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Arabella Kiesbauer: Nach zehn Jahren ist Schluss

Arabella Kiesbauer moderiert zehn Jahre nach dem Start der Show ihre letzte tägliche Plauderstunde. Doch keine Sorge, im Herbst ist die Quasselstrippe mit "Das Geständnis" wieder täglich auf Sendung.

Sie hat angekündigt, Schluss zu machen. Doch Arabella Kiesbauer braucht diesen Paukenschlag-Effekt, um auf ihre neue Sendung aufmerksam zu machen: Die soll genauso wie ihr Daily Talk immer werktäglich um 14 Uhr auf ProSieben ausgestrahlt werden und möglichst höhere Resonanz erzielen. Denn die Einschaltquoten ihrer Plauderstunde "Arabella Kiesbauer" sind merklich zurückgegangen. Deswegen musste eine neue Idee her.

An diesem Freitag hört das alte Format, das am 6. Juni 1994 startete, rein formell auf. Es folgen 14 Sonderausgaben mit den Höhepunkten der vergangenen zehn Jahre und vielen unterschiedlichen Arabella-Frisuren. Im Herbst legt die Produktionsfirma Constantin Entertainment das neue TV-Projekt "Das Geständnis" auf. Für Arabella wichtig: Sie bleibt im Geschäft. Für Arabella unangenehm: Sie muss ihre Prinzipien über Bord werfen.

Noch sträubt sich Arabella gegen die erfundenen Storys

Denn in ihrer neuen Show wird ein Gast ein Geständnis ablegen, der andere Gast hinter einer Trennwand lauschen. Das Problem: Keiner der beiden ist echt, sie sind Laiendarsteller, die sich wegen eines erfundenen Konflikts in die Wolle kriegen. "Scripted Reality" nennen die Experten die neue, besonders bei Nachmittagsshows verbreitete Form der Dramaturgie. Der Zuschauer findet mittlerweile die erfundenen Storys spannender und mag keine normalen Talks mehr.

Arabella Kiesbauer hat selbst bei der Einführung der vielen neuen Psycho- und Gerichtsshows vor knapp zwei Jahren heftig gegen den Einsatz von Laiendarstellern protestiert und spricht über die guten, alten Krawall-Talkshows der neunziger Jahre heute wie von "einer Demokratie TV" und "antiautoritärem Fernsehen". "Die Zeiten, dass die Leute echte Menschen mit echten Problemen sehen wollen, sind vorbei", klagt die 35-Jährige. "Die Zuschauer haben sich durch die Gerichtsshows verführen lassen. Ich gehe zur Zeit in mich, inwiefern und wie weit ich diesem Trend folgen kann und will." Etwas Resignation klingt da mit.

Keine Abendshows in Sicht

Kiesbauer, Tochter eines Ingenieurs aus Ghana und einer Wienerin, braucht wieder mehr denn je ihre tägliche TV-Präsenz. Vor einem Jahr schien sie sich noch freizuschwimmen vom täglichen Talk-Stress, als sie in Österreich mit Erfolg die Castingshow "Starmania" moderierte und in der Schweiz bei einem ähnlichen Format in der Jury saß. Doch die Blase Casting ist geplatzt, jetzt muss wieder Graubrot gegessen werden. Neue Abendshows sind erst einmal nicht in Sicht.

In zehn Jahren Talkshow mit 2700 Sendungen machte die erfahrene Talkerin einiges mit. "Ich habe mich unglaublich aufgeregt bei einer Sendung über Sekten, als ich mich mit Vertretern von Fiat Lux gestritten habe", erinnert sie sich. "Aber wir hatten auch schöne Sendungen, wie zum Beispiel eine Ausgabe zur Situation am Erfurter Gutenberg-Gymnasium nach dem Amoklauf - eine Ausgabe, die emotional sehr bewegend war."

Immer weniger Daily Talks

Arabella Kiesbauer gehörte vor rund fünf Jahren mit ihrer Show auch zu den Moderatoren, die kritisiert wurden, weil Daily Talks angeblich gegen die Menschenwürde, zumindest gegen den Jugendschutz verstießen. Darüber redet heute niemand mehr. Das Genre Daily Talk wie einst in den Neunzigern halten ab Herbst nur noch Vera Int-Veen und Britt Reinecke bei Sat.1 aufrecht, denn auch Franklin Schmidt zieht sich zurück.

Arabella schaltet zwischen dem Ende ihres Talks und dem Start des neuen Formats "Das Geständnis" eine "kreative Pause" von sechs Wochen Länge ein: Mit ihrem Freund und ihrem Rucksack reist sie nach Borneo.

Carsten Rave/DPA / DPA
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