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TV-Kritik

Dschungelcamp Tag 5: Tommi eierkuliert nicht – dafür kocht es bei Evelyn und Domenico über

Was für ein Gefühlsstakkato im RTL-Dschungelcamp, welch ein Drama, Tränen und Tiraden. Nein, nicht die Vollverweigerung von Gisele, die ist ja Standard. Bei den einstigen Paradies-Bewohnern hat es gekracht, aber so richtig.

Von Ingo Scheel

Dschungelcamp-Bewohner Evelyn und Domenico

Dschungelcamp-Bewohner Evelyn und Domenico: "Ihr macht das unheimlich toll als Ex-Paar"

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Chris tuscht sich Farbe in den Bart. Leila schaut mit leerem Blick ins Lagerfeuer und sieht dabei aus wie eines jener Mädchen, die es an der Gesamtschule früher in jedem 11. oder 12. Jahrgang gab: Verträumte Lockenköpfe, die im Erdkunde-Unterricht an Mohair-Pullis stricken, nach Patchouli riechen und ein frisiertes Zündapp-Mofa fahren. Felix hält sich die Hirnschüssel mit einem Stirnband zusammen, das diffus an Barbara Herzsprung erinnert. Sibylle erholt sich auf der Pritsche vom Teamkäpt'n-Dasein, Peter lächelt milde, nur Tommi ist wie von Sinnen, sein innerer Alf tobt und wütet. 

Kaum zu ermitteln, welcher Blitz da in ihn gefahren ist, aber was sein Oberstübchen so beschäftigt, wird schnell klar, Stichwort Frauen, Stichwort Männer, das alte Rein-Raus-Spiel. Und da hat Pipers Tommi ganz klare Vorstellungen: Frauen wollen Potenzlinge. Und im Lager gibt es von diesen anspruchsvollen Vertretern des weiblichen Geschlechts so einige: "Ansehnliche Damen", wie Piper es formuliert. Die Po(le)-Position ist klar, dahinter ein dicht gedrängtes Mittelfeld: "Den besten Po hat Evelyn, andere haben aber auch einen schönen Arsch!"

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"Heute gibt es Model-Essen. Gar nichts!"

Was so ein schöner Arsch mit den Männern machen kann, weiß Tommi aber nur noch aus grauer Vorzeit, als er "Feuervögel" datete, die ein Vierteljahrhundert jünger waren als er. Damals wurde noch ejakuliert, was sich bei Piper immer wie "eierkuliert" anhört – was ja phonetisch nicht eben unpassend klingt –  und für einen Mann, so Piper, natürlich essenziell ist. Denn wenn das "Eierkulat" nach innen geht, die "Substanz", dann ist das für einen Mann entsetzlich. Früher habe er lange darunter gelitten, heute ist ihm das längst, O-Ton: "Pffffff …", was wohl soviel wie "Latte" beziehungsweise "egal" heißen soll.

Dschungelcamp 2019, Tag 5: Null Sterne! Der Motivator scheitert an Gisele
Dschungelcamp 2019

Heute soll es werden! Gisele Oppermann ist erneut in die Dschungelprüfung gewählt worden. Sie wird allerdings von "Supermotivator" Bastian Yotta begleitet. Da kann doch eigentlich nichts schief gehen, oder? Im Dschungeltelefon zeigen sich beide jedenfalls siegesgewiss: Tschakka, High Five und Kalendersprüche sollen dafür sorgen, dass Gisele es diesmal durchzieht.

Ein Geräusch, das auch bestens zur Dschungelprüfung passte. Der nämlich ließ die gute Gisele mal wieder die Luft raus. Pffffff, vorbei war es. Nur ganz kurz wurde der gläserne Sarg Probe gelegen, aber schon beim ersten kleinen Krabbeln und Kribbeln gingen die Pferde mit Frollein Möppermann durch, wurde die Prüfung im Liegen abgebrochen. Yotta, der Weise, coachte sie zwar noch ein wenig, aber selbst der mirakulöse Mental-Mentor stieß hier an seine Grenzen. Ein kurzer zweiter Versuch – dann war es das. 

Gisele zog eine Flappe, Yotta kochte: "Ich wollte zwölf Sterne holen, jetzt gibt es nicht mal einen. Null. Als wenn meine Freundin mich geil macht, und dann darf ich nicht ficken!" Vielleicht könnte jemand dem Hulk beizeiten mal ein paar schmuckere Metaphern zwischen die Ohren coachen. Gisele dagegen bekommt langsam Routine im Abschenken, selbst das Verkünden des Fiaskos fällt mittlerweile nonchalant aus. Mit einem fröhlichen "Heute gibt es Model-Essen. Gar nichts!", briefte sie ihre Mitinsassen in Sachen fortgesetzter Schmalhans-Cuisine.

Echtzeit-Drama im Dschungelcamp

Das tatsächliche Echtzeit-Drama spielte sich schließlich zwischen Evelyn und Domenico ab. Battlefield in Paradise. Eine Hilfsverb-gewordene Keilerei, von "Krieg-isch-Rose?" zu Rosenkrieg binnen zwei Portionen Reis mit Bohnen. Ich hab, du hast, nein, doch, was überhaupt? Ein tourettöses Sperrfeuer von Vorwürfen und Theorien, in dem Evelyn sich über Domenicos Unaufrichtigkeit beklagte – oder war es umgekehrt? – der aber doch einfach nur ganz in Ruhe sein Familienleben mit Nachwuchs genießen will und sich auch schon überlegt hat, wie er die Kurzzeit-Ex zum Schweigen bringen könnte: "Ich geb’ Dir einen Burger aus!"

Was im Lager noch als temperamentvolles Vorspiel taugte, eskalierte vollends auf dem Weg zur Schatzsuche, die nun ausgerechnet die Kurzzeit-Verbandelten gemeinsam absolvieren mussten. Nicht einmal den Weg zum Prüfstand schafften sie, ohne sich vollends im Clinch, im verbalen, zu verhaken. Kryptische Vorwürfe, wie von einem halluzinierenden Marine-Funker in die Außenwelt gemorst, Halbsätze und Flüche, Verwünschung, Verwüstung, Verwundung. Bis Domenico – bleiben wir der Einfachheit halber im Eierkulat-Duktus – den Schwanz einzog, ins Lager zurückkehrte und seine Einsicht platzen ließ wie eine obergärige Stinkfrucht: "Die Fernsehwelt ist abgefuckt." Das saß, wenn auch nur kurz. 

Denn wenig später machte sich Domenico, vom Currywurstmann dezent gecoacht, erneut auf den Weg, um der Liebe, Verzeihung, der Schatzsuche eine zweite Chance zu geben. Und wie schade wäre es gewesen, hätte man das verpasst. Schon zuvor hatte Evelyn sich im Sextalk am Teich um Kopf und Kragen geredet, von Kuss-Übungen mit Bananen berichtet und von ihrer Vorstellung, dass Eier – schon wieder das Testikel-Thema – irgendwann dick werden und platzen, wenn der Mann, der genetisch Grundgeile, nicht zum Zug kommt. 

"Ihr macht das unheimlich toll als Ex-Paar"

Dass Evelyn nicht nur in Sexualkunde gut aufgepasst hat, zeigte sich schließlich bei den Wissensfragen der Schatzsuche: Zwischen Amerika und Europa liegt, na logo, der amerikanische Ozean, weil – das weiß ja jeder – der Atlantik in Asien liegt. So weit, so knapp daneben. Immerhin wusste sie, wer Adenauer war – weil eine Schule in ihrem Stadtteil so heißt –, und dass das Gehirn, weil das ja "so voll im Kopf drinne ist", ziemlich schmerzunempfindlich ist. 

Beim High five mit Domenico, der das alles eigentlich gar nicht mehr wollte, Stichwort "Tuischnischmä", was wohl soviel heißen soll wie "Das werde ich nicht mehr machen", sah es fast schon wieder nach einstiger Harmonie aus. Damit dürfte es jedoch flugs vorbei sein, nicht zuletzt weil erneut Gisele, wiederum mit Traumpartner Yotta, der zum Dampfablassen zwischendrin Holz auf einem Stein zerkloppte, zur Dschungelprüfung antreten darf.

Fehlt noch was? Ach ja: Felix ist so hungrig, er würde mittlerweile sogar Rosenkohl essen. Chris hat mit 15 zum ersten Mal gepoppt. Und Peters Einschätzung des Binnenverhältnisses Evelyn/Domenico klang wie von Bob Ross gemalt: "Ihr macht das unheimlich toll als Ex-Paar, ihr geht sehr harmonisch miteinander um." Hut ab, Herr Orloff, den sollte man sich in Sachen Titel schon mal ganz dick im Notizbuch unterstreichen. Tu isch gleisch ma.

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Alle Infos zu "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" auch im Special bei RTL.de.

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