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DSDS - Deutschland sucht den Superstar

"DSDS"-Start Baron Bohlen mag es billig


Die Talentsucher von RTL sind wieder los. Um dieses Mal einen "Superstar" zu finden, der mehr als zwei Singles durchhält, hat sich Dieter Bohlen neue Jurykollegen besorgt: Jünger und schöner als ihre Vorgänger - aber genauso bedeutungslos. Die Show ist Bohlen. Und der träumt von einem Adelstitel - verhält sich aber wie ein Vollproll.
Von Mark Stöhr

In jeder Staffel gibt es mindestens einen, der ihn ausspricht. Diesen Satz, der das Malheur von Dieter Bohlen auf den Punkt bringt. Gestern zum Auftakt der neuen "DSDS"-Show war es einer dieser durchgedrehten Dauerfrustrierten, die nicht zum Singen gekommen sind, sondern um den "Poptitan" mal leibhaftig aus der Nähe zu sehen. "Ich hätte gerne so geile Weiber und so geile Autos wie du", sagte er Richtung Jurypult. Antwort von Bohlen: "Wirst du nie haben." Kein schlechter Konter. Aber gerät man nicht irgendwann ins Grübeln, wenn man nur für seine Konten und Carinas bewundert wird und nicht für das, was man tut?

Noch zerknüllter als sonst sieht der 56-Jährige aus neben den beiden Beauties, die er sich als Verstärkung in die Jury geholt hat. Fernanda Brandao ist das "brasilianische Feuer pur" (Marco Schreyl) und allein dadurch schon der komplette Gegenentwurf zu Nina Eichinger. Patrick Nuo ist der geborene Soap-Darsteller, glatt wie eine frisch gewaxte Männerbrust. Was die Neu-Juroren verbindet, ist vor allem, dass ihre musikalische Karriere gleichermaßen in den Seilen hängt. Brandao landete mit ihrer ehemaligen Band Hot Banditoz vor sieben Jahren einen einzigen Hit. Nuo schaffte es vor Ewigkeiten mal mit einer Single in den deutschen Charts auf Platz 22. Danach kam nichts mehr. Die beiden hätten auch genauso gut ins Dschungelcamp gehen können.

Bohlens Sprüche gallig bis zur Kotzgrenze

Ihre Funktion ist klar: Schön sein und hin und wieder ein Lächeln oder Taschentuch verschenken, während Bohlen die Arbeit erledigt. Das klappte bei der Vorgänger-Konstellation nur bedingt. Eichinger verwechselte die Show häufig mit einem Gebetskreis. Volker Neumüller war am Ende proletiger als sein Chef. Doch diesmal könnte die Zusammenarbeit ganz nach den Vorstellungen der "DSDS"-Strategen funktionieren. Fernanda Brandao hat durchaus Charme und kombiniert ihren Sex-Appeal mit einer gewissen Sensibilität. Patrick Nuo ist ein friedlicher Schnösel, der beim Abnicken eine gute Figur abgibt.

Bohlen muss sich keine Sorgen machen, von einem der beiden beim Durchregieren gestört zu werden. In seinem Fachgebiet, der Häme, können sie ihm nicht annähernd das Wasser reichen. Auch für die neue Staffel hat sich der Metzger unter den Metaphorikern einen Haufen neuer Sprüche ausgedacht, die er bis April nach und nach auf die Kandidaten abschießen wird. Gestern gab er die ersten Kostproben seines Könnens, wie immer gallig bis zur Kotzgrenze.

Alles wie gehabt im Hippodrom der Gelackmeierten

Einer Frau, die augenscheinlich versäumt hatte, ihr Gesicht abzupudern, drückte er den Spruch rein: "Du glänzt wie ne Speckschwarte". Zu allem Überfluss outete sie sich als gelernte Kosmetikerin, eine arbeitslose noch dazu - Bohlen: "Kein Wunder." Als sie sich auch noch als maximal miese Sängerin ohne einen Hauch von Melodieverständnis entpuppte, bescheinigte ihr der Juryboss erst "musikalische Inkontinenz" und wurde dann sogar persönlich: "Deine Stimme klingt wie Verona Feldbusch zu ihrer besten Zeit." Alles wie gehabt also im Hippodrom der Gelackmeierten.

Bis zu den Recalls Anfang Februar auf den Malediven werden wieder die üblichen Freaks durch die Arena gejagt. Arme Irre, die nicht wissen, was sie tun. Ganz im Gegensatz zu den Programmachern. Die setzen noch mehr als in den Staffeln davor auf Animations-Gags, die aus Idioten Vollidioten machen. Was danach noch an Würde übrig ist, fegt Bohlen zusammen.

Bohlen: "Deine Ohren sehen scheiße aus"

Stefan, einen jungen Mann, erwischte es gestern besonders schlimm. Sein Leben liest sich wie ein einziger Alptraum: Der Vater tot, die Mutter ein Pflegefall. Bohlen wusste das - und zog seine Tiraden trotzdem gnadenlos durch. "Deine Ohren sehen scheiße aus" war die ästhetische Demontage, die musikalische folgte mit: "Bei einer Plattenfirma wirst du nie einen Vertrag kriegen außer als Parkhauswächter." Als der Junge sichtlich verstört die Castingbühne verlassen hatte, zischelte er seinen Jurykollegen zu: "Hätte er nicht eine kranke Mutter gehabt, hätte ich ihn fertiggemacht."

Eine Pointe war für Bohlen noch nie zu billig und abgeschmackt, um sie nicht doch zu bringen. Aber will er immer nur das Idol der Ballermänner bleiben und als faltiger Proll in die Fernsehgeschichte eingehen? Wünscht er sich nicht insgeheim auch die Anerkennung der Gebildeten und Kultivierten? Manchmal zumindest, in beschaulichen Momenten?

Als in der gestrigen Folge ein Kandidat namens Ralph Joachim Edler von Görbitz auftrat - alter österreichischer, offensichtlich aber inzwischen ziemlich ramponierter Adel - meinte Bohlen, so ein Titel könnte ihm schon gefallen. "Freiherr Dieter Edler von Bohlen", schlug der Kandidat vor, der "Poptitan" fand "Baron Bohlen" besser. Natürlich brachte der Görbitz-Nachfahre keinen geraden Ton heraus. "Damit hättest du jeden Ritter aus der Rüstung geschlagen", lautete das Urteil. Baron Bohlen mag es eben billig.


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