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Momente der TV-Geschichte "Wir müssen die Kirche im Dorf lassen": Gerhard Schröders krawalliger Auftritt am Wahlabend

Bundeskanzler Gerhard Schröder
Bundeskanzler Gerhard Schröder am Abend der Bundestagswahl 2005 in der Elefantenrunde.
© Jens Büttner Pool/ / Picture Alliance
Seit 1969 treten nach jeder Bundestagswahl die Spitzenpolitiker der Parteien im Fernsehen zusammen. Die "Elefantenrunde" 2005 ging in die Geschichte ein - dank einer skurrilen Performance von Kanzler Gerhard Schröder.

Eigentlich hätte man von Gerhard Schröder einen demütigen Auftritt erwartet. Soeben war er nach sieben Jahren als Regierungschef abgewählt worden. Doch der amtierende Bundeskanzler trat nicht auf wie ein Verlierer, als er das Fernsehstudio betrat, in dem die Elefantenrunde stattfand. Im Gegenteil: Er polterte drauflos, als habe das reale Wahlergebnis für ihn gar keine Bedeutung.

Schröder warf den beiden TV-Journalisten Nikolaus Brender und Hartmann von der Tann vor, eine Kampagne gegen ihn gefahren zu haben, und weigerte sich, den - wenngleich hauchdünnen - Wahlsieg Angela Merkels anzuerkennen: "Ihr intellektuelles Problem in allen Ehren" - das war seine Antwort auf die Frage, wie er denn ohne Mehrheit eine Regierung bilden wolle.

Mit Blick auf eine mögliche Kanzlerschaft Angela Merkels sagte er: "Wir müssen die Kirche doch mal im Dorf lassen." Die Deutschen hätten in der Kandidatenfrage eindeutig votiert, erzählte der Wahlverlierer der staunenden Runde und prognostizierte: "Ich führe Gespräche, und ich sage Ihnen heute voraus, die werden erfolgreich sein."

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Dass er mit dieser Vorhersage nicht recht behalten sollte, war in dem Moment jedem klar. Doch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel war nicht in der Lage, sich dem polternden Schröder entgegenzustellen - zu konsterniert war sie über ihr enttäuschendes Wahlergebnis, das weit unter den Prognosen lag. So blieb es dem FDP-Chef Guido Westerwelle vorbehalten, auszusprechen, was viele dachten: "Das ist ja auch eine schwere Stunde für Sie", sagte er in Richtung Schröder. "So gekünstelt, wie Sie hier mittlerweile Ihren Triumph feiern, das ist ja nicht mehr ernst zu nehmen." Und setzte noch einen drauf: "Ich weiß nicht, was Sie hier vor der Sendung gemacht haben."

Gerhard Schröder räumt Fehler ein

Im Nachhinein musste Schröder kleinlaut einräumen, mit seinem Auftritt übers Ziel hinausgeschossen zu sein. "Du warst etwas krawallig" habe seine Frau nach der Elefantenrunde zu ihm gesagt, gestand der Altkanzler später. Gemeinsam habe man überlegt, wie man das Gepolter für die Öffentlichkeit besser verpacken könnte und sich schließlich auf den Begriff "suboptimal" geeinigt.

Ziemlich optimal verlief dagegen die weitere Karriere seiner Kontrahentin Angela Merkel. Schröders Attacken auf sie hatten zur Folge, dass die CDU die angeschlagene Parteichefin stützte und zur Kanzlerin machte. Seit 15 Jahren regiert sie nun unangefochten - mehr als doppelt so lang wie ihr Vorgänger.


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