch das Schlafbedürfnis wird schwächer. Tatsächlich können manche Konsumenten bis zu 15 Tage wachbleiben. Einige schlafen nur noch ein, wenn sie beruhigende Medikamente einnehmen.

Die Nebenwirkungen

Sobald die Wirkung nachlässt, treten oft depressive Gedanken, Erschöpfung oder Paranoia auf. Bei besonders heftigem Konsum kommt es auch zum sogenannten "Crash", einer Phase, in der Konsumenten bis zu 72 Stunden am Stück schlafen.

Crystal macht sehr schnell süchtig. Bei manchen reicht schon der einmalige Konsum. Und es ist zerstörerischer als Amphetamine: Mit der Zeit schädigt es die Nervenzellen im Gehirn. Mögliche Folgen: Gedächtnisstörungen, Psychosen, Halluzinationen. Einige Konsumenten essen und trinken zu wenig, dem Körper fehlen irgendwann wichtige Nährstoffe, die Zähne können verfallen, der "Meth-Mund" entsteht. Das Immunsystem verliert an Kraft, auf der Haut bilden sich leicht Geschwüre, das Herz leidet, Infarkte drohen. Hilfe finden Betroffene zum Beispiel #link;www.drugcom.de.;auf dieser Informationsseite# der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Die Konsumenten

Crystal Meth ist nicht nur in der klassischen Drogenszene stark verbreitet. Auch Studenten, Berufstätige, Auszubildende und Rentner verfallen der Droge. Laut dem letzten Drogenbericht ist die Substanz vor allem in Großstädten beliebt. Die Zahl der Konsumenten wächst seit Jahren. Im Jahr 2013 waren es sieben Prozent mehr erstauffällige Konsumenten (insgesamt 2746) als im Jahr zuvor.

Die Herstellung

Die Produktion von kristallinem Methamphetamin ist billig. Eine der am häufigsten eingesetzten Zutaten gibt es in der Apotheke: Arzneien gegen Erkältungen enthalten das notwendige Ephedrin. Allerdings müssen deutsche Apotheker nach dem Grundstoffüberwachungsgesetz melden, wenn jemand Dutzende Packungen Hustensaft bestellt. Zusammen mit Chemikalien wie Jodwasserstoff lässt sich aus Ephedrin Meth kochen. Abflussreiniger, Lampenöl und Batteriesäure verstärken die Wirkung. Ungefährlich ist das Kochen nicht: Es besteht Explosionsgefahr.

Die Geschichte

Methamphetamin ist über 100 Jahre alt. Ein japanischer Wissenschaftler stellte schon 1893 Methamphetamin her. Die euphorisierende Wirkung wurde bald international bekannt. Ab 1938 gab es die Droge in schwächerer Form als Medikament "Pervitin" in Apotheken. Während des Zweiten Weltkriegs nahmen deutsche Soldaten die Substanz als Pille, um Angst zu unterdrücken und leistungsfähiger zu werden. So entstand der Name "Panzerschokolade". Berühmt wurde Crystal Meth durch die US-Serie "Breaking Bad", in der ein Chemielehrer zum kriminellen Crystal-Produzenten wird. Ein bekannter Ex-Konsument ist der mit Steffi Graf verheiratete Andre Agassi. Der ehemalige Tennisprofi gestand, die Droge in den 90er Jahren genommen zu haben.

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