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ZDF-Quotenhit: Warum ist der Bergdoktor so erfolgreich?

Alle reden übers Dschungelcamp - aber am Donnerstagabend sahen deutlich mehr Menschen den "Bergdoktor" als die RTL-Show. Warum ist die ZDF-Serie so erfolgreich?

Der Bergdoktor

In seiner Rolle als Bergdoktor Martin Gruber lockt Hans Sigl regelmäßig ein Millionenpublikum vor den Fernseher.

Wenn man aktuell die Websites der großen Unterhaltungsportale absurft, könnte man den Eindruck bekommen, ganz Deutschland schaue das Dschungelcamp. Ein Blick auf die Quoten vom Donnerstagabend ergibt aber ein ganz anderes Bild. Zwar verbuchte die RTL-Show immerhin 6,25 Millionen Zuschauer - doch für den Tagessieg reichte das nicht: Die ZDF-Serie "Der Bergdoktor" erreichte mit 7,10 Millionen Menschen ein deutlich größeres Publikum. Das relativiert sich natürlich etwas, wenn man die Marktanteile mit einbezieht. Da das Dschungelcamp zu späterer Stunde ausgestrahlt wird, sind die Quoten mit 26,6 Prozent doch noch etwas höher.

Dennoch ist der Erfolg des "Bergdoktors" beachtlich: Die 2008 wieder aufgelegte Serie befindet sich in der neunten Staffel - und ist so erfolgreich wie nie zuvor. Was sind die Gründe dafür?

Wie "Die Schwarzwaldklinik"

Zuallererst war es eine geniale Idee, zwei der hierzulande erfolgreichsten TV-Genres zu kreuzen: Die Arztserie und der Heimatfilm. Das allein garantiert schon ein hohes Grundinteresse beim Publikum. Schon "Die " war mit dieser Melange erfolgreich.

Die im Tiroler Unterland vor idyllischer Gebirgskulisse gedrehten Folgen liefern schon aufgrund der Landschaft einen gewissen Schauwert. Dazu kommt, dass mit Hans Sigl der perfekte Schauspieler für den Dr. Martin Gruber gefunden wurde. Der Österreicher verkörpert einen Arzt, den wohl jeder selbst gerne hätte: freundlich, ruhig, verständnisvoll - und mit ganz normalen, menschlichen Problemen. Das Gegenteil von einem Halbgott in Weiß. Und wenn der mal Rat braucht, steht ihm mit dem von Siegfried Rauch gespielten Dr. Roman Melchinger ein wohlwollender, weiser Mentor zur Seite. 

"Der Bergdoktor" verzichtet auf 50er-Jahre-Mief

Die 90-minütigen Folgen behandeln eine Fülle von Themen, die sich aber im Allgemeinen auf die kleinen Nöte im Alltag beschränken. Die großen gesellschaftlichen Verwerfungen bleiben außen vor. Hier gibt es keine Flüchtlingsströme und keine sozial Bedürftigen. Ellmau, wo die Serie spielt, ist eine Insel der Glückseligen inmitten der globalisierten Welt. Das heißt nicht, dass hier alles mit dem Weichzeichner geschönt ist und alles auf ein Happy End hinausläuft. Immer wieder sterben auch Menschen, und so mancher Lebenstraum zerplatzt.

"Der Bergdoktor" verhält sich zum klassischen Heimatfilm wie Helene Fischer zu Karl Moik. Wer diese Serie guckt, sucht ein Stück heile Welt, ohne den 50er-Jahre-Mief der "Sennerin von St. Kathrein". Ohne das penetrante Trachtengejodel des "Musikantenstadl". Die Serie spielt zwar in der typischen Heimatkulisse, gibt sich aber einen modernen Anstrich.

Popsong statt Volksmusik

Das fängt schon beim Vorspann an: Anstelle von Zitherklängen und Alphorn gibt es einen Formatradio-tauglichen Popsong. Auch ansonsten hat die Serie so manchen alten Zopf abgeschnitten: So ist der Titelheld unverheiratet, hat wechselnde Liebschaften und sogar uneheliche Kinder. Zu weit geht die Modernisierung freilich nicht: Homosexuelle und Menschen mit Migrationshintergrund sucht man hier vergeblich. Beim "Bergdoktor" dominieren der heterosexuelle weiße Mann und das entsprechende weibliche Gegenstück.

Damit ist der "Bergdoktor" gerade so modern, wie er sein muss, um nicht als altbacken zu gelten. Liefert seinem Publikum aber eine perfekte Vorlage, um 90 Minuten dem Alltag zu entfliehen. Das ist nichts Ehrenrühriges. Vor allem aber ist es damit dem ähnlicher, als den Zuschauern beider Formate lieb ist.

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