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E-Mail von Till: Grönemeyer und die Web-Piraten

Grönemeyer, Lindenberg, Schöneberger - es sind die üblichen Verdächtigen, die sich derzeit bei der Kanzlerin über illegale Downloads beschweren. stern.de-Kolumnist Till Hoheneder meint dazu: Alles Quatsch, von Diebstahl geistigen Eigentums lässt sich bei diesen Herrschaften wohl kaum sprechen.

Leute, mal ganz ehrlich! Ich bin immer wieder erstaunt, was einigen prominenten Kulturschaffenden so einfällt. Da beschweren sich unsere armen Künstler bei Frau Merkel wegen Diebstahls ihres geistigen Eigentums durch illegale Downloads im Internet. An vorderster Front mit dabei: die üblichen Verdächtigen. Herr Grönemeyer, Herr Lindenberg... bis hin zu Sönke Wortmann und Barbara Schöneberger. Schon lustig, oder? Was bitteschön umfasst das geistige Eigentum einer Barbara Schöneberger? Ihr Moderationsgeschnatter mit weit aufgerissenen Telleraugen? Ihr aufdringliches "Moppen-raus"-Gehabe vielleicht?

Illegale Downloads gesetzlich stoppen zu wollen, ist an Naivität nicht zu überbieten. Die Herrschaften und Damen haben als Jugendliche natürlich keine Kassetten aufgenommen und weiterkopiert, ist ja klar. Ich könnte es ja noch verstehen, wenn sich Newcomer beschweren würden, aber: Würden diese Künstler ohne Internet und Downloads überhaupt noch populär werden? Was ist mit einer Colby Caillat, die durch ihre Songs auf der eigenen MySpace-Seite den Durchbruch geschafft und Millionen von ihrem Debütalbum verkauft hat?

Auch sehr zweischneidig sind Proteste von Millionären wie Herbert Grönemeyer, dessen geistiges Eigentum Poesiealbum-Weisheiten beinhaltet wie: "Die Erde ist freundlich - warum wir eigentlich nicht?" Bei den Hochpreisen für CDs und Konzertkarten ist es doch kein Wunder, dass manchen Fans die Kohle ausgeht und sie sich mal was runterladen. Und warum sind CDs so teuer? Die Plattenfirmen bezahlen Stars wie Robbie Williams und Herbert Grönemeyer Rekordsummen für Plattenverträge, die der einfache Fan dann refinanzieren soll.

Die illegalen Downloads werden wohl kaum dazu führen, dass der liebe Herbert seinen Notgroschen anbrechen muss. Die Herren von Metallica sind ja auch Hardcore-Gegner von Gratismusik-Tauschbörsen gewesen. Solange Oberheulsuse James Hetfield (fragt seinen Psychoanalytiker, ob er mit der Band proben kann) sein von Fans bezahltes Einkommen aber dafür ausgibt, um aus sicherer Entfernung in Sibirien wehrlose Bären abzuknallen, sollte man sich fragen, ob man überhaupt noch Geld für Metallica ausgeben sollte.

Wer als Künstler richtig gut im Geschäft ist, der verdient in unserem Beruf doch Summen, die einem normalen Arbeiter an den Rand eines Herzinfarkts treiben würden! Was kostet denn ein Gala-Auftritt von Udo Jürgens, der auch möchte, dass Frau Merkel die Web-Piraterie zur Chefsache macht? Unter 50.000 Euro dreht der gute Udo nicht mal den Zündschlüssel rum... das sind vier komplette Jahresrenten von meinem Opa, soviel zur Relation. Ich gönne jedem fette Gagen, aber unterlasst doch bitte solche Aktionen! So, ich muss jetzt Schluss machen, mein Anwalt ruft gerade an wegen den illegalen Videos von mir bei YouTube. Frechheit, so was! Gucken sich mein geistiges Eigentum an und ich spiele dann nur in der halbvollen Westfalenhalle, wa? So nicht!

Bis die Tage...