Der Moderatorencheck Die Herren der Töpfe


Jede Woche werden im deutschen TV weit über 20 Sendungen ausgestrahlt, die sich mit dem Kochen beschäftigen. Grund genug, mal die Köche der täglichen Formate bei ihrer Moderation zu vergleichen - frei nach dem Motto: "Der Magen hört mit!"
Von Michael Rossié

Der Erste am Tag ist Armin Rossmeier im ZDF bei "Volle Kanne". Der hat um 10.30 Uhr schon gegessen. Ein drahtiger, blondierter Koch stellt kurz nach dem Verbrauchertipp sein Gericht und die Zutaten vor und kocht uns dann wenig später sehr professionell vor.

Ohne Punkt und Komma bei Rossmeier

Irgendwer muss ihm gedroht haben, ihn nicht mehr zu beschäftigen, sobald er eine Pause macht. Also redet er ohne Punkt und Komma, mischt noch ein bisschen Singsang und das Porzellanlächeln der Verkaufssender drunter und verbreitet in seiner Küche, die wie eine Kommandobrücke aussieht, mit Gewalt viel gute Laune. Da geht dann auch vor lauter Geschwindigkeit mal was schief ("Mal sehen, was an beginnenden Sommergemüsen da ist!"), aber insgesamt bewundernswert, wie schnell er ohne zu überlegen die Themen wechselt.

Dialekt ist beliebt

Wie alle anderen Köche spricht er Dialekt ("Da sind aahlso die Fittamine genauso belibbt wie die Schwadde vom Rosspiff."). Die Erklärungen sind ansonsten klar und kompetent, wobei bei allen Köchen auffällt, dass sie für den Grundkurs kochen. Ich habe in der Testwoche mindestens in vier Sendungen mit wichtiger Miene erklärt bekommen, dass Fett ein Geschmacksträger ist.
Fazit: Die Moderation ist optisch perfekt gestyltes fast food, kräftig, doch leicht überzuckert und liegt ein bisschen auf dem Magen.

Mit Lust und Liebe mit Strobel und Klink

Um 12.15 Uhr wird dann in der ARD gekocht. Rainer Strobel oder Vincent Klink sind kugelrunde gemütliche Menschen, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen und mit sehr viel Liebe und Lust zu jeder einzelnen Zutat anrichten. Im ARD-Buffet haben sie allerdings den ungeheuren Vorteil, dass der Moderator ihnen immer nur zeitweise über die Schulter schaut. Andererseits nervt hier der Dialog zwischen Köche und Moderatoren, da letzte zum Kochen nicht das Geringste beitragen können, sich aber für ihr Geld natürlich "einbringen" wollen. Da gibt es dann kleine Witze ("Rouladigami, die Kunst des Rouladenfaltens") und vor allem Ja-ja-Dialoge ("Es geht weiter!" - "Genau, weiter geht’s!"). Man spricht nicht wirklich miteinander ("Jetzt die Soße!" - "Ach ja, die Soße!"), es werden blöde Fragen gestellt ("Werden die Rouladen immer so gemacht?") oder einfach kommentiert ("Du drehst gerade die Bohnen, sehe ich!")

Auch hier enthält der Fong Fittamine, das Sößchen wird zu den Böhnchen gekippt, und die Sprache ist eher bodenständig ("Leitungswasser ist ein astreines Zeug.")
Fazit: Ein üppiges bodenständiges Menü mit viel Liebe und Ruhe zubereitet. Nur die "Kellner" mischen sich leider ständig ein.

Von Null auf Sendetemperatur in zwei Sekunden

Um 18.30 Uhr ist dann Tim Mälzer auf Vox dran: "Schmeckt nicht, gibt’s nicht." Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass man noch schneller sein kann als Herr Rossmeier, aber es geht. Sobald Tim Mälzer im Bild ist, geht es von Null auf Sendetemperatur in zwei Sekunden. Und nicht nur, dass Herr Mälzer hektischer spricht als Sarah Kuttner in ihren besten Zeiten, er kocht auch sehr aufwändig in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Wenn die Werbepause nicht wäre, man bekäme Angst um ihn.

Kochen im Dauerlauf

Die Zutaten stehen hier nicht in appetitlichen Schälchen im Halbkreis um den Herd, sondern sie werden aus allen möglichen Ecken zusammengetragen. Dabei rennt Herr Mälzer pro Sendung mehrere Kilometer durch seine Küche. Zusätzlich wird eine Assistentin beschäftigt und Grundsätzliches zum Thema Kochen erklärt. Und nie auch nur eine einzige Pause, in der man sich die Nase putzen könnte, ohne etwas zu verpassen. Faszinierend, wie mühelos ihm das alles gelingt. Dem Mann scheint sein Job wirklich Spaß zu machen.

Kraftnahrung für die Speisung der eiligen Kleinfamilie

Bei dem Tempo vergisst er natürlich auch schon mal ein Gewürz oder verwechselt einen Buchstaben ("Da müssen wir nur noch Aroma zufegen!"). Auch einige Formulierungen sind ein bisschen schief ( "Der Geschmack konzentriert sich in dem Gemüse drin." oder "So ist die Garzeit nicht ganz so länger."). Und es wird wieder sehr volkstümlich formuliert: "Da fehlt der Bums in der Geschichte." oder "Es wird richtig ballerig!" Aber was macht das. Ein durchschnittlicher Mensch (auch ein weiblicher) bekäme meine Erachtens nicht einmal ein einziges Gericht unter diesen Bedingungen hin.
Fazit: Konzentrierte Kraftnahrung für die Speisung der eiligen Kleinfamilie mit Spuren falscher Zusatzstoffe. Punktlandung zur Werbepause.


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