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"Adam sucht Eva": Ein Hoch auf Mister Torpedo!

Zwei Österreicher suchten in der letzten Folge im Paradies nach ihrer Eva. Einer fand sie. Doch Achi alias Mister Torpedo hat etwas anderes gefunden – sein Talent als Rampensau.

Von Simone Deckner

Kandidaten der RTL-Kuppelshow Adam sucht Eva

Nackte Menschen, ein wenig Kuppelei und fertig ist die Trash-TV-Show: "Adam sucht Eva" auf RTL

Schluss. Aus. Vorbei. Zum Staffelfinale entsandte RTL gestern letztmalig einen nach heutigen Attraktivitätsstandards normierten Nackerten auf eine Südseeinsel. Auf dass er die große Liebe vulgo seine Eva finde. Oder zumindest den korrekten Weg mit verbundenen Augen durch einen Hindernisparcours am Strand, wo er stolpernderweise Kokosnüsse und Lippenstifte bezwingen musste.

Klingt komplett gaga? Ist es natürlich auch. Wie das gesamte Konzept von "Adam sucht Eva" – oder verbirgt sich hinter dem augenscheinlich für die Zielgruppe Vorstadt-Voyeure ("Geil! Nackte Titten in allen Größen!") erdachten Firlefanz womöglich doch mehr?

Die Grundidee ist ja so dumpfbackig nicht: Lasset die Liebestollen splitterfasernackt aufeinander los und schauet, was geschieht! Kein hässliches Hollister T-Shirt, keine speckige Wachsjacke, keine schlaffe Boyfriend-Jeans solle euren Blick ablenken vom Wesentlichen: Dem Menschen, so wie Gott (ok, in vielen Fällen: der Schönheitschirurg) ihn schuf – nackt, schutzlos, verletzlich, aber frei – auch von Statussymbolen und Geschmacklosigkeiten. Ausnahme: die unvermeidliche Tattoo-Ganzkörpertapezierung, mit der gefühlt 85 Prozent der Kandidaten sich, nun ja… schmücken.

Hätte es auch mit Klamotten gefunkt?

Es ist eine durchaus interessante Frage: Hätten sich der nebenberufliche Stripper Klaus und die zurückhaltende, kurzhaarige Johanna abends in einer Bar voneinander angesprochen gefühlt? Wie hätten sie sich mit Kleidung eingeordnet? Sie ihn als Schönling? Er sie als Amazone? Auf der Insel jedenfalls knisterte es nach anfänglicher Zurückhaltung ordentlich zwischen beiden. Spätestens nachdem Johanna Klaus liebevoll einige störende Rückenhaare entfernt hatte, stand der Schipperei zur "Insel der Versuchung" nichts mehr im Weg.

Leer hingegen ging Achi alias Mister Torpedo (nennt so sein bestes Stück) aus. Ein Jammer, wie er selbst fand. Ein Glück, wie man als Zuschauer sagen muss. Kurzzeitig hatte man noch befürchtet, die transsexuelle Edona verschlinge den jünglingshaften Sprücheklopfer mit Haut und Haar. Achi selbst hatte es herausgefordert, neckisch gefragt "Willst du mich vernaschen wie eine Traube?". Später stiftete er seine Eva-in-spe dazu an, ihre gebrauchten Silikonkissen zu signieren. Aus der Wunschwidmung "Für meinen Feldstecher" wurde dann leider "Für meinen Fellstecher". Edona kann halt kein österreichisch. Womöglich war es am Ende ihre Rechtschreibschwäche, wahrscheinlicher aber ihre "zwei großen Hupen", die Achi nicht übersehen konnte.

Mister Torpedo könnte ein Dauergast im TV werden

Mister Torpedo ging allein nach Haus, aber er ist der eigentliche Gewinner. Denn polarisierende Typen wie er machen Trashformate wie "Adam sucht Eva" erst sehenswert. Achis Sprüche saßen. Immer. Über den Neuzugang David etwa sagte er: "Er scheint ein geselliger Kerl zu sein. Aber was heißt das schon? Mein Haustier ist auch gesellig, wenn ich mit ihm Gassi gehe." Nach einem kurzen Kuss mit Edona entfuhr es ihm: "Du hast aber auch echt weiche Lippen. Wie Schlauchboote." Unvergessen auch sein hoffnungsloser wie rührender Versuch, Johanna als Pole Dancer zu beeindrucken und seine bittersüßen Lobeshymnen auf sich selbst ("Ich bringe sie wenigstens zum Lachen") – that’s entertainment.

Was fehlte? Ein Epilog, wie man ihn aus Formaten wie "Die Küchenchefs" kennt: Acht Wochen nach den Dreharbeiten sind wir noch mal hingefahren und wollten mal schauen, ob der Klaus und die Johanna sich auch mit Klamotten noch immer so anziehend finden wie auf der Insel. Bewahrt Achi die geschenkten Silikonkissen von Edona an einem ganz besonderen Ort auf? Was wurde aus der heillos verschossenen Heike und ihrem Latin Lover Williams? Und was macht Lugners Ex Bahati eigentlich heut? Was Achi vorhat, konnte man inzwischen immerhin erfahren. Nach seiner Reise auf die Südseeinsel würde der österreichische Alleinunterhalter demnächst auch gern im australischen Dschungel aufschlagen. Die Chancen dafür stehen gar nicht mal schlecht…

Anmerkung:

Dieser Text entstand unter erschwerten Bedingungen: Erst kollabierte der Laptop der Autorin, dann der Internetzugang des Uralt-Rechners, der hektisch als Ersatz herangeschafft wurde. Wenn Sie dies lesen können, hat es trotzdem irgendwie geklappt.

Der Autorin auf Twitter folgen: twitter.com/senatorsim

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