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"The Voice of Germany"-Finale: Der Sieg des einfachen Mannes

Wie immer zu lang, wie immer zu viel Werbung, wie immer viel zu viel Brimborium: Doch ein Gutes hat das mit Stargästen gespickte Finale von "The Voice of Germany" am Ende: einen würdigen Sieger.

Von Jan Zier

Irgendwann denkst du wirklich: Es geht hier tatsächlich um was. Bei all dem Brimborium, den die bei Sat.1 um ihre Casting-Show machen. Aber das stimmt natürlich nicht. Egal. Also: Andreas Kümmert ist - tatatata! - "The Voice of Germany".

Das war natürlich irgendwie zu erwarten, das hat sich auch schon zu Beginn der Show abgezeichnet. Kümmert war der Publikumsliebling, der Favorit. Aber das geht schon in Ordnung. Wirklich! Er kommt daher wie ein Underdog, das hat man gern in solchen Shows. Er sieht ein bisschen aus wie ein Nerd, auch das kommt hier ganz gut, wirkt aber eben auch wie ein sympathischer Kumpel von nebenan. Er kann echt unglaublich, umwerfend gut singen. Und dabei total authentisch rüberkommen. Am Ende hat der 27-Jährige das überlange und werbegesättigte Finale mit 47,4 Prozent der Stimmen klar für sich entschieden. Keine absolute Mehrheit – und doch waren sie alle ziemlich abgeschlagen neben ihm.

Chris kann mit James Blunt nicht mithalten

Wobei: Dass Debbie Schippers nur 7,5 Prozent der Stimmen bekam, ist nicht ganz fair. So schlecht war sie nun wirklich nicht. Mit ihren gerade mal 17 Jahren kommt sie immer noch etwas kindlich rüber, aber ihr Auftritt im Finale ist total professionell. "Sie hat alles, was ein Popstar braucht", sagt Elli Goulding, mit der zusammen Schippers deren Hit "Burn" performen darf, über sie.

Platz drei ging mit 17,5 Prozent der Stimmen an Judith van Hel. Obwohl Nena es bei ihr die Sprache verschlägt, Samu Haber sie "fucking amazing“ findet und Max Herre ihre "Persönlichkeit auf der Bühne“ lobt. Und Tom Odell sich "geehrt“ fühlt, seinen Hit "Another Love“ mit ihr im Duett zu singen. Ähnlich wie Andreas Kümmert passt sie optisch nicht recht ins Schema F, sie hat raspelkurze Haare, eine kerlige Stimme, einen Ring in der Nase und mehr tätowierte als nackte Haut am Körper. Deswegen heißt ihr eigener Song wohl auch "Fucking Beautiful“. Ihr Auftritt: Selbstbewusst. Sie weiß, was sie kann.

Bleibt noch der brave, introvertierte und etwas schüchterne Chris Schummert, mit 27,5 Prozent immerhin die Vize-Voice. Seiner Stimme fehlt, nein: nicht der Charakter, aber meist etwas die Fülle, dennoch wird er bei seiner Akustik-Gitarren-Version von George Michaels "Faith“ gleich mit "Zugabe“-Rufen beehrt. Schummert ist ein Balladen-Fan, der nach Nashville will, wenn er mal 21 ist, nächstes Jahr. Seine eigene Single "The Singer“ ist schon ganz überzeugend, aber in seinem Anzug mit Krawatte kommt er ein wenig wie ein Bankangestellter daher. Mit James Blunt darf er zusammen dessen "Bonfire Heart“ auf die Bühne bringen. "Ich versuche, dem gerecht zu werden“, sagt er vorher. Seine Stimme steche heraus, sagt Blunt über ihn. Und doch kann sie mit der des Briten nicht mithalten.

"Genau das will das Publikum hören"

Kümmerts Lied heißt "Simple Man“. Er singe "von Herzen“, sagt Rebecca Ferguson über ihn, "und genau das will das Publikum hören“. Kümmert ist einer, der seine Texte auf der Bühne lebt. Es möge derjenige gewinnen, der die Herzen der Menschen am meisten berühre, hatte Nena zu Beginn des Finales gesagt. Und so war es dann wohl auch. Der Trubel um seine Person ist ihm eine wenig zu viel, und das ewige Gerede um sein kauziges Aussehen nervt ihn. Es soll ja nur um die Musik gehen. Aber: Hey, wie soll das denn gehen? Das hier ist Fernsehen. Nochmal, hat er vor dem Finale gesagt, würde er sich nicht bei der Show bewerben. Sympathisch! Trotzdem gut, dass er es gemacht hat.

Natürlich wird es auch eine vierte Staffel geben. Vielleicht finden sie bis dahin aber noch einen besseren Moderator.