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Entscheidung in Mainz: Peter Frey wird neuer ZDF-Chefredakteur

Das ZDF hat einen neuen Chefredakteur: Peter Frey, der bisherige Leiter des Hauptstadtstudios, wird Nachfolger von Nikolaus Brender. Damit steht nach Brender wieder ein Mann an der Spitze des ZDF, der politisch eher links zu verorten ist. Freys Nachfolge steht auch schon fest.

Peter Frey ist der neue ZDF-Chefredakteur. Das hat der ZDF-Verwaltungsrat heute entschieden. Ab April 2010 wird Frey, der bisher das Hauptstadtstudio geleitet hat, sein neues Amt in Mainz antreten. Die Entscheidung war fällig geworden, nachdem die Wiederwahl des bisherigen Chefredakteurs Nikolaus Brender an der Unions-Mehrheit im Verwaltungsrat am 27. November gescheitert war. Die Nachfolge von Frey steht auch schon fest: Das ZDF-Hauptstadtstudio wird zukünftig von Bettina Schausten geführt. Die 44-Jährige leitet bisher die Hauptredaktion Innenpolitik.

Mit Frey kommt einer, der politisch auf den ersten Blick ebenso wenig auf CDU-Linie zu verorten ist wie Brender, er gilt eher als linksliberal. Bei den Linken selbst ist der 52-Jährige dennoch nicht besonders beliebt. Dazu trug nicht zuletzt das Sommerinterview mit Oskar Lafontaine bei, in dem beide sich ganz im Gegensatz zum sonstigen Auftreten des ZDF-Mannes richtig fetzten. Schon die Eingangsmoderation von Frey war von polemischer Schärfe: "Wird Oskar Lafontaine zur Belastung für die Linken im Bundestagswahlkampf?" Frey ist ein Vollblut-Reporter. Als promovierter Politikwissenschaftler weiß er zudem genau, wovon er spricht, wenn er seinen Zuschauern etwa die Föderalismusreform erklärt. Der gebürtige Bingener studierte Politik, Pädagogik und Romanistik in Mainz und Madrid. Schon während seines Studiums arbeitete er nebenbei als Journalist und wurde nach dem Abschluss Redakteur, Reporter und Moderator beim Südwestfunk und der "Frankfurter Rundschau". 1983 wechselte er zum ZDF.

Vollblut-Reporter mit Auslandserfahrung

Für das "heute-journal" berichtete er aus Mexiko, Nicaragua, Polen und Spanien. Durch die Arbeit als Auslandskorrespondent sehe er das politische Treiben in Berlin mit einer gewissen Distanz, sagte Frey einmal in einem Interview.

Von 1992 bis 1998 leitete Frey das "ZDF Morgenmagazin", das er zusammen mit Maybritt Illner auch moderierte. Dann wurde er Leiter der ZDF-Redaktion Außenpolitik und ist seit 2001 Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios. Bis zuletzt war der 52-Jährige häufig auf Auslandsreisen von Kanzlerin und Ministern anzutreffen, ein Privileg, das er sich als Chefredakteur wohl nicht mehr in der bisherigen Form leisten kann.

Neben den politischen Sendungen, aus denen ihn seine Zuschauer hauptsächlich kennen, hat der Katholik Frey auch immer wieder Sendungen mit religiösem Hintergrund moderiert, etwa 2005 zum Weltjugendtag in Köln oder zum Tode von Papst Johannes Paul II. und der Wahl Benedikts XVI. zu dessen Nachfolger.

Die SPD macht sich weiterhin stark, den ZDF-Staatsvertrag zu ändern, damit der Verwaltungsrat reformiert werden kann. Die Parteien sollen weniger Einfluss bekommen, dafür wird den Interessensverbände mehr Gewicht eingeräumt. Falls diese Reform scheitere, will die SPD eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einreichen.