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Kaum noch Sexszenen: "Game of Thrones": Vom Fantasy-Porno zum Kriegsspektakel

Drachen statt Brüste: In der Fantasyserie "Game of Thrones" bekommt man nur noch selten nackte Haut zu sehen. Der Puls schnellt längst bei anderen Szenen in die Höhe, wie eine Untersuchung zeigt.

Neue Folgen von "Game of Thrones" will der Sender HBO möglichst lange geheim halten

Achtung: Dieser Text enthält Spoiler für sämtliche Staffeln von "Game of Thrones", inklusive der aktuellen, siebten Staffel. Wer lieber nicht wissen will, wie es weitergeht, sollte nun aufhören zu lesen.

Intrigen, Drachen und viel nackte Haut: Das war lange Zeit das Erfolgsrezept der Fantasy-Serie "Game of Thrones". Vor allem die männlichen Zuschauer wurden mit der sogenannten "Sexposition" bei der Stange gehalten: Das Kunstwort aus "Sex" und "Exposition" (Erklärung) kam in den ersten Staffeln immer dann zum Einsatz, wenn die verworrenen Ränkeleien der Familien zur Sprache kamen oder die Geschichte des Quasi-Mittelalter-Kontinents beleuchtet wurde. Weil die Produzenten Angst hatten, die Zuschauer während dieser komplizierten Dialoge zu verlieren, garnierte man die Szenen mit ein paar nackten Frauen im Hintergrund. Auffällig oft trafen sich die Figuren im Bordell, ständig räkelten sich Prostituierte in den Laken. Das war billig, erfüllte aus Sicht des Studios aber seinen Zweck.

Ganz anders läuft es dagegen in der aktuell siebten Staffel: An Intrigen mangelt es immer noch nicht, und die Drachen sind mittlerweile erfreulich groß geworden. Nur nackte Haut bekommt man immer seltener zu Gesicht. Stattdessen sind die Körper nun großflächig mit Tuniken, Lederrüstungen und Fellen bedeckt. Sexszenen gibt es nur noch, wenn sie die Story vorantreiben (etwa das letzte Techtelmechtel zwischen Jaime und Cersei Lannister) - und diese sind deutlich zurückhaltender inszeniert.

Drachen statt Brüste

Dieser Paradigmenwechsel hat zwei Gründe: Frauen, anfangs als hübsche Begleiterinnen mächtiger Männer eingeführt, lenken mittlerweile die Geschicke der Fantasy-Welt Westeros. Sie haben es nach ganz oben geschafft und müssen ihre Reize nicht mehr offen zur Schau stellen. Stattdessen bekämpfen sie sich gegenseitig. Und gehen dabei nicht weniger zimperlich vor als die einst stolzen Männer, die nun nur noch die zweite Geige spielen und in die Rolle der Berater degradiert wurden.

"Ich habe meinen Mann getötet, weil es sich gut anfühlte. Ich ficke meinen Bruder, weil es sich gut anfühlt, wenn er in mich eindringt", erklärte Cersei der Nonne Septa Unella am Ende der vergangenen Staffel - nur um sie dann zur Strafe brutal vergewaltigen zu lassen. Nun verkommen die Männer zum Werkzeug.

Statt mit nackter Haut ziehen die Produzenten nun die Blicke mit Action-Sequenzen in Blockbuster-Qualität auf sich. Die Schlacht der Bastarde in der sechsten Staffel war wohl eine der am spektakulärsten inszenierten Schlachten der TV-Geschichte. Die Animation der flugzeuggroßen Drachen kostet ein Vermögen, die Seeschlachten lassen jeden Piratenfilm alt aussehen. Wie viel Aufwand hinter den Schlachten steckt, zeigt etwa dieses Making-of der vierten Episode der siebten Staffel.

Bei diesen Szenen fiebern die GoT-Fans mit

Doch längst fiebern die Fans auch bei ruhigeren Szenen mit. In einer Studie wurden die Herzfrequenzen der "Game of Thrones"-Zuschauer mit Hilfe einer Apple Watch analysiert. Die Top 5 für die ersten vier Episoden der siebten Staffel:

  • Platz 5: Daenerys nimmt Varys in die Mangel
  • Platz 4: Euron Greyjoy hält um Cerseis' Hand an
  • platz 3: Jon und Davos bitten Daenerys um Hilfe
  • Platz 2: Arya nimmt Rache am Haus Frey
  • Platz 1: Jaime Lannister attackiert Daenerys und ihren Drachen

Die Studie zeigt, dass nur eine Kampfszene bei den größten Mitfieber-Momenten landet. Der wahre Motor der Serie sind also Intrigen und Fehden. Insofern scheint die Taktik der "Game of Thrones"-Macher aufgegangen zu sein.