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Arabella Kiesbauer moderiert den ESC: Warum nur, warum?

Im deutschen Fernsehen ist sie längst abgeschrieben, in Österreich kommt sie zu neuen Ehren: Arabella Kiesbauer wird den ESC 2015 in Wien moderieren. Warum? Und: Kann die das?

Von Jens Maier

Frauenpower für den ESC: Mirjam Weichselbraun, Conchita Wurst, Arabella Kiesbauer und Alice Tumler sind 2015 als Moderatorinnen im Einsatz.

Frauenpower für den ESC: Mirjam Weichselbraun, Conchita Wurst, Arabella Kiesbauer und Alice Tumler sind 2015 als Moderatorinnen im Einsatz.

Den deutschen Zuschauern ist sie noch als Talkshowqueen in Erinnerung. Zehn Jahre lang arbeitete sich Arabella Kiesbauer allnachmittäglich an betrogenen Hausfrauen, streitenden Nachbarn und Lügendetektortest ab. Zuerst wurden sie und ihre Talkshow "Arabella" gefeiert. Ein "ehrliches Format", sei das, urteilte die Presse kurz nach Start 1994. Doch dann kamen der Quotendruck und der Schmuddel dazu. Die Sendung verkam zum Skurrilitäten- und Gruselkabinett. Eine Peep-Show der schlimmsten Abgründe menschlicher Beziehungen. Peinlich. Widerlich. Zum Fremdschämen.

Schade für Arabella Kiesbauer. Denn anders als viele Kollegen hatte die erste schwarze Moderatorin im deutschen Fernsehen den Absprung ins seriöse Fach verpasst. Einst als Nachwuchshoffnung mit dem Bayerischen Fernsehpreis geehrt, war sie nach all dem Schmutz verbrannt. Kiesbauer? Das stand als Synonym für Dildotests und Proll-TV. Ihre Hoffnungen auf eine Abendshow waren zerplatzt.

Genau elf Jahre nach ihrem Absturz wird sie im kommenden Jahr auf der ganz großen Bühne zurückkehren. Wie der österreichische Sender ORF bekannt gab, wird die gebürtige Wienerin am 23. Mai 2015 zusammen mit Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler den Eurovision Song Contest moderieren. Es ist das erste Mal, dass ein Frauen-Trio den Musikwettbewerb mit mehr als 140 Millionen Zuschauern präsentiert. Zusätzlich wird die diesjährige Siegerin Conchita Wurst aus dem Green-Room berichten.

Der wichtigste TV-Job des Jahres für die Ex-Talkqueen

Weichselbraun und Wurst galten bereits als gesetzt, Tumler und Kiesbauer sind eine Überraschung. Warum ausgerechnet die ausrangierte Ex-Talkqueen den wichtigsten Job des Jahres im österreichischen Fernsehen bekommt? Erstens sind die Möglichkeiten des ORF begrenzt. Peter Alexander weilt nicht mehr unter uns, Udo Jürgens oder Dagmar Koller sind zu alt und Marianne und Michael hat uns der ORF dankenswerter Weise erspart. Zweitens ist das Image Kiesbauers bei unseren Nachbarn viel besser als bei uns. Mit der Moderation der österreichischen Variante von "Bauer sucht Frau" feiert sie momentan sogar neue Erfolge. Eine Inka Bause mit Wiener Schmäh.

Der ORF möchte die Entscheidung für die drei Moderatorinnen auch als Zeichen für Frauenpower und Emanzipation verstanden wissen. Mit Kiesbauer, Tochter einer Österreicherin und eines Ghanaers, wird außerdem zum ersten Mal eine schwarze Moderatorin durch den Abend führen. Auch das passt nach dem Sieg von Conchita Wurst in den Kontext um mehr Offenheit und Toleranz, die mit dem ESC-Motto "Building Bridges" von der kleinen Alpenrepublik in die Welt ausstrahlen soll.

Kiesbauer bringt viel Erfahrung mit

Bleibt die Frage: Kann die das? Nunja, ein Feuerwerk an Spontaneität und Witzigkeit dürfen die Zuschauer mit Kiesbauer nicht erwarten. "Es geht darum, das Beste für das Publikum zu geben. Wir werden diese Aufgabe mit großer Freude und Professionalität erfüllen", sagte sie nach der Bekanntgabe ihrer Nominierung im ORF. Kiesbauer verfügt über die nötige Erfahrung und Professionalität, um ihr Land nicht zu blamieren.

Am Ende wird es auf ein gelungenes Gesamtkonzept, ein stimmiges Thema und die Atmosphäre ankommen, damit der ESC 2015 eine gute Show wird. Oder um es kurz zu sagen: Wer's moderiert ist ohnehin Wurst.