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E-Mail von Till: Grönemeyer bei Schleimi-Reini

Herbert Grönemeyer zu Gast bei Reinhold Beckmann: Das hätte eine interessante Sendung werden können. Stattdessen gab es einen belanglosen Alt-Herren-Plausch mit anschließendem Plattenhören.

Von Till Hoheneder

Leute, mal ganz ehrlich! Reinhold Beckmann ist, um es mal ganz dezent mit Salinger zu sagen: a royal pain in the ass! Mein alter Manager Manny S. erzählt mir noch heute gerne die Story, wie Schleimi-Reini im hohen Bogen aus der Garderobe von Boy Georges Culture Club geflogen ist. Auch die Blueslegende Luther Allison, er ruhe in Frieden, fragte verzweifelt nach einem Beckmann-Interview: What have I done to deserve this? Ja, gute Frage! Normalerweise schalte ich ja blitzkriegartig um, wenn Schleimi-Reini im TV zu sehen ist. Oder ich stelle den Ton ab, wenn diese Gebührenverschwendungs-Husche mal wieder ein Länderspiel kaputtschwafelt.

Aber naiv wie ich bin, dachte ich: Herbert Grönemeyer bei Schleimi-Reini, das wird trotzdem interessant. Denn Grönemeyer antwortet meistens sehr ehrlich und hat zu allem eine Meinung. Beste Voraussetzungen also für ein spannendes Interview.

Aber Schleimi-Reini wollte lieber kuscheln und hatte Kinderfotos von Herbie mitgebracht und alte Videos. Und schnell wurde klar, dass man nichts erfahren würde, was man nicht vorher schon in sämtlichen Interviews zur Veröffentlichung des neuen Grönemeyer-Albums hätte lesen können. Schleimi-Reini macht ein auf "Herbert-du-bist-mein-Kumpel" und seierte seine Standard-Beckmann-Fragen ab: Wie war das eigentlich damals? Wie muss man sich das vorstellen? Was fühlst Du da? Das war und ist übelstes "Bunte"-Niveau! Und Herbert schaltete gutgelaunt auf PR-Autopilot. Selbst die interessanteren Äußerungen, die Grönemeyer machte (kann auf Tour sehr unangenehm sein, stand als Jugendlicher extrem unter Druck), ließ Schleimi-Reini einfach unbehandelt in seinem Schleimkosmos versickern.

Und als ich schon halb eingeschlafen war, kam die merkwürdigste Szene: Nachdem Herbert lang und breit erzählt hat, wie gerne er singt und tanzt, wie wichtig die Kompositionen und Texte für ihn sind und der Kontakt zum Publikum... kommt dieser kleine Videoausschnitt von der letzten Mensch-Tour, der die geölte PR-Maschine Herbert zum Stottern bringt: "Ich kann mich nicht sehen, das ertrage ich nicht... wie ich mich bewege, was ich anhabe... einfach fürchterlich, alles!" WAS? MOMENT MAL? Schleimi-Reini, hast Du das auch gehört?

Aber Schleimi-Reini hat nix gehört, nix gemerkt und der zahnlose Alte-Herren-Talk soff endgültig ab. Zum Schluss stellte Schleimi-Reini quasi als Zehn-Minuten-Abspann einen Plattenspieler auf den Tisch, um mit Herbert (wo war die Lesebrille?) Platten aufzulegen. Irre interessant. Das veranlasste selbst Grönemeyer zur Einsicht: Wir müssen das den Zuschauern ja nicht ewig antun. Das, mein lieber Herbert, hättest Du Schleimi-Reini schon eine Stunde eher sagen sollen.

Bis die Tage!

  • Till Hoheneder