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TV-Kritik

Der Bachelor: Sex in allen Ehren, aber zwei Stunden geballte Langeweile sind doch auch ganz nett

Halbfinale! Dream Dates! Kuba! Was wie eine geballte Ladung Entertainment klingt, erweist sich als reichlich fader Ausklang der aktuellen "Bachelor"-Staffel. Die oberflächliche Harmonie zwischen Andrej und den Frauen geht uns so langsam wirklich auf den Keks.

Die Bachelore Finalistinnen

Ach, irgendwie waren die Dream Dates letztes Mal ja lustiger. Carina und das Partyboot - wissen Sie noch? Was haben wir gelacht! Haben wir dieses Mal irgendwie nicht, ganz im Gegensatz zu Kandidatin Vanessa. Die lacht sehr viel. Außer, wenn sie weint. Aber nun gut, starten wir mit der vorletzten Folge unserer allseits beliebten Kuppelshow.

Wir starten morgens um halb fünf, in Mexiko. Das kam uns erstmal völlig logisch vor. Mexiko, klar, da haben sich die Turteltäubchen ja schließlich die ganzen letzten Wochen rumgetrieben. Aber halt – zuletzt waren sie ja alle wieder zu Hause! Wir waren doch gerade noch mit Andrej bei den Home Dates. Als also Jenni, Vanessa und Eva auf den wartenden Bachelor zu stapfen, kommen sie direkt aus dem Flugzeug, das sie von Deutschland wieder hierher brachte. Back to the roots, sozusagen. Und eigentlich haben sie auch alle gar keinen Bock, jetzt noch zu dritt mit Andrej unterwegs zu sein. Sie wollen ihre versprochenen Traumtreffen, allein mit Andrej!

Gedanken an die Konkurrenz

Der aber will erstmal mit den Damen Heißluftballon fahren. Vielleicht, damit er sich direkt wieder wie der (bitte würdigen Sie diesen Wortwitz) Hahn im Korb fühlen kann. Verstehen Sie, weil die Gondel ja ein Korb ist … ach ja. Während die Kandidatinnen mehr oder weniger euphorisch von oben auf die mexikanische Landschaft blicken, murmelt Jenni aus dem Off: "Klar denkt man an die Konkurrenz", und plötzlich haben wir etwas Angst um Vanessa und Eva. Ein Schubs über die Brüstung, und die sportliche Brünette hätte ein bis zwei Probleme weniger. Aber, keine Angst, trotz halber Bruchlandung in einem Baum kommen alle heil wieder auf dem Boden der Tatsachen an.

Der Bachelor beim Rendezvous mit Jennifer

Der Bachelor beim Rendezvous mit Jennifer

Nach einem unangenehmen Dinner, bei dem sich die drei Frauen eisig anschweigen, erlöst der Bachelor sie endlich. Er will verraten, wo die Dream Dates stattfinden und spielt den Frauen als kleinen Tipp Musik vom Buena Vista Social Club vor. Eigentlich ein No-Brainer. Aber Andrej blickt in leere Augen, keine checkt den Zusammenhang. "Kuba!", verrät er schließlich, und die Mädels flippen aus.

Langeweile beim "Bachelor"

Bisher war alles ziemlich langweilig. Die traurige Nachricht: Es wird nicht spannender. Das lustigste am ersten Dream Date, mit der exotischen Eva, war, dass beide Shirts in der gleichen pastellrosa Farbe tragen. Die beiden spazieren durch Havanna, lassen sich im Oldtimer-Cabrio herumkutschieren, knutschen, fummeln und lernen von zwei Profis Salsatanzen. Oder zumindest, halbelegant ihre Unterkörper aneinander zu reiben. "Das hat einen schon zusammengebracht, was das Körpergefühl angeht", urteilt Andrej weise. Nach dem Dinner auf einer Dachterrasse hat er noch eine Überraschung für Eva, und die ist fast ein bisschen niedlich: "Ein Date ohne einen Pool ist kein Date für uns", kichert er. "Das gehört dazu."

In der Tat haben Andrej und Eva bisher ja stets zuverlässig in Pools gefummelt. Darum tun sie das auch in Havanna. Im Anschluss beichtet Eva dem Bachelor noch die traurige Geschichte, wie sie einst mit einem verheirateten Mann techtelmechtelte. Uiui. Wo man gerade beim Thema ist, bietet Andrej ihr an, die Nacht mit ihm zu verbringen. "Ich musste gar nicht drüber nachdenken", sagt Eva. Also nächtigen die beiden in einem Zimmer, in einem Bett, und natürlich stürmt RTL morgens voller Voyeuristenfreude das Liebesnest. Eva und Andrej wirken harmonisch miteinander, aber zwei Fragen haben wir: Warum frühstückt Eva morgens eine Grissini-Stange, und warum wedelt sie Andrej damit die ganze Zeit vor der Nase herum?

Vanessa lacht - ob es passt oder nicht

Das nächste Date bekommt die blonde Vanessa. Der Bachelor lädt sie auf einen Katamaran ein, mit dem die beiden über das türkisfarbene Wasser düsen. Zwischen den beiden düst aber gar nichts, offenbar haben sie sich in der Zwischenzeit in Deutschland ordentlich entfremdet. Kein Gespräch kommt zustande, beide schauen sich kaum direkt an. Geknutscht wird aber trotzdem. Urgs, das ist ziemlich unangenehm anzusehen. Immerhin findet Andrej gut, dass Vanessa ständig lacht. Ob es nun passt oder nicht, sie lacht.

Die beiden schnorcheln in einem Schwarm bunter Fische. "So viele Fische auf einmal", staunt Andrej. "Wir haben uns gefühlt, als ob wir selber ein Fisch waren." Auch Vanessa ist entzückt. "Das hat sich schon wie ein Pärchenurlaub angefühlt", sagt sie. Oh je, sehen so ihre Pärchenurlaube aus? Schweigsam, ungelenk und verlegen? Das tut uns leid. Als Vanessa und Andrej später gemeinsam essen, findet folgender Dialog statt:

Andrej: Gut siehst du aus!

Vanessa: Du aber auch! (Beide setzen sich an den Tisch)

Vanessa: Schick siehst du aus!

Abneigung gegen One-Night-Stands

Sie können sich ungefähr vorstellen, wie tiefgründig der Rest des Abends aussah. Immerhin leuchtet ein schöner Mond über der Kulisse und die beiden sprechen über ihr Sexleben und ihre Abneigung gegenüber One-Night-Stands. "Sex in allen Ehren", philosophiert Andrej, "das ist mit einem Partner viel schöner." Sieht Vanessa auch so, trotzdem sagt sie entzückt zu, als Andrej sie bittet, bei ihm zu übernachten. Ob zwischen den beiden was lief? Wir glauben nicht, ehrlich gesagt. Als das Kamerateam morgens das Zimmer stürmt, liegen die beiden nicht kuschelnd im Bett, sondern Vanessa hat die Arme verschränkt und wahrt Distanz. Nee nee, Leute, da wirkten Andrej und Eva deutlich inniger!

Aber aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Und zu guter Letzt ist Jennifer dran. Die von Anfang an als Favoritin galt und stets besonders eng mit Andrej wirkt. "Auf Dates mit der Jennifer freu ich mich besonders", bestätigt Andrej unsere Vermutungen. Er ist sogar ein wenig nervös. Fieserweise hat er sich für die Bremerin eine Aktivität ausgedacht, die ihr so gar nicht liegt: Ziplining. Jenni hat nämlich Höhenangst. Sie wagt es dennoch, kreischt nicht mal, und findet’s im Nachhinein auch ganz witzig. Dann spaziert sie mit ihrem Herzensmann noch ein wenig durch den Dschungel, bis beide an einem idyllischen Wasserfall ankommen. Als sie die störenden Klamotten abgeworfen haben und zum Planschen ins Wasser hüpfen, rutscht Andrej aus und bricht sich fast diverse Knochen. Er fängt sich aber gerade noch und zaubert von irgendwoher Kokosnüsse mit Plastikstrohhalmen her (sind Plastikstrohhalme nicht inzwischen sehr, sehr uncool?), mit denen er und Jenni alsdann unterm Wasserfall chillaxen. Kann man machen. Geknutscht wird dann natürlich auch noch.

Jenni verbringt die Nacht mit Andrej

Und ja, auch Jenni verbringt anschließend die Nacht in Andrejs Bett. Der wirkt am nächsten Morgen hin und weg, beim Frühstück aber verwickelt er seine Favoritin in ein sehr seltsames Gespräch über ihre angebliche Freundschaft zu Vanessa (von deren Existenz wir hier zum ersten Mal hören) und wie es mit dieser nach der Rosenvergabe weitergehe. Jenni versucht möglichst höflich zu formulieren, dass ihr am Allerwertesten vorbeigeht, wie Vanessa auf eine mögliche Rauswahl reagiert.

Apropos Rauswahl. Nach einer langen und wirklich erstaunlich langweiligen Folge ist es schließlich so weit: Andrej hat nur noch zwei Rosen zu verteilen, drei Damen stehen erwartungsvoll vor ihm. Jenni bekommt ein Blümchen - und dann Eva. Die blonde Vanessa geht leer aus. Andrej säuselt ihr verlegen etwas von "Kleinigkeiten" vor, an denen es letztlich gelegen hätte. Aber Vanessa reagiert supercool und erwachsen, wünscht ihm nett alles Gute und zieht sich würdevoll zurück. Respekt. Und dann stehen da schlussendlich Eva und Jenni in ihren Abendkleidern, aber sie könnten auch Wrestling-Outfits tragen. "Willkommen im Finale", sagt Jenni zu ihrer Konkurrentin. Es klingt wie die Drohung, die es ist.

Die Bachelore Finalistinnen
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