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TV-Tipp 11.11.: "Walhalla Rising": Der Superstar im Blutrausch

"Walhalla Rising" garantiert einen TV-Abend ohne Witze, ohne Romantik und ohne Dialoge - dafür gibt es exzellent fotografierte Bilder, ein Meer von Gewalt und einen halbnackten Mads Mikkelsen.

Nach seiner Befreiung aus der Sklaverei begibt sich der schweigsame Krieger "Einauge" (Mads Mikkelsen) auf die Suche nach Jerusalem, gerät aber nach Walhalla, jenem mythischen Ruheort gefallener Wikinger.

Nach seiner Befreiung aus der Sklaverei begibt sich der schweigsame Krieger "Einauge" (Mads Mikkelsen) auf die Suche nach Jerusalem, gerät aber nach Walhalla, jenem mythischen Ruheort gefallener Wikinger.

"Walhalla Rising"
22.00 Uhr, ZDF Kultur
WIKINGERFILM In "Walhalla Rising" trifft Kunst- auf Actionkino. Diese Spezialität, die sonst asiatischen Filmemacher vorbehalten ist, wird dieses Mal von Nicolas Winding Refn angerichtet. Berühmt wurde der durch die dänische "Pusher"-Trilogie, dem größeren Publikum bekannt durch den grandiosen "Drive" und den manierierten "Only God Forgives".

In "Walhalla Rising" spielt Superstar Mads Mikkelsen einen gefangenen Krieger, der in Schottland als Sklave für Gladiatorenkämpfe gehalten wird. Der Berserker hört auf den Namen Einauge und spricht während des ganzen Filmes kein Wort. Irgendwann kann er sich aus der Hölle seiner Knechtschaft befreien und lässt hinfort eine Spur von Blut hinter sich. Ihm folgt der Junge Arne, der ihn schon zuvor mit Essen versorgt hat.

Der Film hat sogar eine weitere Handlung: Einauge und sein kindlicher Begleiter schließen sich einer Gruppe von skandinavischen Kreuzfahrern an, die Jerusalem befreien wollen, aber in einem feindlichen Amerika landen. Doch die Story ist eigentlich egal. Der Film lebt von der grandiosen Monotonie der kargen Landschaften, dem endlosen Schweigen Mikkelsen, einer fiebrigen Traumatmosphäre, die immer wieder von exzessiver Gewalt durchbrochen wird. Letztlich setzt der Film nur seinen Titel um: Einauge bewegt sich wie ein Schlafwandler durch die Vorräume von Walhalla - der Halle der Götter, in die nur die Einlass finden, die im Kampf sterben.

Den Freunden der TV-Serie "Vikings", die eine süffige Schlachtplatte erwarten, wird einiges abverlangt. "Walhala Rising" ist schwer verdauliche Kost. Vergleichbar noch am ehesten mit "Stalker" von Andrei Tarkowski und " Aguirre, der Zorn Gottes" von Werner Herzog. Belohnung für Mühe und Beklemmung ist ein Film, wie man ihn nie zuvor gesehen hat.

Ein TV-Tipp von Gernot Kramper, Redakteur beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"J’accuse - Ich klage an"
23.25 Uhr, Arte


STUMMFILM Regisseur Abel Gance (1889-1981) klagt "den Krieg und seine Dummheit an", drehte dafür auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs und mit Soldaten, die in Verdun gekämpft hatten. Der Klassiker von 1919 wurde frisch restauriert und am 8.11. 2014 in Paris wieder aufgeführt. (bis 2.15)

"Nach Wriezen"
23.45 Uhr, RBB


DOKU Warum kommen so viele zurück? Als Sozialpädagoge mit dem Scheitern von Resozialisierungsmaßnahmen vertraut, drehte Daniel Abma einen Film über drei straffällig gewordene Jungs. Er trifft sie am Tag ihrer Entlassung aus der JVA Wriezen und folgt ihnen drei Jahre. Danach weiß man mehr. (bis 1.15)