Der Moderatorencheck Arabella talkt ohne Show


Moderatorentrainer Michael Rossié beleuchtet für stern.de regelmäßig Moderatoren und ihre neuen Sendungen. Diese Woche hat er sich Arabella Kiesbauers N24-Talk angeschaut.
Von Michael Rossié

Sie ist wieder da. Arabella Kiesbauer, die mit ihrem Selbstbewusstsein und ihrer kompromisslosen Art für mich durchaus eine Bereicherung des deutschen Fernsehens war, ist seit Ende Januar am späten Dienstagabend auf N24 zu sehen. "Talk ohne Show" heißt das Format. Grund genug, nach der dritten und vierten Sendung mal zu bilanzieren, ob daran tatsächlich etwas neu ist, ob es sich nur um ein Wortspiel handelt oder ob man einfach an der Ausstattung gespart hat.

Auch wenn die Gespräche der jeweiligen Sendung, erst mit Barbara Rudnik, dann mit der Islamistin Dr. Katajun Amirpur und dem Nahostexperten Richard Chaim Schneider sehr unterschiedlich abliefen, so kam doch in beiden Fällen kein wirkliches Gespräch in Gang. Ununterbrochen nickend, die Schuhspitze des übergeschlagenen Beins im Anschlag, bekundete Frau Kiesbauer, dass sie aktiv zuhört. Doch genau das tat sie nicht. Die wenigsten Fragen bezogen auf die vorherige Antwort, sondern eröffneten ein neues Thema. Die zwei Experten wurden abwechselnd mit vorgefertigten Fragen zum Islam bedient. In 28 Minuten musste alles vom Kopftuchstreit über die deutschen Geiseln bis hin zu den Atombomben alles abgehakt werden. Eine Diskussion wurde von Frau Kiesbauer immer wieder abgewürgt.

Banale Fragen, ohne Diskussion

Herr Schneider und Frau Amirpur redeten viel, gegensätzlich und interessant. So hatte Frau Kiesbauer Mühe, sich einzubringen. Sie löste das Problem, indem sie überfallartig die Sätze ihrer Gesprächspartner beendete. Das war bei Frau Rudnik anders. Hier mussten sich beide vor lauter lähmender Pausen auch schon mal bei den Verben aushelfen. Barbara Rudnik war bei vielen Fragen so überrascht vom unvermittelten Themenwechsel, dass sie bis zu 15 Sekunden völlig sprachlos nach den richtigen Worten suchte. Sie rutschte immer tiefer in den Stuhl, kratzte sich zunehmend im Gesicht und zuckte mit den Schultern. Dabei waren die meisten Fragen nicht sonderlich intelligent ("Was denken Sie als Künstlerin über die Karikaturen?") oder ärgerlich banal ("Haben Sie das Gefühl, dass sich eine anti-islamische Stimmung breit macht?").

Manchmal gab es was zu Schmunzeln, z.B. bei Formulierungen wie "Viele Kollegen, gerade männlicher Art...". Manchmal entschied sich die Moderatorin auch während einer Frage, dass jetzt der andere Gesprächspartner dran sei ("Können diese Signale, Herr Schneider, eine Eskalation nicht weiter vorantreiben, Frau Amirpur?").

Schlechte Vorbereitung von Frau Kiesbauer

Arabella Kiesbauer schien schlichtweg schlecht vorbereitet. Sie kannte weder die Gründe, warum Frau Rudnik die Goldene Kamera bekommen hat, noch hatte sie die Namen der Geiseln im Irak schon ein einziges Mal laut gelesen. Möglicherweise hält die Moderatorin das Format für eine Unterforderung, aber es ist wohl doch nicht so einfach, ein gutes Gespräch zu führen.

Das Innovativste waren noch die Untertitel, die die Aussagen der Gesprächspartner zusammenfassten sollten, und mit denen der Redakteur beweisen konnte, dass er den Studiogast nicht verstanden hatte. Frau Rudnik findet sich nicht zu dick, und es wird eingeblendet "Zuviel Schönheit ist hässlich."

Studiogäste wirken überfahren vom abrupten Ende

Um Punkt 23.58 Uhr beendete Frau Kiesbauer mitten in das ausklingende Lachen von Frau Rudnik völlig überraschend mit "Vielen Dank für das Gespräch" eines der langweiligsten Interviews, das ich je gesehen habe. Auch in der Islam-Sendung schien ihr Studiogast Richard Chaim Schneider sichtlich überrascht über ihr abruptes Ende - er bekam noch nicht mal Gelegenheit zu einem Schlusswort - und konnte seinen Ärger über dieses oberflächliche Gespräch nur sehr schwer hinter einem süßsauren Lächeln verbergen.

Zusehen lohnt sich wegen der Schlagzeilen

Das Zusehen lohnte aber trotzdem. Ich hatte immer die genaue Zeit und die Börsenkurse vor Augen. Ich erfuhr im Untertitel, dass es PCs gibt, die bis 80 Prozent reduziert sind und auf Rügen Schwäne mit Vogelgrippe gefunden wurden. Und rechts, ach ja... da saß eine schöne Frau, die ein bisschen so aussah wie eine gut gestylte Arabella Kiesbauer.


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