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Comedian: Von Greta bis Griechenland: Mit diesen Sprüchen ist Dieter Nuhr angeeckt

Seine Witze über Greta Thunberg lösten im Netz große Empörung aus. Nicht das erste Mal: Mit diesen Sprüchen hat Dieter Nuhr in der Vergangenheit für Ärger gesorgt.

Dieter Nuhr gestikuliert

Ein paar Sprüche über Greta Thunberg - fertig ist der Shitstorm: Es ist immer wieder erstaunlich, welchen Furor man mit ein paar harmlose Witzchen entfachen kann. Einen wird das vermutlich nicht überrascht haben: Dieter Nuhr ist es gewohnt, dass er mit seinem Programm aneckt. Er blickt auf eine beeindruckende Tradition von Sprüchen zurück, die für Ärger sorgten.

So brachte ihm sein Bühnenprogramm 2014 eine Anzeige ein. Damals gehörte er zu den wenigen, die auch Witze über den Islam im Repertoire hatten. Ein Spruch lautete: "Wenn man nicht wüsste, dass der Koran Gottes Wort ist, könnte man meinen, ein Mann habe ihn geschrieben." Ein anderer: "Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie frei davon, alles entscheiden zu müssen." 

Dieter Nuhr

Dieter Nuhr hat mal wieder mit einer Äußerung provoziert

Dieter Nuhr wurde 2014 angezeigt

Nichts Kontroverses, nichts Diskriminierendes. Für einen muslimischen Mitbürger war das allerdings schon zu viel: Er verklagte Nuhr wegen "Beschimpfung von Bekenntnissen und Religionsgesellschaften" und warf ihm vor, er betreibe eine "blöde, dumme Hetze" gegen eine Minderheit. Die Klage wurde freilich abgewiesen, doch der Ärger sollte in den kommenden Jahren ein steter Begleiter bleiben.

Denn nachdem er die Humorfähigkeit von Muslimen getestet hatte, nahm sich der Comedian das Milieu vor, aus dem er selbst stammt. Dieter Nuhr ist Gründungsmitglied der Grünen - und in seinem Programm stellt der mittlerweile Parteilose viele Gewissheiten der Partei infrage. Besonders häufig macht er Witze über die Gender-Politik und die Klimafrage. 

Damit provoziert er Widerspruch. Nicht immer stellt er sich dabei geschickt an. So behauptete er vor ein paar Jahren, das Klima habe sich in den zurückliegenden 15 Jahren nicht erwärmt. Eine Aussage, die nicht ganz falsch ist, wenn man isoliert den Zeitraum zwischen 1998 und 2013 betrachtet, die jedoch im größeren Zeitraum kompletter Unsinn ist. Derlei Verkürzungen gehören zum festen Repertoire von Nuhr und bringen ihm viel Kritik ein - nicht immer unberechtigt.

Witze über Griechenland

Auch die EU-Politik zur Rettung Griechenlands nahm er wiederholt aufs Korn. Ein Facebook-Kommentar sorgte 2015 in besonderem Maße für Empörung: Nachdem sich die Griechen in einem Referendum mehrheitlich gegen Reformen als Gegenleistung zu einem neuen Hilfspaket der EU ausgesprochen hatten, schrieb Nuhr: "Meine Familie hat demokratisch abgestimmt: Der Hauskredit wird nicht zurückgezahlt. Ein Sieg des Volkswillens!"

Ein weiteres Mal setzte sich der Comedian damit dem Vorwurf der sinnentstellenden Verkürzung aus - denn dass die Griechen ihre Schulden zurückzahlen, wurde in dem Referendum gar nicht infrage gestellt.

Dieter Nuhr bedient mit seinem Humor aber immer wieder Ressentiments, die vor allem im politisch rechten Spektrum beheimatet sind. Der Kabarettist Volker Pispers nannte ihn deshalb den "humoristischen Arm der Pegida-Bewegung". 

Shitstorm für Programmhinweis

Mittlerweile muss der Niederrheiner gar keine Witze machen, um für empörtes Aufjaulen zu sorgen. Im vergangenen November reichte ein etwas unglücklicher Programmhinweis für einen Shitstorm. Darin bewarb der 58-Jährige seine ARD-Sendung mit den folgenden Worten: "Man sagt ja immer, der 9. November, das ist ein wichtiger Tag in der deutschen Geschichte. Aber der eigentlich wichtige Tag, das ist der 8. November. Da kommt nämlich 'Nuhr im Ersten'."

Weil der Trailer direkt im Anschluss an eine Dokumentation gesendet wurde, bekamen diese Worte einen schalen Beigeschmack. Denn am 9. November 1939 brannten in der Reichspogromnacht im gesamten Deutschen Reich Synagogen.

"Reaktionärer Dummschwätzer"

Dass Dieter Nuhr damit Holocaust und Judenverfolgung in irgendeiner Weise verharmlosen wollte, ist ausgeschlossen. Doch der Comedian hat mittlerweile so viele Gegner, dass viele gar nicht mehr so genau hinschauen. 

Genau so lief es auch nach der Sendung am vergangenen Donnerstag. Da wurde Nuhr als "reaktionärer Dummschwätzer" und "Wissenschaftsleugner" beschimpft. All die Wut und die Ressentiments sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer wieder Gründe gibt, Dieter Nuhr zu kritisieren.