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Flüchtlingschor bei "Die Anstalt": Bewegende Satire ohne Pointe

Satire ist am besten, wenn sie böse ist - oder einfach authentisch. Das beweist die ZDF-Sendung "Die Anstalt": Ihre Kritik an der aktuellen Asylpolitik bewegt die Zuschauer auch ohne viele Witzchen.

Der Auftritt des syrischen Flüchtlingschors "Zuflucht" am Ende der Sendung sorgte für betroffene Gesichter und feuchte Augen im Publikum

Der Auftritt des syrischen Flüchtlingschors "Zuflucht" am Ende der Sendung sorgte für betroffene Gesichter und feuchte Augen im Publikum

Für Satiriker wie die Macher der Sendung "Die Anstalt" bietet das aktuelle Weltgeschehen jede Menge Steilvorlagen. Das stellten Claus von Wagner und Max Uthoff in der Sendung vom Dienstag eindrucksvoll unter Beweis – zeigten aber auch, dass Satire nicht immer nur lustig sein muss, um zu wirken.

Fast pünktlich zum 25. Jahrestag des Mauerfalls simulierten sie das Ende der DDR im Studio. Dabei wurden die Gäste Nessi Tausendschön, Jürgen Becker und Marc-Uwe Kling zu DDR-Bürger, an denen gezeigt wird, dass es im Westen doch gar nicht so anders ist: Zwar gibt es keine Stasi mehr, für Überwachung ist aber trotzdem gesorgt. Die "Einheitsfront" der alten Blockparteien? Heißt jetzt "große Koalition". Selbst ums Schlangestehen kommt man nicht drumherum – zumindest, wenn man möglichst früh das neueste Telefon haben will.

Flüchtlingen, die aus Kriegsländern nach Deutschland kommen, dürfte das herzlich egal sein. Ganz im Gegensatz zur aktuellen Entwicklung der Asylpolitik. Die Kritik daran verpackt "Die Anstalt" in Szenen, in denen überheblich-schnöselige Kreuzfahrer auf einen schwimmenden Flüchtling treffen und die EU-Initiative "Frontex Plus" mit der Damenbinde Always Ultra verglichen wird ("bisschen unbequem aber zum Abdecken reicht's").

Die Lacher im Publikum verstummen immer mehr – stattdessen mehren sich betroffene Gesichter. Als zum Ende der Sendung der syrische Flüchtlingschor "Zuflucht" die Bühne betritt, sind auch ein paar feuchte Augen im Saalpublikum zu sehen. Ein Sprecher aus der syrischen Stadt Homs bedankt sich für die Aufnahme und appelliert an die Deutschen, sich ihren Frieden zu bewahren. Die Standing Ovations zeigen, was später auch in sozialen Netzwerken wie Twitter deutlich wurde: Manchmal muss es eben wichtig statt witzig sein.

Hier können Sie die Sendung in der ZDF-Mediathek sehen.

kup