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Meinung

Start der neuen Staffel: Das einzig wahre Trash-TV: Der "Bachelor" balzt wieder!

"Die Reise in ein neues Liebes-Abenteuer beginnt!", jubelt RTL in seinem Pressetext zum Staffelstart – und genau so gehört der hohle Hedonismus des "Bachelor" auch angepriesen, findet unser Autor.

Bachelor

Der Bachelor für die neue Staffel: Sebastian Preuss

Das Dschungelcamp ist gerade mal wieder in aller Munde – zur Stunde allerdings weniger wegen des bevorstehenden Staffelstarts, sondern aufgrund der albernen Diskussion, ob die Show aufgrund der andauernden Buschbrände in Australien nicht anstandshalber abgesagt werden sollte. Aber abgesehen von dieser Pseudo-Pietät ist es auch völlig egal, ob die Show nun stattfindet oder nicht, denn: Der Bachelor ist wieder da!

Oder wie es der RTL-Pressetext routiniert formuliert: "Die Reise in ein neues Liebes-Abenteuer beginnt! Bachelor Sebastian Preuss trifft in Mexiko auf 22 liebeshungrige Single-Ladys. Es wird geflirtet, geknutscht und gezickt."

Der neue Bachelor: Rosenkavalier mit Vorgeschichte

Ach, herrlich. Genau so gehört er angepriesen: Der hohle Hedonismus, den diese Show zu jenem spektakulären Autounfall macht, bei dem man nicht weggucken kann. Und wie es sich für ein Format dieses, nun ja, Formats gehört, kommt auch die frische Staffel mit einem kleinen Aufreger vorab daher: Stellt sich doch glatt die Frage, ob der neue Rosenkavalier mit seiner Biografie überhaupt die nötige Eignung mitbringt – saß er doch einst für ein halbes Jahr wegen Körperverletzung in Untersuchungshaft.

Das nehme der Show die Leichtigkeit, beklagt die "Welt". Aber das stimmt nicht, denn beim "Bachelor" gibt es grundsätzlich kein Falsch oder Richtig, und deshalb kann auch nichts und niemand dieser Show die Leichtigkeit nehmen. Das Gute am "Bachelor" (und der "Bachelorette") ist schließlich, dass die Show nie vorgibt, mehr zu sein als sie ist.

Eine Vorbildfunktion kann schon mal per se keiner der Kandidatin für sich proklamieren, denn wer sich auf das Flirt-Festival einlässt, hat im Grunde jedes Recht verwirkt, in Sachen Partnersuche noch besonders ernst genommen zu werden. Und Zuschauer, die sich das Balztheater gerne anschauen, sich aber allen Ernstes an halbseidenen Vorgeschichten der Teilnehmer stören, sollten ihren moralischen Kompass sowieso noch einmal gründlich justieren.

Nein, beim "Bachelor" geht es um die Oberfläche und nichts als die Oberfläche. Da können alle Beteiligten noch so ausführlich von der großen Liebe schwadronieren: Wer hier den Partner fürs Leben sucht, der kann auch gleich mal versuchen, im Hipsterviertel einen Filterkaffee zu bestellen. Das weiß der Bachelor, und das weiß auch der Zuschauer. Es ist ein Deal, mit dem alle gut unterhalten werden.

Ein bisschen Hollywood in der Realityshow

Das Beste daran: Wenn sich die Liebe dann doch einmal den Weg durch alle demütigenden und desillusionierenden Datingrituale bahnt, geschieht es dafür gleich umso glaubwürdiger. So konnte Bachelor Andrej Mangold im vergangenen Jahr schon nach wenigen Folgen kaum noch verbergen, dass sein Herz für Jennifer Lange im Stakkato schlägt. Am Ende schenkte er ihr die letzte Rose, und laut ihrer Instagram-Kanäle sind beide bis heute ein glückliches Paar.

Damit sind Mangold und Lange ein sehr lebendiger Beweis dafür, dass selbst in der gefühlskältesten Umgebung manchmal eben doch die Liebe gewinnt. Moment mal: eine hollywoodreife Pointe in einer Realityshow?! Vielleicht, aber nur ganz vielleicht, ist der "Bachelor" am Ende ja doch mehr, als er vorgibt zu sein ...