VG-Wort Pixel

ZDF-Doku "History" Mehr als nur "Palim Palim" – der schwierige Herr Hallervorden

Dieter Hallervorden in "Nonstop Nonsens"
Dieter Hallervorden als Didi in der Kultsendung "Nonstop Nonsens"
© Picture Alliance
Seine Sketche in "Nonstop Nonsens" sind Kult: Doch Dieter Hallervorden will mehr sein als nur Blödelheini. "ZDF History" zeichnet das Bild eines tiefsinnigen und auch schwierigen Künstlers, jenseits von "Palim Palim". 

"Palim Palim. Ich hätte gerne eine Flasche Pommes Frites." So beginnt ein Sketch, der längst zum deutschen Kulturgut gehört. Sein Schöpfer ist Dieter Hallervorden, der über Jahrzehnte nur als "Didi" im Fernsehen bekannt ist. Mit der Sketchreihe "Nonstop Nonsens" erschafft der inzwischen 84-Jährige in den 70er Jahren eine Kultsendung, die Alt und Jung lieben. Doch sie stempelt Hallervorden als Blödelbarden ab. Er fühlt sich verkannt - bis heute.

Zu Recht? Diese Frage versucht die ZDF-Sendung "History" in "Dieter Hallervorden – eine deutsche Legende" zu beantworten. Nicht nur der Komiker, Kabarettist und Intendant kommt zu Wort, sondern auch Weggefährten, seine Tochter Nathalie Hallervorden und Biograf Tim Pröse. Sie zeichnen das Bild eines großen Talents, das sich das Kind im Manne bewahrte.

Das Schöne: Obwohl der Film einen nachdenklichen und politischen Hallervorden zeigt, der vor der DDR flüchtet und sich mit dem Kabarett "Die Wühlmäuse" positioniert, kommen Ausschnitte aus Sketchen und den legendären Didi-Filmen nicht zu kurz. Die Kuh Elsa darf ebenso wenig fehlen wie der Kultspruch "Ich brauche mehr Details" aus "Didi, der Doppelgänger". Früher als Kinderquatsch verspottet, blitzt mit zeitlichem Abstand betrachtet das Genie des Autors hervor. Die Szenen haben bis heute nichts an Humor verloren. Sie sind zeitlos gut.  

Dieter Hallervorden und der Didi-Fluch

Doch mit dem großen Erfolg beginnen die Probleme. "Es war schwierig den Leuten klar zu machen, dass Didi nicht Dieter Hallervorden ist", sagt er über seine Paraderolle. Er hadert damit, will mehr zeigen. "Ich halte es für falsch, mich nur auf 'Palim Palim' zu reduzieren." Doch als Hallervorden in den 90er Jahren zurück zum politischen Kabarett will, scheitert er zunächst. Die Zuschauer nehmen ihm die Rolle des Satirikers nicht ab. Er zieht sich zurück, bis er mit dem Schlossparktheater ein Comeback feiert und ernsthafte Rollen spielt. Die Anerkennung als Charakterdarsteller erhält er spät. Sie folgt mit den Kinoerfolgen "Sein letztes Rennen" und "Honig im Kopf". Eine Genugtuung – endlich.

Privat gewährt der Film nur wenige Einblicke. Hallervorden, der als perfektionistisch bis pedantisch gilt, besitzt eine Insel in der Bretagne, wird mit 63 Jahren noch einmal Vater. "Er war nie streng", sagt sein Sohn Johannes, der ebenfalls Schauspieler geworden ist. Dass Hallervorden als schwieriger Kollege gilt und sich nicht gerne unterordnet, wird nur angedeutet. Geradezu boulevardesk wird es, als Hallervordens neue Lebensgefährtin Christiane Zander vorgestellt wird. "History" macht einen Moment lang auf "Bunte", thematisiert den Altersunterschied von 34 Jahren.

Lohnenswert ist die Kurzbiografie trotzdem. Sie zeigt, wie vielschichtig der Künstler Dieter Hallervorden ist. Ein Querdenker, der sich nie von anderen Meinungen hat beeinflussen lassen. Einer, der sein Ding durchzieht. "Nicht locker lassen, den langen Atem haben", sagt er. Das ist sein Lebensmotto - und sein Erfolgsgeheimnis. Trotzdem soll der Spaß beim Zuschauer nicht zu kurz kommen. Das tut er auch in dieser Sendung nicht.

"ZDF -History" mit "Dieter Hallervorden - eine deutsche Legende" läuft am Sonntag um 23.45 Uhr im ZDF


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker