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Erfolgreichster Sender der Welt: Das sagt der HBO-Chef zum Weinstein-Skandal und über das Ende von "Game of Thrones"

HBO ist der erfolgreichste Sender der Welt. Doch mit der finalen Staffel von "Game of Thrones" wird eine Ära enden. Sender-Chef Richard Plepler sprach nun über die Zukunft des Senders und die Belästigungsvorwürfe gegen Harvey Weinstein.

HBO-Chef Richard Plepler sieht seinen Sender weiter auf Erfolgskurs - trotz des bevorstehenden Aus von "Game of Thrones"

HBO-Chef Richard Plepler sieht seinen Sender weiter auf Erfolgskurs - trotz des bevorstehenden Aus von "Game of Thrones"

HBO ist der derzeit erfolgreichste Sender der Welt. Er hat weltweit über 130 Millionen Abonnenten und lizenziert seine Produktionen in 150 Länder. Mit Serien wie "Sex and the City", "The Wire" und "Die Sopranos" prägte er die Unterhaltungsbranche und trieb das Goldene Zeitalter der Serien maßgeblich voran. "Game of Thrones" ist das aktuelle Aushängeschild, an dem keine andere Serie vorbeikommt: Die siebte Staffel des Fantasy-Spektakels pulverisierte in diesem Jahr noch einmal sämtliche Rekorde des Senders. Derzeit laufen die Dreharbeiten für die achte und damit letzte Staffel, die allerdings erst 2019 ausgestrahlt werden soll.

Richard Plepler wurde 2007 Co-Präsident und ist seit 2013 Chef des US-amerikanischen Bezahlsenders HBO. In einem Interview mit "Bloomberg" sprach er über das Ende seiner Hit-Serie, neue Formate, die Konkurrenz in der Streaming-Branche und den Weinstein-Skandal.

Keine Angst vor der Konkurrenz

HBO setzte als einer der ersten Sender Ende der Neunziger, Anfang der 2000er auf aufwendig inszenierte Serien mit staffelübergreifenden Handlungsbögen. Damals war das mutig. Heute bieten eine Vielzahl von Mitbewerbern ähnlich qualitative Serien. Hulu gewann mit "The Handmaid's Tale" etwa vor kurzem mehrere der begehrten Emmys, Netflix wurden mit Serien wie "House of Cards" zum Milliardenunternehmen und Amazon heimste mehrfach den Golden Globe ein.

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Wird der Druck langsam zu groß? Bekomme man womöglich nicht mehr alle Projekte, die man gerne hätte, jetzt wo so viele Konkurrenten im Markt mitmischen, wollte "Bloomberg" wissen. Pleplers Antwort: "Ich habe nie gedacht, dass das ein Nullsummenspiel ist. Ich glaubte nie, nur weil 'The Crown' eine gute Netflix-Show ist, dass 'Westworld' oder 'Big Little Lies' oder 'True Detective' deshalb nachlassen. Das tun sie auch nicht." Es gebe einfach mehr Qualität in der Fernsehwelt. Von der Konkurrenz lasse man sich nicht beeindrucken: "Unser Job ist es, unser Spiel zu spielen."

Ein Szenen-Foto aus Game of Thrones vor dem Original-Hintergrund

"Wir wurden etwas anmaßend"

Mit dem absehbaren Ende der Blockbuster-Serie "Game of Thrones" steht der Sender vor einer ähnlich ungewissen Situation wie vor zehn Jahren. Als Plepler 2007 Co-Präsident wurde, endete die Erfolgsserie "The Sopranos" und "Sex and the City" war bereits vorbei. In Hollywood munkelte man, die besten Zeiten des Senders lägen hinter ihm. Plepler sagt über die Zeit damals: "Da war was dran. Ich glaube, wir wurden etwas anmaßend." Man habe durch den Erfolg etwas von dem Rebellischen verloren, was die Marke einst stark machte.

Plepler musste deshalb das Unternehmen neu fokussieren, in dem man den Autoren mit ihren neuen Ideen Vertrauen schenkte. "Ich erinnere mich, dass ich 2007 immer und immer wieder sagte 'Es wird nie wieder ein anderes Sopranos geben'. Aber es wird eine nächste sagenhafte Show geben." Tatsächlich gelang es dem Sender, noch einmal einen draufzusetzen: Alan Ball startete die Vampirserie "True Blood", Lena Dunham erreichte mit "Girls" eine neue Generation junger Frauen, Mike Judge und Alec Berg starteten die erfolgreiche Comedy "Silicon Valley". Und man vertraute David Benioff und Dan Weiss, zwei Männern die niemals zuvor etwas fürs Fernsehen gemacht haben, eines der wichtigsten Projekte an: "Game of Thrones".

Wenn die Drachen zum letzten Mal über den Bildschirm fliegen, endet bei HBO zweifellos eine Ära. Doch für den Sender-Chef ist das kein Grund zum Verzweifeln. Im Gegenteil: Man habe noch vielversprechende Projekte in der Pipeline, erklärt er im Interview. Derzeit spricht man über bis zu fünf mögliche Prequels zu "Game of Thrones", bald kommen neue Staffeln von "True Detective" und "Big Little Lies", Damon Lindelof arbeitet an einer "Watchmen"-Serie. "Ich bin nicht besorgt, bei HBO findet man mehr Talente denn je zuvor."

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"Das ungeheure Ausmaß hat mich erschreckt"

Einer der größten Skandale, der in diesem Jahr weit über die Glitzerwelt Hollywoods hinaus für Schlagzeilen sorgte, waren die Belästigungsvorwürfe gegen Harvey Weinstein. Auch einige Darsteller aus HBO-Serien erhoben schwere Anschuldigungen gegen den Film-Mogul, darunter Paz de la Huerta, die in "Boardwalk Empire" mitspielte.

Plepler äußert sich in deutlichen Worten zu dem Weinstein-Skandal: "Zwei Dinge haben mich überrascht. Das ungeheure Ausmaß einiger Verhaltensweisen; und dass einige Menschen so eingeschüchtert und verängstigt waren, dass sogar mächtige Frauen, die in jeder Hinsicht erfolgreich waren, Hemmungen hatten ihre Stimmen zu erheben. Sie verdienen einen enormen, kollektiven Dank für den Mut, sich aus der Deckung gewagt zu haben. Es hat die Landschaft für immer verändert."

So glaubt Plepler, dass die vorsätzliche Ahnungslosigkeit ("wilfull ignorance") nun ein Ende habe. Zu häufig wurde in der Branche nicht genau genug hingesehen, obwohl entsprechende Gerüchte längst kursierten. Das habe sich durch die Weinstein-Berichte geändert. Er selbst betont in dem Interview, dass sowohl unter ihm als auch Vorgänger Bill Nelson eine "Null Toleranz"-Politik herrschte, man also kein entsprechendes Verhalten geduldet habe.

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