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Quizshows Bildungsforscherin erklärt: Darum wird man von "Wer wird Millionär?" nicht schlauer

Günther Jauch
Günther Jauch moderierte zum 1500. Mal die Quizshow "Wer wird Millionär?"
© Stefan Gregorowius / TV Now
Bei Quizshows wie "Wer wird Millionär" rät das Publikum meist emsig am Bildschirm mit. Dass es dabei klüger wird, bezweifelt eine Bildungsforscherin. 

Zum 1500. Mal begrüßte Günther Jauch sein Publikum am Donnerstag zu "Wer wird Millionär?", die Dauerbrenner-Quizshow ist eine der beliebtesten Sendungen im deutschen Fernsehen. Kein Wunder: Durch das Multiple-Choice-Prinzip können die Menschen vorm TV aktiv mitraten, nicht selten stellt sich nach dem Enthüllen der richtigen Antwort ein "Aha"-Effekt ein. Beste Unterhaltung, also. Und das beste: Man lernt noch was dabei.

Oder etwa nicht? Die Bildungsforscherin Sylva Liebenwein, Professorin für Pädagogik an der Katholischen Stiftungsfachhochschule in München, bezweifelt im Interview mit dem Mediendienst "Teleschau", dass das regelmäßige Ansehen von Quiz-Shows dafür sorgt, dass das Publikum maßgeblich klüger werde.

"Wer wird Millionär?": Schnelle Themenwechsel, hohes Tempo

Denn: "Die einzelnen Informationen werden sofort wieder vergessen, weil die Themen permanent wechseln, nichts verknüpft und vertieft wird", so die Wissenschaftlerin. Dazu komme das immens hohe Tempo der Sendung, eine einhergehende Reizüberflutung sowie eine fachliche Überflutung. Aus Sicht der Lernforschung hätten Quizshows daher für die Vermittlung von Wissen keinerlei Wert, so Liebenwein. Die extremen inhaltlichen Sprünge zwischen den einzelnen Fragen würden ohnehin jeder gängigen Lehrmethode widersprechen. Das erworbene Wissen sei daher schnell wieder weg. 

Günther Jauch moderiert die beliebte Quizshow "Wer wird Millionär?" seit 1999.

Aber: Es könne durchaus eine gewisse "Bildungswirksamkeit" geben, wenn Zuschauer sich zu den in einer Sendung präsentierten Themen aus Interesse weiter informieren. Zudem werde das Thema Bildung durch Sendungen wie "Wer wird Millionär" etwas weiter in den Vordergrund gerückt. So könne zu einem lernförderlichen Klima beigetragen werden. 

Sich selbst sieht die Wissenschaftlerin übrigens trotz ihres Bildungsstandes nicht als perfekte Kandidatin: "Man muss, um zu gewinnen, gleichermaßen über Populärkultur und Hochkultur Bescheid wissen und sogar noch die trivialste Fernsehsendung kennen". 

Quelle: "Teleschau"


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