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Das Fernsehgericht tagt: "Tod an der Ostsee": Ein Dorf nimmt Blutrache

Ein Dorf wird durch einen tragischen Unfall zur Hölle für einen Einwohner: Das stern.de-Fernsehgericht urteilt über den TV-Film "Tod an der Ostsee".

Von "Judge" Kester Schlenz

Also, wenn tolle Darsteller wie Maria Simon, Justus von Dohnányi, Ina Weisse und Bernadette Heerwagen in einem TV-Film dabei sind, dann sollte man prinzipiell schon mal reinschauen in das Werk, auch wenn es den ziemlich doofen Titel "Tod an der Ostsee" trägt. Wirklich äußerst einfallsreich und viel sagend. Dennoch: das Gucken hat sich hier gelohnt.

Dieser Film unter der Regie von Martin Enlen spielt im malerischen Ort Bredesen an der mecklenburgischen Küste. Eines Tages wird dort ein kleines Mädchen angefahren und stirbt. Der Unfallfahrer Ralf Kossack (Matthias Koeberlin) gibt an, er habe wegen eines Krampfes die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Doch niemand glaubt ihm. Vor allem nicht die traumatisierten Eltern des Kindes (Ina Weisse, Justus von Dohnányi). Kossack ist für den ganzen Ort der Kindermörder. Und der soll weg.

Man macht Kossack und seiner Familie das Leben zur Hölle, bedroht ihn, schmiert sein Haus voll, setzt seine Frau (Maria Simon) unter Druck. Und schließlich liegt der Todesfahrer tot im eigenen Garten. Die junge Polizistin Sonja Paulsen (Bernadette Heerwagen), selber aus dem Ort, beginnt zu ermitteln. Keine leichte Aufgaben, wenn man beinahe alle Verdächtigen gut kennt. Manche davon sogar mehr als gut...

Trügerische Idylle

"Tod an der Ostsee" zeigt eindrucksvoll, wie ein Unfall das sensible Gefüge eines Dorfes zerstört. Dennoch ist der tragische Tod des Kindes nur der Katalysator, der Verdrängtes und Verborgenes wieder an die Oberflache spült. In Bredesen war schon lange nichts mehr in Ordnung. Die Idylle trog.

Auch, wenn hier manches etwas dick aufgetragen ist - diese Geschichte packt einen, und die Schauspieler sind allesamt hervorragend. Nur Justus von Dohnányi muss aufpassen, dass er den halbirren Strippenzieher, den er so häufig spielt, nicht zu sehr überreizt.

Im Namen des Fernseh-Volkes ergeht folgendes Urteil: Anschauen! Nur leichte Abzüge in der B-Note

"Tod an der Ostsee", 31.3. 20.15 Uhr, ZDF