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Eurovision Song Contest: Fans enttäuscht, Rotterdam hofft auf 2021 - ESC zum ersten Mal in seiner Geschichte abgesagt

64 Jahre lang gab es den Wettbewerb am Stück, das Coronavirus führt zum ersten Mal zu einer Absage: Der ESC 2020 in den Niederlanden findet nicht statt. Fans hatten bis zuletzt auf einen Plan B gehofft.

ESC

Die Aufbauten für die geplante Bühne des Eurovision Song Contest in Rotterdam sollten Ende April beginnen.

Um 14.27 Uhr wurde es zur traurigen Gewissheit: Die European Broadcasting Union (EBU) teilte über Facebook und Twitter mit, dass der Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam abgesagt ist. Es sei aufgrund der anhaltenden Coronakrise unmöglich, an dem Live-Event am 16. Mai festzuhalten. Die Entscheidung sei "sehr schwierig" gewesen, aber aufgrund der Restriktionen unvermeidlich. Es ist das erste Mal seit der Gründung der Veranstaltung 1956, dass er Eurovision Song Contest ausfällt.

Fans hatten schon seit Tagen mit einer Absage gerechnet. Viele reagierten enttäuscht, zeigten jedoch Verständnis. "Die richtige Entscheidung in dieser Situation, trotzdem tut es weh", kommentierte ein Nutzer auf Twitter. Viele hatten darauf gehofft, dass die EBU einen Plan B aus dem Köcher ziehen würde. Mehrere Varianten wurden diskutiert:

  • Verschiebung des Wettbewerbs
  • Veranstaltung unter Ausschluss des Publikums
  • Live-Schaltungen in alle Teilnehmerländer
  • Video-Contest ohne Live-Beiträge

Keine der Alternativen tragbar

Doch keine der Möglichkeiten erwies sich aus Sicht der Referenzgruppe als tragbar. Eine Verschiebung hätte zu erheblichen Terminproblemen geführt - auch für die Ausrichtung im kommenden Jahr. Unklar war auch, ob die Situation in einem anderen Monat besser gewesen wäre. Eine Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit hätte bedeutet, dass Teilnehmer trotzdem nach Rotterdam hätten reisen müssen. Von der Gefahr für die Interpreten abgesehen, hätten vermutlich viele Teilnehmer abgesagt. Eine Live-Schaltung in einzelne Länder hätte bedeutet, dass jeder Sender vor Ort ein Studio hätte bereitstellen müssen. Unklar wäre auch gewesen, wie kontrolliert werden soll, dass der Gesang live erfolgt, um Chancengleichheit herzustellen.

Die letzte Variante, eine Darbietung nur aus den vorhandenen Videobeiträgen der gemeldeten Interpreten, wäre eine Konserve gewesen - und hätte dem Live-Charakter des Events widersprochen. Allerdings wird offenbar die Möglichkeit ausgelotet, die Videos zumindest zu zeigen. "Ob es ein europaweites Angebot der EBU für alle 41 Länder, die in diesem Jahr am ESC teilgenommen hätten, geben kann oder ob das Erste einen Eurovisions-Abend zeigen wird, teilen wir so schnell wie möglich mit", sagte Thomas Schreiber, der bei der ARD für den ESC zuständig ist.

Bitter ist die Absage nicht nur für Fans und die Gastgeberstadt Rotterdam, sondern auch für die Interpreten der einzelnen Länder. Es ist unwahrscheinlich, dass sie im kommenden Jahr mit dem für 2020 ausgewählten Song antreten dürfen. Das würde den Regularien des ESC widersprechen, denn der Song darf erst wenige Monate vor dem ESC veröffentlicht worden sein. Außerdem ist fraglich, ob Künstler 2021 mit einem alten Lied auf der Bühne stehen wollen.

Lena Meyer-Landrut bei "Markus Lanz"

Thomas Schreiber hält Entscheidung für richtig

"Es ist leider die einzig richtige Entscheidung. So enttäuschend es für alle Beteiligten ist", sagte Thomas Schreiber, der bei der ARD für den Eurovision Song Contest zuständig ist. Für Deutschland sollte Ben Dolic mit "Violent Thing" an den Start gehen. Bei den Buchmachern war er unter den Top Ten gewettet worden. Wie er abgeschnitten hätte, werden wir nie erfahren.

Einzig für Gastgeber Rotterdam gibt es Hoffnung. Die EBU ist in Gesprächen mit der Stadt, den ESC dort im kommenden Jahr auszutragen. Dann hoffentlich ohne Coronakrise.


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