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25 Jahre "Dallas": Fies zum Erfolg

Vor 25 Jahren begann der Siegeszug von "Dallas" im deutschen Fernsehen. Keine andere TV-Serie hat so viele Zuschauer in ihren Bann geschlagen wie die Geschichten über die Ewings. Das lag vor allem an einem Fiesling.

Das überraschend Neue an "Dallas" war beim Deutschland-Start, dass nicht mehr nur sympathische, vorbildhaft handelnde Serienfiguren im Mittelpunkt standen, sondern ein von Machthunger getriebener, skrupellos intriganter Fiesling: Firmenchef J.R. Ewing (Larry Hagman). An Aktualität hat das Thema bis heute nichts verloren: Die Kinoversion von "Dallas" mit John Travolta als J.R. ist in Vorbereitung. Am Abend des 30. Juni 1981 lief die erste Folge im Ersten Programm der ARD. In den USA war da der Höhepunkt des «Dallas»-Fiebers schon vorbei. Am 21. November 1980 hatten schätzungsweise 83 Millionen Zuschauer CBS eingeschaltet, um zu erfahren, wer in der vorangegangenen Folge auf J.R. Ewing geschossen hatte (es war seine Schwägerin Kristin Shepard) und ob er noch lebt. Diese höchste Zuschauerzahl der TV-Geschichte wurde nur übertroffen von der am 28. Februar 1983 ausgestrahlten letzten Folge der Serie "MASH".

Weltweit wurde "Dallas" in 70 Länder verkauft. In Deutschland sahen zunächst 12 bis 15 Millionen zu. Den Höhepunkt von 18,1 Millionen erreichte die Serie Ende 1985. Ein ganzes Jahrzehnt lang war dienstags "Dallas"-Abend. Die letzten Folgen, die 356. und 357., liefen am 27. September 1991. Die Einschaltquote ging immer mehr zurück, zuletzt sahen noch fünf bis siebeneinhalb Millionen zu. Im Sommer 1990 begann die ARD mit der ersten von drei Wiederholungen im Vormittagsprogramm, die sich bis 1999 hinzogen. "Dallas" läuft immer noch - zurzeit im Vormittagsprogramm bei Kabel 1. Die Entscheidung, die Produktion der Serie einzustellen, fiel im Sommer 1990. Es heißt, Anlass seien die hohen Gagenforderungen von Larry Hagman gewesen. Der Schauspieler wirkte als Einziger in allen 357 Folgen mit. Er führte bei einigen Episoden auch Regie so wie auch Patrick Duffy, der seinen Bruder Bobby Ewing spielte, und Linda Gray, die Sue Ellen Ewing, die labile Ehefrau von J.R., mimte.

Private Freundschaften

Die Schauspieler stritten und bekämpften einander nach eigenen Angaben nur vor der Kamera. So erklärte Patrick Duffy im April 2002 dem stern: "Larry Hagman und ich pflegen eine sehr enge Freundschaft." Die gesamte Mannschaft der Serie komme auch heute noch gelegentlich zusammen, etwa zu Hagmans 70. Geburtstag im vergangenen Jahr. Neben der Serie wurden drei TV-Specials gedreht: Der TV-Film von 1986 über die frühen Jahre erklärt die Entstehung der Feindschaft zwischen den Clan-Oberhäuptern Ewing und Barnes. 1996 hieß es "J.R. kehrt zurück" und 1998 "Kampf bis aufs Messer".

Für fast alle "Dallas"-Darsteller war es mit dem Ende der Serie auch mit dem großen Erfolg vorbei. Nur Patrick Duffy hält seine Dauerpräsenz im amerikanischen Fernsehen, vor allem in Serien, bis zum heutigen Tag durch. Er führt seit 1974 eine der längsten Schauspieler-Ehen und lebt zurückgezogen auf einer Ranch im US-Staat Oregon. Duffy hat sich dem Buddhismus zugewandt, während seine "Dallas"-Kollegen mit Alkoholproblemen kämpften. Larry Hagman bekam 1995 eine Leber transplantiert. Seine Erkrankung erklärte er selbst mit starkem Alkoholgenuss. 2004 musste er erneut operiert werden. Linda Gray enthüllte, dass sie nicht nur als Sue Ellen von der Flasche abhängig war. "Der Alkohol war mein einziger Freund, glaubte ich", sagte sie in einem kürzlich erschienenen Interview. Über Victoria Principal gibt es nur das Gerücht, bei ihrer kürzlich bekannt gegebenen Trennung von Ehemann Harry Glassman habe ihr Trinkverhalten eine entscheidende Rolle gespielt.

Jennifer Lopez soll die neue Sue Ellen spielen

Ken Kercheval, der Cliff Barnes, den großen Gegenspieler von J.R., spielte, tauchte kaum je in anderen Rollen wieder auf. Victoria Principal (Barnes' Schwester und Bobbys Ehefrau Pamela) gründete eine Filmproduktionsfirma, war aber erfolgreicher mit ihrer Kosmetikserie "Principal Secret". Von den "Dallas"-Blondinen Audrey Landers (J.R.-Geliebte Afton Cooper) und Charlene Tilton (Lucy Ewing Cooper) bekamen die Zuschauer auch nicht mehr viel zu sehen. Landers trat in Deutschland zeitweilig als Popsängerin auf. "Miss Ellie"-Darstellerin Barbara Bel Geddes starb im August 2005 mit 82 Jahren an Lungenkrebs. Bereits 1981 war Jim Davis gestorben, der in "Dallas" ihren Ehemann Jock Ewing gespielt hatte. Sein Nachfolger in dieser Rolle, Howard Keel, erlag im November 2004 mit 85 Jahren einem Krebsleiden.

Die neue "Dallas"-Generation soll im Oktober dieses Jahres gefilmt werden. In dem Kinofilm unter der Regie des Briten Gurinder Chadha ("Kick It Like Beckham") sollen John Travolta und Jennifer Lopez die Hauptrollen J.R. und Sue Ellen Ewing spielen; endgültig ist das aber noch nicht. Verhandelt wurde außerdem dem Vernehmen nach mit Luke Wilson als Bobby Ewing, Marcia Cross als Pamela Ewing und mit Shirley MacLaine als Miss Ellie. Die Premiere in den USA ist für nächstes Jahr geplant.

Inge Treichel/AP