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Die Medienkolumne: Die unverstandene Jugend

Der Marktanteil des ZDF bei den 14- bis 49-Jährigen ist erstmals unter sechs Prozent. Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender mutieren zu Spartenprogrammen für die Alten. Darum mühen sie sich nun, die verlorene Jugend einzufangen. Leider lassen sich dabei Missverständnisse modellhaft studieren.

Von Bernd Gäbler

Erwachsene verstehen die jungen Leute nicht. Das ist fast eine Konstante der menschlichen Zivilisation. Schon zahlreiche Texte der griechischen Klassik belegen dies. Erst recht gilt das in einer Zeit der multiplizierten medialen Möglichkeiten. Ob Zeitungsverleger oder Radioexperten, Zeitschriftenredakteure oder Fernseh-Manager - alle jagen der Jugend nach.

Besonders schwer tut sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Es verfügt über ein vielfältiges Kinderprogramm - aber dann kommt ein großes, schwarzes Loch: die Altersklassen zwischen 12 und 29 Jahren sind nahezu verloren, und zwar unabhängig von Bildungsgrad, Geschmack oder Stil. Schüler der letzten Klassen oder junge Studenten kennen allenfalls noch zwei, drei Sendungen ihres öffentlich-rechtlichen Regionalsenders, in der Regel aber ignorieren sie das Programm. Die Sender-Hierarchen wissen, dass sie etwas tun müssen, auch wenn sie in öffentlichen Diskursen den Ernst der Lage vielfach relativieren und schönreden.

Alles echt?

Im Sendegebiet des WDR kann man zurzeit Zeuge eines Großversuchs werden, einzelne jugendorientierte Formate in das dritte Programm zu implementieren. Dabei zeigen sich nicht nur die Mühen der Ebene, sondern vor allem exemplarische Missverständnisse über die Jugend. Alles, was auf junge Leute zugeschnitten sein soll, firmiert unter dem Label "echt". "Echt im Leben" wird eine mit Spannung erwartete Reportagereihe, "Echt Böhmermann" soll Comedy sein, "100%gefühlsecht" wird als "tabulose Talkshow" annonciert, deren hibbelige Moderatorin Katjuschka Altmann - wie es in der Internetvorstellung heißt - aufgewachsen sei "in der Metropole Fickmühlen". Von diesem Niveau ist auch die Sendung. Was die hastige Moderatorin da "tabulos" zusammenstammelt, wäre vermutlich selbst von RTL 2 verworfen worden.

Missverständnis Nr.1: junge Leute wollen ständig über Sex quasseln

Einige Kritikerkollegen haben schon hämisch über diesen misslungenen Talk geschrieben. Mich erfasst eher die kalte Hand tiefer Trauer. Warum? Weil die bisherigen Versuche des WDR die bittere Wahrheit dokumentieren, dass nicht nur Individuen, sondern auch Institutionen und Großorganisationen etwas verlernen können. Wer zehn Jahre lang nicht Tennis gespielt hat, trifft plötzlich kaum noch den Ball. Wer zehn Jahre lang den Kontakt zur Jugend verloren hat, gibt ein peinliches Bild ab, wenn er sich plötzlich jugendlich ausstaffiert. Eines der größten Missverständnisse ist die Annahme, diese jungen Leute wollten ständig über Sex quasseln. Das tun eher selbstgewisse Alte, die unangenehm stolz sind auf ihre eigene Toleranz und Offenheit.

Missverständnis Nr. 2: Comedy - egal wie

Es gibt zwar die Schulpflicht, aber zum Glück keine Medien-Pflicht. Was langweilt, wird weggezappt. Gut so. Viele schlussfolgern daraus, dass alles unglaublich lustig sein müsse, soll es auch jüngere Zuschauer interessieren. Mag sein. Aber inzwischen überragen die Versuche zur Witzigkeit den Witz bei weitem. Es reicht einfach nicht, wenn alles nur Trallala, Hoppsassa, schnell, bunt und cool ist. Comedians werden nur gut, wenn sie durch die harte Schule vieler Auftritte gehen. Sie haben das Recht zu scheitern. Aber muss dies alles auf dem Sender geschehen?

Offenbar ist ein junger Mann namens Böhmermann im Radio ein Talent. Jetzt darf er sich im Fernsehen erproben - stets mit Anzug und Krawatte. So begibt er sich dann in Mallorca an den Strand und sagt zu Bikini-Schönheiten, dass er flirten will. Voraussehbar scheitert er mit diesem Begehr, was lustig sein soll. Sagen wir nichts gegen diesen jungen Mann. Aber es ist einfach unverantwortlich, ihn offenbar ohne jede redaktionelle Führung auf die Zuschauer loszulassen.

Missverständnis Nr. 3: die große Zahl

Wenn man keine jungen Leute als Zuschauer hat, könnte es ein realistisches Ziel sein, wenigstens einige zu gewinnen. Im Fernsehen aber regiert das Gesetz der großen Zahl. In großer Zahl gucken jüngere Zuschauer "Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ)", "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS), "Popstars" und "Germanys Next Top-Model". Also versuchen öffentlich-rechtliche Sender, ähnliches mit angezogener Handbremse zu imitieren. Das geht logischerweise schief, denn es gibt ja das Original. Wäre es da nicht eher Erfolg versprechend, sich auf weniger und weniges, womöglich gar auf Originelles und Eigenes zu konzentrieren?

Substanz statt Hektik; Engagement statt Eile; Journalismus statt Smalltalk

Man kann Zeitschriften nicht einfach aufs Fernsehen projezieren, aber Haltungen. Ich blättere durch "Neon". Da will niemand auf der Glatze Locken drehen. Das Heft bearbeitet liebevoll einfache, naheliegende, jeden interessierende Themen; hinter vielen kleinen Rubriken stecken schöne Ideen. Man spürt, dass an den Texten gearbeitet wurde. Da wurde nicht das Naheliegende einfach genommen: es wurde gesucht, recherchiert, etwas entdeckt. Die Sprache ist weder anbiedernd noch hochgestochen. Das wird kein Blatt für Millionen sein, aber die wachen Schüler, die cleveren Studenten blättern darin. Ich bin sicher, dass eine solche Haltung auch für junge Zuschauer interessant sein kann: Substanz statt schneller Quatsch; Liebe zum Detail statt aufdringliches Gejohle.

Unterschiedliche Formen: vom Reportage-Magazin bis zum Talk sind denkbar. Selbst ein gute gemachtes "Live aus dem Alabama" hätte heute wieder eine Chance. Natürlich klicken die Schüler und Studenten im Internet in großer Zahl die witzigsten Werbespots, schräge Filmchen und bunten Klatsch an, aber ebenso lassen sie sich von "gereatric1927" Geschichten erzählen und besuchen auf dem Kirchentag die Veranstaltungen mit Erhard Eppler. Wer auf seine Sendungen "echt" schreibt, sollte sich nicht verkrampft verstellen und Jugendlichkeit vorspielen. Gerade Sendungen für die Jugend sollten Resultate handwerklicher Sorgfalt, klugen Nachdenkens und ernsthafter Arbeit sein.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(