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RTL-Dschungelcamp 2012: Brigitte Nielsen ist Dschungelkönigin

Es plätscherte nicht nur der Bach, auch die Sendezeit des RTL Dschungelcamps wabberte so vor sich hin. Experten sind sich einig: Es fehlte an der nötigen Prise Intellekt. Das Dschungelcamp 2012 ist als Gesellschafts-Talkshow gescheitert.

Dschungelcamp Nr. 6 plätscherte so vor sich hin. Wirklich mitreißend war nur der Bach, der nach zig Tagen Dauerregen zwischenzeitlich sogar das Pritschenlager der Promis im australischen Dschungel flutete. Und Brigitte Nielsen, die das Publikum am Ende zur Dschungelkönigin erkor.

"Natürlich war es ein Traum. Und jetzt ist er reality", sagte die 48-jährige Schauspielerin bei ihrer Krönung. Doch gemessen an der fünften Staffel im vergangenen Jahr hinkte die Show dieses Mal hinterher.

Grund waren wohl vor allem die Hauptakteure. "Die Qualität der Kandidaten war schlechter als 2011", sagte Medienforscherin Joan Kristin Bleicher vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg. RTL habe sich zu wenig Zeit für die Suche nach geeigneten Charakteren genommen, meint die Professorin. Dabei ziehe das Format vor allem über die Kandidaten. "Dieses Jahr fehlte intellektuelles Niveau."

Gesellschafts-Talkshow Dschungelcamp

Intellektuelles Niveau bei RTL, ausgerechnet beim Dschungelcamp? Bleicher zielt auf Schauspieler Matthieu Carrière und Alt-Kommunarde Rainer Langhans ab, die 2011 dabei waren. "Die bringen ganz andere Gespräche ein, da ging es um große, gesellschaftliche Themen." Dieses Mal zeterten die Camper über richtige Reis-Zubereitung, redeten über das Wetter und hin und wieder über ihre Schulden. "Was mir diesmal ein wenig fehlt, ist eine Figur wie Rainer Langhans", sagte auch der nun abgelöste Dschungelkönig aus dem letzten Jahr Peer Kusmagk. Langhans, der aus einer sehr politischen und intellektuellen Ecke komme, habe 2011 eine Menge ausgemacht, sagte der Moderator im Interview mit "n-tv.de".

In diesem Jahr jammerten vor allem die Kerle: Magier Vincent Raven und Sänger Daniel Lopes kündigten an, das Camp freiwillig verlassen zu wollen. Rocker Martin Kesici zog das durch und rief den Satz der Sätze: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" Ailton, einst "Fußballer des Jahres", appellierte wie Raven ans Publikum, nicht mehr für ihn anzurufen.

Die Frauen machten anders auf sich aufmerksam: Die Unordnung im Dschungelcamp führte bei Ex-"Fernsehgarten"-Gastgeberin Ramona Leiß regelmäßig zu Wutausbrüchen. Sängerin Marlene "Jazzy" Tackenberg (Tic Tac Toe) wollte sich partout nichts sagen lassen, Nacktmodell Micaela Schäfer partout nichts anziehen - sie versuchte, mit blanken Brüsten zu kokettierten.

Lethargische Camper können nicht die Quotenkrone holen

Viele Teilnehmer blieben blass. "Nur Brigitte Nielsen ist ihre Gage wert", kommentierte "Spiegel-Online"-Autorin Julia Jüttner noch während der zweiten Camp-Woche. "Sie ist die Animateurin im Pritschenlager, wirkt im Vergleich zu den Heulsusen wie auf Ecstasy." Das RTL-Experiment erklärte sie wegen der "lethargischen Kandidaten-Runde" für gescheitert. Das Moderatoren-Duo, die bissige Sonja Zietlow und der quietschbunte Dirk Bach, lästerte ebenfalls über die Promis: "Wenn wir die nach Leistung bezahlen würden, bekämen wir noch was zurück."

Das Rumsitzen im Camp verfolgten im Schnitt immerhin mehr als sechs Millionen Menschen. Nach Angaben der Marktforscher von Media Control waren darunter täglich mehr als 200.000 Kinder zwischen 3 und 13 Jahren, rund 360.000 zwischen 14 und 19. Die Rekordwerte aus dem Vorjahr knackte die sechste Staffel beim Kölner Privatsenders aber nicht. Die Durchschnittsquote lag 2011 bei 7,62 Millionen Zuschauern.

Dieses Jahr zog vor allem eine: "Brigitte Nielsen sticht heraus - als Hollywood-Grandezza, als Mutter des Camps", sagte Bleicher. Mit Elan und stets guter Laune absolvierte Nielsen Dschungelprüfungen, schluckte Straußen-Anus und Entenblut. Sie tröstete Mitcamper und erzählte Intimes aus ihrem Privatleben - von Drogenproblemen und Ex-Lovern. So wundert es nicht, dass die Ex-Frau von Schauspieler Sylvester Stallone am Ende Blumenkrone und Zepter übernimmt. "Es war so eine gute Zeit", jubelte die 48-Jährige. Sie habe eigene Grenzen überwunden. Und sie verspricht: "Ich will meine Deutsch verbessern."

ono/DPA / DPA