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Der Moderatorencheck: Die neue Frau fürs Sport-TV

In einer neuen Serie beleuchtet Moderatorentrainer Michael Rossié ab sofort neue TV-Gesichter. Zum Anfang nimmt er Katrin Müller-Hohenstein unter die Lupe, die ihr Debüt im "Aktuellen Sportstudio" feierte.

Dass unserem Fußballbundestrainer der Name des FC-Bayern Arztes, Müller-Wohlfahrt, im Moment noch geläufiger ist als der Name der neuen Moderatorin des ZDF-Sportstudios, wollen wir ihm nachsehen. Dafür ist sie in Bayern wesentlich bekannter als er. Eine der besten Radiomoderatorinnen Deutschlands, immer locker, witzig, frech und unterhaltsam, dabei nie unter der Gürtellinie, geht vor die Kamera: Katrin Müller-Hohenstein.

Die Trailer vor dem "heute-Journal" und zu Beginn der Sendung verhießen zunächst einmal nichts Gutes. Ein Off-Sprecher sang ihren Namen als wären dessen drei Teile eine Tonfolge für den Blockflötenkurs. Doch dann kam sie. Mit einem "So jetzt pack' mer's!" gab sie sich selbst einen Schubs und trat ins Scheinwerferlicht. Angenehm unaufgeregt, ganz natürlich, fast schon kumpelhaft führte sie knapp drei Millionen Menschen durch die Sendung. Lediglich der rechte Zeigefinger, der im Schraubstock der linken Hand eingeklemmt war, ließ ahnen, wie nervös sie war.

Viel Respekt vor dem DFB-Präsidenten

So ganz traute man ihr beim ZDF noch nicht, denn für ihre besondere Fähigkeit zu improvisieren ließ man ihr noch wenig Raum. Die Satzungetüme, die man ihr zu sprechen gab, klangen noch nicht so, als spräche sie frei ("Nach Informationen, die wir vom 1.FC Nürnberg erhalten haben, hatte Marek Mintal sich wohl erneut den linken Mittelfußknochen gebrochen."). Die Fragen in den Interviews wurden abgehakt, ohne dass Frau Müller-Hohenstein die nächste Frage aus der vorhergehenden Antwort entwickeln durfte. Dreimal betonte sie, dass ihr kein Mensch etwas erzählen soll ("Sie können mir doch nicht erzählen, dass..."), aber genau das passierte dann. Die Verantwortlichen der Stiftung Warentest indirekt als Idioten zu bezeichnen ("Die Stadien sind sicher - daran zweifelt kein normaler Mensch!"), wie es Herr Zwanziger getan hat, das wäre schon eine kritische Auseinandersetzung wert gewesen. Aber wer legt sich schon in der ersten Sendung mit dem DFB-Präsidenten an?

Ihre Wortspiele und Pointen, die im Radio eine ihrer Stärken sind, kamen etwas verkrampft, weil sie noch nicht so recht daran glaubte, dass man auch im ZDF darüber lachen würde. Und für lockere Reaktionen auf die Witze ihrer Gäste, war sie noch ein bisschen zu angespannt.

Nun stellt eine Sportsendung, die von vielen kritischen Fans gesehen wird, ja für den Moderator eine erhöhte Anforderung dar. Allein die Namen der meisten Fußballspieler sind Zungenbrecher. Doch Frau Müller-Hohenstein schien die Namen der Fußballer, Trainer und Präsidenten wirklich zu kennen. Auch wenn ihr die Fans die Betonung SalihaMIdzic an Stelle von SaliHAmidzic wohl übel nehmen werden. Bis zur nächsten Sendung kann sie das sicher.

Die Moderation machte ihr sichtlich Spaß. Ein paar kleinere Versprecher störten nicht, weil sie sich selbst dadurch nicht stören ließ, und größere Patzer kamen nicht vor. Sie wartete das Ende des Applauses nicht ab (das machen alle Sportschau-Moderatoren genauso) und betonte sehr oft die Präpositionen (IN Bayern, IN Köln, IN Folge, IN der Winterpause). Das ist auch bei anderen eine typische Marotte beim Vortragen vorformulierter Textpassagen. Auch zur Kommentierung des Torwandschießens ist ihr noch ein bisschen wenig eingefallen, aber das wird mit der Übung sicher kommen.

Natürlich hat sie noch nicht die Lockerheit und Erfahrung von Herrn Kerner, aber wenn das ZDF sie irgendwann ließe, wie sie wollte, dann könnte sie wirklich. Der erste Test lief jedenfalls sehr erfolgreich. Wir können gespannt sein, wie es weitergeht.

Michael Rossié