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ZDF-Fahndungssendung: Kriminalpsychologin Lydia Benecke erklärt in "Aktenzeichen XY": So ticken Straftäter

In "Aktenzeichen XY…gelöst" arbeitet Rudi Cerne an diesem Mittwochabend drei aufgeklärte Kriminalfälle für das Publikum auf. Mit dabei im Studio: Lydia Benecke. Deutschlands wohl bekannteste Kriminalpsychologin erklärt, was Verbrecher zu ihren Taten antreibt.

Lydia Benecke im Studio mit Rudi Cerne. Die Kriminalpsychologin erklärt am Mittwochabend drei Kriminalfälle aus wissenschaftlicher Sicht.

Lydia Benecke im Studio mit Rudi Cerne. Die Kriminalpsychologin erklärt am Mittwochabend drei Kriminalfälle aus wissenschaftlicher Sicht.

Wenn ZDF-Moderator Rudi Cerne "Aktenzeichen XY" präsentiert, geht es normalerweise um ungelöste Kriminalfälle, bei der die Polizei in der Sackgasse steckt. Die Zuschauer sind dann jedes Mal aufgerufen, bei der Fahndung mitzuhelfen – und oftmals hat eine solche Tätersuche Erfolg.

Warum also nicht einmal eine Sendung produzieren, bei der eine erfolgreiche Verbrecherjagd nachgezeichnet wird? Im vergangenen Jahr, zum 50. Jubiläum von "Aktenzeichen XY…ungelöst" gab es solch eine Spezialsendung zum ersten Mal: Drei Fälle wurden im November 2017 aus der langen "Aktenzeichen"-Historie gezeigt. Damals guckten laut ZDF 5,8 Millionen Zuschauer diese Sondersendung. Grund genug für die Macher, das Spezialformat an diesem Mittwoch mit drei weiteren Fällen zu wiederholen.

Lydia Benecke bei "Aktenzeichen XY...gelöst"

Auch dieses Mal würden wieder geklärte Fälle gezeigt, bei denen "Aktenzeichen XY… ungelöst" einen maßgeblichen Anteil an der Öffentlichkeitsfahndung hatte“, sagte Roman Beuler, ZDF-Redakteur für die Sendung, dem stern.

Und auch dieses Mal hat Rudi Cerne wieder eine Gesprächspartnerin zu Gast, die vielen Zuschauern vermutlich noch aus der Sendung vom vergangenem Jahr im Gedächtnis ist: Lydia Benecke. Die Kriminalpsychologin mit den markanten kupferroten Haaren wird im Studio für Moderator Cerne Fälle und Täter aus wissenschaftlicher Sicht analysieren und einen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Verbrecher geben. Dabei geht es nicht darum, Mitleid mit ihnen zu wecken, sondern vielmehr darum zu verstehen, was sie antrieb, ihre Taten zu begehen.

Im Gegensatz zu normalen "Aktenzeichen YX"-Sendungen, die stets live sind, wurde diese Spezialfolge zuvor aufgezeichnet, Benecke und Cerne besprechen zwischen den Filmbeiträgen die Merkmale der Fälle. Nach der Sendung gibt es einen Livechat bei Facebook mit der Psychologin.

Bücher, Vorträge - und 30 Stunden pro Woche Therapie

Wenn der Chat beginnt, hat Benecke an diesem Tag eigentlich schon ein volles Programm hinter sich, auf einem Kongress in Berlin, wo sie eine der Rednerinnen war. Ohnehin ist die Diplom-Psychologin derzeit sehr gefragt. Im März kam ihr neues Buch "Psychopathinnen: Die Psychologie des weiblichen Bösen" heraus, in der sie Fälle von Täterinnen nachzeichnet, die lange unentdeckt blieben, weil sie geschickt Frauen-Rollenklischees nutzten.

Benecke hält in ganz Deutschland Vorträge. Inzwischen ist sie wohl das bekannteste Gesicht  ihres Fachs, ein Popstar der Kriminal-Psychologie. Tickets für ihre Vorträge kann man auf ihrer Website oder bei Portalen wie Eventim buchen. Auch mit Themen wie "Teufelswerk oder Hexenjagd? - Was steckt hinter Satanistenmorden und anderen düsteren Verbrechen?" füllt sie Veranstaltungssäle in München wie Bochum.

"Die tätowierte Kriminalpsychologin"

Fans hat sie nicht nur unter unter Psychologie- und Krimi-Interessierten – sondern auch in der Tattoo-Gemeinde. "Mord ist ihr Hobby" titelte das "Tätowierer-Magazin" in einem Beitrag, der vor etwa zwei Jahren erschien, und der seine Leser damit lockte, "alles über die tätowierte Kriminalpsychologin" zu berichten.

Aber auch eben jene "tätowierte Kriminalpsychologin" hat einen normalen Arbeitsalltag. Denn hauptamtlich arbeitet Benecke, die 1982 in Polen geboren wurde, mit viereinhalb Jahren nach Deutschland kam und in Bottrop aufwuchs, als Kriminalpsychologin in der Therapie von Sexual- und Gewaltstraftätern. Gruppen- und Einzeltherapien zusammengenommen, habe sie zur gleichen Zeit etwa 50 Fälle, sagte sie dem stern. 30 Stunden in der Woche therapiere sie Straftäter.

Verzerrte Wahrnehmungen

In der Therapie gehe es unter anderem um den Umgang der Täter mit ihren eigenen Aggressionen, den eigenen Gefühlen und um das Erlernen von Empathie – also Mitgefühl - mit den Opfern, sagte sie. Ziel solcher Sitzungen sei unter anderem das "Wegarbeiten von kognitiven Verzerrungen". So nenne man es beispielsweise, wenn ein Sexualstraftäter der Meinung sei, er habe einem Kind ja keine Gewalt angetan, weil es immer wieder zu ihm zum Kuscheln komme. "Solche Täter rechtfertigten ihr Tun vor sich selbst. Sie erkennen nicht, dass sie als Erwachsener eine Macht über ein Kind ausüben, gegen das sich das Kind nicht wehren kann", so Benecke gegenüber dem stern.

In "Aktenzeichen XY…gelöst" geht es am Mittwochabend (ZDF, 20.15 Uhr) um einen Serienkiller, den die Medien den "Rhein-Ruhr-Ripper" nannten, einen Mord für 80 Euro, bei dem der Täter scheinbar keine Spuren hinterließ sowie einen Fall, bei dem ein Fußballfan in den Rollstuhl geprügelt wurde. Obwohl der Schläger bekannt war, wollte niemand gegen ihn aussagen.

Um die Fälle bewerten zu können, hat sich Benecke gründlich eingearbeitet – in die Urteile und Gutachten. Auch mit Ermittlern habe sie gesprochen, sagte sie dem stern. Das ZDF hofft auf einen ähnlichen Publikumserfolg wie im vergangenen Jahr.

Beliebtes TV-Format: "Aktenzeichen XY": Zahlen, Fakten, Aufklärungsrate