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Halbfinale Eurovision Song Contest: Rock me, dicke serbische Discokugel!

Mozart hätte es gefallen: Eine dicke Serbin rockt die Wiener Stadthalle und der Belgier überzeugt mit Ra-Pa-Pap. Nur ein Geld abhebendes Pferd stört den Wiener Glanz.

Von Jens Maier, Wien

Bojana Stamenov (m.) aus Serbien rockt das erste ESC-Semifinale - und steht jetzt im Finale des Eurovison Song Contest

Bojana Stamenov (m.) aus Serbien rockt das erste ESC-Semifinale - und steht jetzt im Finale des Eurovison Song Contest

Nervös war sie. Und wie. Als die 16 Teilnehmer des ersten ESC-Semifinals sich am Dienstagabend hinter der Bühne der Wiener Stadthalle auf ihren Auftritt vorbereiteten, tänzelte die Russin Polina Gagarina nervös hin und her. Vermutlich nicht so sehr wegen ihres Auftritts - bei ihrer mächtigen Stimme musste sie sich darum keine allzu großen Sorgen machen. Vielmehr weil sie befürchten musste, dass ihr das Gleiche widerfahren könnte wie den russischen Teilnehmerinnen im vergangenen Jahr in Kopenhagen: Dort hatte die Politik den Eurovision Song Contest eingeholt. Statt Applaus gab es heftige Buhrufe. Doch, oh Wunder, Gagarina konnte schon beim Einmarsch aufatmen. Es gab zwar nur mäßigen Applaus, aber eben auch kein Pfeifkonzert. Höflich san's, die Wiener.

Auch sonst können sich die Österreicher auf die Schultern klopfen. Der Auftakt zum Eurovision Song Contest 2015 war ein gelungener. Und das nicht wegen, sondern trotz dem Moderatoren-Trio um Arabella Kiesbauer. Dass in Wien eine Dame aus der Versenkung geholt wird, die in Deutschland in den 90er Jahren mit einer Hausfrauen-Nachmittagstalkshow berühmt wurde, ließ Schlimmes befürchten. Doch die Moderatoren blieben wohltuend im Hintergrund. Umso mehr konnte Österreichs Kaiserin, Vorjahressiegerin Conchita Wurst, glänzen. Sie eröffnete die Show mit "Rise Like A Phoenix" und Wien tanzte. Leiwand! Ein rechter Schaaß, wie der Österreicher sagt, war eigentlich nur der Pauseneinspielfilm mit einem Pferd aus der Spanischen Hofreitschule, das - aufgepasst - Geld abhebt. Freud betrieb seine Witzforschung wohl aus gutem Grund in Wien.

Kitsch und Schmalz meets Popsong

Von den schlechten Witzen zu den schlechten Auftritten: Da war die Holländerin im One-Piece-Singsack, die eben so wenig überzeugen konnte wie der Mazedonier mit seiner Performance aus der Dorftanzschule. Auch die moldawische Polizei in kurzen Hosen kann jetzt wohl maximal noch mit einer Men-Strip-Show durch Europa tingeln. Alle drei sind zu Recht ausgeschieden. Eine serbische Discokugel hingegen hat gezeigt, wie man mit einem kuriosen Auftritt überzeugen kann. Bojana Stamenov, die ungefähr so viele Kilos auf die Waage bringt wie alle Topmodels von Heidi Klum zusammen, rockte mit ihrer Disconummer "Beauty never lies" die Stadthalle. Mit ihr hat das Finale am Samstag das zurück, was diesen Wettbewerb so besonders macht: Windmaschine, Glitzerfummel und eine extrovertierte Dicke auf der Bühne. Mozart würde für Serbien anrufen.

Ob Stamenov damit in den Kreis der Favoriten aufrückt? Fraglich. Die Esten Elina Born und Stig Rästa hingegen auf jeden Fall. Auch wenn nicht jeder Ton perfekt saß, waren die beiden das schönste Liebespaar des Abends, die Sisi und der Franzl 2015. Ihr Liebessong "Goodbye to yesterday" trieft nicht vor Kitsch und Schmalz, sondern ist eine gelungene Symbiose aus melancholischer Ballade und modernem Popsong. Dass es auch der sympathische Belgier Loïc Nottet ins Finale am Samstag geschafft hat, war eine kleine Überraschung. Sein experimenteller Song "Rhythm Inside" mit dem "Ra-Pa-Pap" im Refrain kam an. Der moderne Pa-Pa-Pa-Pageno bereichert dieses Wiener Gesangspektakel.

Regenbogenfahnen für Russland

Schade, dass dies nicht auch die Finnen tun. Die Rock-Punk-Band Pertti Kurikan Nimipäivät aus dem hohen Norden muss überraschend nach Hause fahren. Von den Buchmachern waren die vier Männer mit verschiedenen geistigen Einschränkungen in die Top-Ten gewettet worden, doch Europa hatte neun Jahre nach Lordi kein Herz für Schrei-Musik aus finnischen Kehlen. Dafür umso mehr für dramatische Balladen aus Armenien, Albanien und Griechenland und für eine georgische Kämpferin im Flugmodus. Mit Federkleid und Windmaschine auf Volllast drohte Nina Sublatti beinahe abzuheben. Den Flug ins Finale hat sie geschafft.

Trotz Pyrotechnik und Windmaschinen wurde es am Ende des Abends dann doch noch mal politisch. Polina Gagarina sang ihre Friedenshymne "A Million Voices". Darauf, dass Russland ein Jahr nach der Krim-Annexion und der Gesetzgebung gegen Homosexuelle ein Lied in diesen Wettbewerb schickt, in dem es um Love and Peace geht, hatte der ORF die passende Antwort. Während des Beitrags wurden die in der Halle eifrig geschwenkten Regenbogenfahnen, das Symbol der Lesben und Schwulen, eingeblendet. Conchita Wurst kann stolz auf ihre Landsleute in der Regie sein.

Am Donnerstag tanzt Wien weiter. Dann werden sich im zweiten Semifinale zehn weitere Kandidaten fürs Finale am Samstag qualifizieren. Rock me, rock me, Amadeus.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo