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ARD-Dokumentation "Die Spitzel von Scientology" Der Schlägertrupp der Promi-Sekte


Einschüchterung, Gewalt, Bestechung, Drohgebärden - Scientology soll nicht gerade zimperlich sein, wenn es darum geht ihre staatsfeindlichen Ziele durchzudrücken. Eine ARD-Dokumentation widmet sich jetzt einer ganz besonders perfiden Abteilung der Sekte.

Drei Buchstaben: OSA. Doch dahinter soll sich ein Geheimdienst verbergen, so mächtig, dass mancher Staat nur davon träumen kann. "Office of Special Affairs", Abteilung für spezielle Angelegenheiten, so schlicht nennt die Sekte Scientology seine Spitzelabteilung.

Scientology-Gegner Jeff Drea holt sich eine blutige Nase, vor der Kamera lassen sich die Mitglieder der einflussreichen Organisation in dem Dokumentarfilm jedoch nicht zur Gewalttätigkeit hinreißen. Das haben sie auch gar nicht nötig, wie die Recherchen der Filmemacher ergeben: Wenn Erpressung, Einschüchterung und einflussreiche Kontakte nicht genügen, fließt eben Geld. Darüber verfügt das als Kirche deklarierte Großunternehmen reichlich.

Ein beträchtlicher Teil des Vermögens fließt der Schätzung von Insidern zufolge in die OSA. Offiziell ist das die Presse- und Rechtsabteilung von Scientology. Inoffiziell ist es mit großer Wahrscheinlichkeit eine Mischung aus privatem Geheimdienst und Schlägertruppe. Schon in den 80ern soll sich Scientology diese Abteilung etwa 100.000 Dollar kosten lassen haben - pro Woche. So erinnert sich Aussteiger Mike Rinder, der ehemalige Chef von OSA, im Film.

Außerhalb der Verfassung

Das Vermögen werde eingesetzt, um die sogenannten "Unterdrücker" einzuschüchtern, öffentlich in Misskredit zu bringen und mundtot zu machen. Als "Unterdrücker" gelten alle erklärten Gegner und ehemaligen Mitglieder der Organisation. Skrupel kennen die Scientology-Agenten nicht: Schon Gründer L. Ron Hubbard erlaubte in seinen Schriften ausdrücklich Gesetzesübertretungen, um das große Ziel, eine Gesellschaft nach den Vorstellungen Scientologys, zu erreichen.

Norman Suchanek, der selbst als Spitzel im Einsatz war, erinnert sich in der Dokumentation an detaillierte Leitfäden: Anweisungen zum Stalking und zur Überwachung von Personen, ohne die Grenzen der Legalität eindeutig zu überschreiten.

Wie wirksam die Methoden der Sekte sind, zeigen Frank Nordhausen und Markus Thöß am Beispiel von Prozessen. Selbst in Deutschland und Frankreich, wo Scientology von staatlicher Seite kritisch betrachtet wird, sind Verfahren selten erfolgreich: Akten verschwinden, Paragrafen werden plötzlich geändert.

Das einseitige Bild einer skrupellosen "Kirche"

In den USA genießt Scientology als religiöse Gemeinschaft besonderen Schutz und Steuerfreiheit. Ausgezeichnete Verbindungen zu Politikern und Stars, so das Ergebnis der Recherchen, sichern der Organisation Einfluss. Nicht umsonst sei die Zentrale der OSA in Hollywood zu finden. Den politischen Einfluss erklärt Ex-Mitglied Rinder mit einem schlichten Wort: "Lobbyismus". Aus den Berichten der Aussteiger und Opfer entsteht im Laufe der Dokumentation ein düsteres und besorgniserregendes, wenn auch einseitiges Bild: Die Scientologen wollten sich gegenüber den Filmemachern nicht zu den Vorwürfen äußern.

Vor zwei Jahren überraschte die ARD mit einem ambitioniertem Spielfilm, der die Gefahren des Sektenbetriebs darstellte. Der Film "Bis nichts mehr bleibt" musste damals unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und einem unverdächtigen Arbeitstitel fertig gestellt werden, weil befürchtet wurde, dass Scientology die Dreharbeiten sabotieren könnte. Die Dokumentation "Die Spitzel von Scientology", die nach der Premiere bei ARTE am Dienstag in gekürzter Fassung im Ersten zu sehen ist, folgen Frank Nordhausen und Markus Thöß den Spuren der OSA in den USA und in Europa.

ono/Barbara Keil, Teleschau TELESCHAU

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