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Bisheriger Kultur-Manager: Tony Hall wird neuer Chef der BBC

Der Chef des Royal Opera House, Tony Hall, steht künftig an der Spitze der BBC. Hall löst George Entwistle ab, der nach heftiger Kritik an der Berichterstattung des Senders zurückgetreten war.

Der ehemalige BBC-Journalist und jetzige Geschäftsführer des Londoner Royal Opera House, Tony Hall, wird neuer Generaldirektor der BBC. Das teilte die britische Rundfunkanstalt am Donnerstag in London mit. Der 61-Jährige sei "die richtige Person, um die BBC aus ihrer derzeitigen Krise zu führen", sagte Rundfunkratspräsident Chris Patten am Donnerstag. Die journalistische Erfahrung des früheren Nachrichtenchefs des Senders sei "von unschätzbarem Wert, während die BBC dabei ist, ihren Ruf wiederherzustellen".

Halls Vorgänger, George Entwistle, war vor knapp zwei Wochen nach nur 54 Tagen im Amt wegen eines umstrittenen Beitrags über eine Missbrauchsaffäre zurückgetreten. Das BBC-Flaggschiff "Newsnight" hatte Anfang November einen Bericht gesendet, in dem fälschlich behauptet wurde, ein konservativer Politiker sei in Fälle von Kindesmissbrauch verwickelt. Obwohl der Politiker nicht namentlich genannt wurde, kursierte kurz darauf im Internet das Gerücht, es handele sich um Alistair McAlpine. Die BBC verpflichtete sich danach zu einer Entschädigungszahlung an den zu Unrecht Beschuldigten.

Der neue Generaldirektor wird sein Amt im März antreten. "Ich will sicherstellen, dass unsere Nachrichtendienste Weltniveau haben", sagte Hall in einer ersten Reaktion.

Ehemaliger Insider mit Blick von außen

"Die BBC muss ihre Arbeitsstrukturen umfassend prüfen und dahingehend ändern, dass sie dem Standard gerecht wird, den die Öffentlichkeit von ihr erwartet", sagte Patten. Als ehemaliger Insider, der nun einen Blick von außen auf die Anstalt werfe, sei Hall der richtige Mann für diese Aufgabe. Bis zu seinem Weggang 2001 arbeitete Hall insgesamt 28 Jahre bei der BBC. Als Nachrichtenchef hatte er zwischen 1996 und 2001 auch den Rundfunksender BBC 5 und den Nachrichtenkanal BBC News auf den Weg gebracht. Bei der Royal Opera sorgte er für Modernisierungen und Innovationen.

Wegen eines Missbrauchsskandals um den ehemaligen Star-Moderator Jimmy Savile steht die BBC schon seit Wochen im Kreuzfeuer der Kritik. Der vor einem Jahr gestorbene Savile und andere sollen über Jahre hinweg 300 junge Menschen missbraucht haben. Die Verantwortlichen bei der BBC sehen sich mit der Frage konfrontiert, wer in der renommierten Sendeanstalt von den Vorgängen gewusst hat. 2006, als Savile nach mehr als 40 Jahren die letzte reguläre Sendung der TV-Hitparade "Top of the Pops" moderiert hatte, waren Spekulationen bereits im Umlauf.

kgi/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters
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