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Barbara Schöneberger: "Ich will die NDR Talkshow moderieren!"

Bekannt wurde sie als blonde TV-Allzweckwaffe. Im stern-Interview setzt sich Moderatorin Barbara Schöneberger neue Ziele - und entschuldigt sich für ihre Oberweite.

Frau Schöneberger, Sie moderieren Veranstaltungen, sind ständig Gast in Rateshows, schauspielern bei Gelegenheit, und nun singen Sie und gehen im September mit dem Berlin Pops Orchestra auf Tournee. Es ist schwer zu greifen, was genau Sie eigentlich machen.

Die Tournee ist ein Experiment. Es gibt ein zweistündiges Programm, wir beginnen mit Songs aus den 20er Jahren und enden in den 90ern, und dazwischen erzähle ich ein bisschen was - Entertainment im klassischen Sinne. Für die Zuhörer ist es ein Risiko, bisher hat man mich nicht oft singen gehört. Die können meinetwegen aber auch aus Gehässigkeit kommen und denken: Na, sonst gucken wir uns die Schöneberger im Fernsehen an, jetzt schauen wir mal, ob sie singen kann.

Keine Sorge, vieles zu machen, aber nichts von allem so richtig zu können?

Die Leute, die ich toll finde und als Vorbild nehmen würde, die machen auch viel. Eine Anke Engelke geht mit ihrer Band auf Tour und singt, die schauspielert, die moderiert, die ist karitativ aktiv. Ich finde, man muss einfach auf sich hören: Was macht Spaß? Und das ist jetzt mein Baby, was ich da präsentiere, ich möchte einfach mal selbst bestimmen, wie ich arbeite und mit wem.

Es ist durchaus so, dass bei Sendern Format- Ideen mit Ihnen als Moderatorin liegen. Warum wird nichts davon umgesetzt?

Ich kriege jeden Tag Angebote, irgendwas zu moderieren. Ich sage alles ab, ich möchte nicht mein Gesicht verleihen für "Das große Promi-Tontaubenschießen" oder "Das große Katzenrasieren". Entweder ich kann eine eigene Sendung moderieren, die etwas mit mir zu tun hat, oder ich verzichte darauf. Nein, ich denke über Formate nicht mehr nach. Weil ich die NDR-Talkshow moderieren möchte.

Ach so.

Ja. Das sage ich ganz offen. Aber da sitzt jetzt noch Julia Westlake.

Im Duo mit Jörg Pilawa.

Ich glaube, ich werde ihr einfach die Bremsseile durchschneiden. Ja.

Pilawa auch?

Toll wäre es natürlich, die ganz alleine zu moderieren. Aber der NDR ist leider noch nicht auf mich aufmerksam geworden. Vielleicht muss ich mich da mal so schrödermäßig vor das Tor stellen und daran rütteln und schreien.

Ich will hier rein?

Ich will hier rein!

Ende der 90er waren Sie Assistentin bei einer Gameshow, bekamen dann Ihre eigene Sendung "Blondes Gift" und hatten bald beim ZDF Ihre "Barbara Schöneberger Show". Damals dachte man: Wow, die wird Karriere machen. Warum kam es nicht ganz so?

Weil ich mir ein Stück weit auch treu geblieben bin. Ich sehe das als eine Qualität an. Es ist am Anfang relativ einfach, ein Shootingstar zu sein, wenn man etwas Neues macht und frech ist. Aber sobald du bekannt bist, kannst du nicht mehr alles sagen, man nimmt dir plötzlich Sachen übel. Du musst dich im Fernsehen etablieren - und dann auch noch eine Sendung machen, die dich und die Zuschauer glücklich macht.

Kann das gelingen?

Es ist eher möglich, von Teilen der "Mir" getroffen zu werden. Klar wäre es toll gewesen, wenn mehr als drei Prozent die "Schöneberger Show" im ZDF geguckt hätten. Man denkt ja, es wird schon nicht so schwer sein, vom siebten Programm ins Zweite rüberzuschalten - ist es aber. Aber, mein Gott, es ist ja nicht so, dass jemandem etwas fehlt, wenn er mich nicht sieht.

Ist es auf Dauer nicht anstrengend, immer der erotische Tupfer in irgendwelchen Sendungen zu sein?

Das wird ja auch mit jedem Jahr weniger. Durch mein Kleidungskonzept gehe ich rasant dagegen vor, bin mal schlecht gekleidet und dann wieder gut, tauche aber keinesfalls zuverlässig erotisch auf.

Hat Ihr Verlobter gesagt: "Mach mal einen Knopf mehr zu"?

Nein. Ich glaube nicht, dass ich in den letzten Jahren im Fernsehen zu aufgeknöpft zu sehen war.

Aber gern sexy.

Ja. Wenn sich wirklich jemand durch meine Oberweite bedrängt gefühlt hat, möchte ich mich dafür entschuldigen, nachträglich.

Interview: Ulrike von Bülow

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