60. Geburtstag Thomas Gottschalk - der letzte Dinosaurier der Showbühne


Sein Altherrenwitz ist berüchtigt. Doch macht sich Thomas Gottschalk meist selbst zum Affen. Das war schon immer so. Seit fast 40 Jahren arbeitet er in den Medien. Jetzt wird er 60. Wir gratulieren dem letzten Dinosaurier der Showbühne.

Kann man sich diesen lässigen jungen Mann als Lehrer im Klassenzimmer vorstellen? Thomas Johannes Gottschalk wurde am 18. Mai 1950 in Bamberg geboren und jobbte schon neben der Schule als DJ in einem Kulmbacher Tanzlokal. Dann begann er, Germanistik und Geschichte auf Lehramt zu studieren, arbeitete aber nebenbei schon für den Jugendfunk des Bayerischen Rundfunks.

Am Anfang seiner Karriere fungierte Gottschalk kurzzeitig sogar als Nachrichtensprecher. Doch der junge Journalist fiel schnell durch seine flotten Sprüche und seine Spontaneität auf. 1979 moderierte er die deutsche Endausscheidung für den Grand Prix, der in Jerusalem stattfand.

Keine Affären, keine Sexskandale: Auch wenn er mit den weiblichen Gästen auf der "Wetten, dass ..?"-Couch gerne flirtet, und man sich dabei fremdschämt - als Womanizer ist Thomas Gottschalk nicht bekannt. Mit Frau Thea ist er seit 34 Jahren verheiratet.

Für jeden Unsinn zu haben: 1983 drehte Gottschalk gemeinsam mit dem Komödianten Mike Krüger den Kinofilm "Die Supernasen", eine Liebeskomödie um einen notorisch klammen Studenten, der von seiner Freundin verlassen wurde. Sowohl Vorgängerfilm "Piratensender Powerplay" als auch Nachfolger "Zwei Nasen tanken Super" sorgten für ordentlich Umsatz an der Kinokasse.

Beim Bayerischen Rundfunk kreuzten sich die Wege der beiden wohl erfolgreichsten Moderatoren im deutschen Fernsehen: Erst kam Thommy mit seiner Radioshow auf Bayern 3, ab 16 Uhr wurde er dann von Günther Jauch abgelöst. Legendär waren die schlagfertigen und frotzeligen Übergaben der beiden.

Ein historischer Augenblick: "Wetten, dass ..?"-Gründer und Moderator Frank Elsner übergab die Show an Thomas Gottschalk. 20,84 Millionen Zuschauer schalteten ein bei Gottschalks erster Sendung am 26. September 1987 - die Traumquote von damals hat sich mittlerweile halbiert.

Gottschalk ist nicht zu stoppen: In "Zärtliche Quoten" (1987) raste er mit Jetski und Filmpartnerin Deborah Shelton übers Wasser. Weit mehr als ein Dutzend Filme drehte Quasselstrippe Thommy neben seiner Moderationstätigkeit. Außerdem lieh er Hollywoodstars wie Bruce Willis und Bill Murray seine Stimme als Synchronsprecher.

Betrug bei "Wetten, dass ..?" im September 1988: Bernd Fritz wettete, er könne die Farbe von Buntstiften durch Lecken an der Buntstiftspitze erkennen. Nach der gewonnenen Wette outete er sich als Redakteur des Satire-Magazins "Titanic" und gab zu, durch die angeblich dicht sitzende Augenbinde geblinzelt zu haben. Peinlich für Gottschalk, solch ein Zwischenfall kam nie wieder vor.

Zwei Jahre pausierte Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass...?", Interims-Moderator war Wolfgang Lippert. In der Zeit widmete sich Gottschalk TV-Experimenten: Bei RTL startete er "Gottschalks Late Night", erfolglos, aber wegweisend für seine Nachfolger wie Harald Schmidt, Kerner oder Raab. Bei Sat.1 moderierte er "Gottschalks Haus-Party", dazu lud er Gäste wie Schauspieler Günter Strack in ein wohnzimmerartiges Studio ein, plauderte und spielte Spielchen mit ihnen.

Mit Hollywood-Sternchen und Showgrößen kann Gottschalk umgehen und hat entsprechende Kontakte, so dass auch ein Weltstar wie Michael Jackson 1995 in der ZDF-Show "Wetten, dass...?" auftrat. Trotz der guten Kontakte zu Hollywood und seinem Wohnsitz in Malibu - in den USA ist Gottschalk ein kleines Licht. Das weiß er und trägt's mit Selbstironie: "Wenn ich bei einer Premiere über den roten Teppich laufe, hören von 100 Fotografen 98 auf zu knipsen. Meine Frau und ich sehen immer so aus, als wären wir wer, aber die Fotografen wissen nicht, ob ich der finnische Außenminister bin oder ein Zirkusdirektor", sagte Gottschalk mal im "Spiegel"-Interview.

Für den Börsengang der Deutschen Post im Jahr 2000 warb Thomas Gottschalk gemeinsam mit seinem vier Jahre jüngeren Bruder Christoph, der als Medienmanager tätig ist. Sowohl im Radio, Fernsehen als auch auf Plakatwänden konnte man das unglaubliche Duo wochenlang nicht übersehen. Nur selten hingegen sieht man Thomas Gottschalk mit Sohn Roman. Damit seine Kinder ohne Medienrummel aufwachsen können, ist der Moderator in den 90er Jahren nach Kalifornien gezogen. Den zweiten Sohn Tristan haben die Gottschalks 1989 adoptiert.

Gottschalkweiß, was Fernsehzuschauer wünschen und wurde nach verlorener Wette 2008 wie ein Würstchen in Senf getaucht. "Ich weiß einfach: Wenn ich zur Begrüßung sage, dass ich eventuell am Ende in Senf versenkt werde, bleiben zwei Prozent Zuschauer dran, die sonst zur Volksmusik abwandern würden. Wenn ich ankündige, dass der Senf brennt, behalte ich die Action-Fans, die sonst bei ProSieben wären. Und wenn ich die Senf-Nummer zusammen mit einer nackten Frau machen würde, greife ich noch die halbe Zuschauerschar von RTL II mit ab. Immerhin habe ich mich auf den Senf beschränkt", so Gottschalk im "Spiegel"-Interview.

Als Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki 2008 beim Deutschen Fernsehpreis den Ehrenpreis für sein Lebenswerk verliehen bekommen sollte, hielt Gottschalk die Laudatio. Doch Reich-Ranicki lehnte ab, ließ eine Schimpftirade auf das deutsche Fernsehen los. Ein Eklat, der wochenlang für Diskussionen über die Qualität der hiesigen TV-Produktionen sorgte, und in der sich Gottschalk als Mittler und Moderator betätigte.

An den Locken auf dem Kopf lässt sich wenig ändern, umso öfter trimmt der modebewusste Gottschalk seine Barthaare unterschiedlich: glattrasiert, klassischer Vollbart, Kinnspitzbart im Rapper-Style oder der Musketier-Look. Welcher Bart für welche Einschaltquoten sorgt, wäre sicher mal eine Untersuchung wert. Modische Extravaganzen sind Thomas Gottschalks Markenzeichen. Seine Looks fallen auf, sorgen für Bewunderung und Kopfschütteln. Er ist das Model unter den Moderatoren: Auf seiner Länge von 1,92 Metern mit der athletisch-schlanken Figur kommen Klamotten einfach gut zur Geltung: Ob Jeans, Trachtenlook, Weste, Wurstpellen-Ballettlook, "Tootsie"-Verschnitt oder Schottenrock, Angst vor Lächerlichkeit oder modischen Tabus kennt Thomas Gottschalk nicht. Schwarze Anzugträger gibt es schon genug, das kann Gottschalk auch, ebenso wie Lederhose mit Rüschenbluse oder Tarnanzug. Ein großer Junge, dessen Aussehen sich über die Jahre kaum verändert hat, die Haarpracht wird dünner, aber ansonsten hält sich der Moderator erstaunlich jung. Rosige Aussichten also für "Wetten, dass ..?", den bei aller Kritik - wer sonst sollte dieses Format aus einer anderen Zeit zusammenhalten?


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker