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Momente der TV-Geschichte "Sofort, unverzüglich": Ein einziger Satz bringt die Mauer zum Einsturz

Günther Schabowski verkündet die neuen Reiseregelungen
Das DDR-Fernsehen informierte in der "Aktuellen Kamera" am Abend des 9. November 1989 um 19.30 Uhr über die neuen Reiseregelungen. Zuvor hatte SED-Politbüromitglied Günter Schabowski (Mitte) auf einer Pressekonferenz die sensationelle Nachricht verkündet, dass alle Grenzen zur Bundesrepublik Deutschland und nach West-Berlin ab sofort für DDR-Bürger geöffnet werden.
© DB/ / Picture Alliance
Eine unbedachte Äußerung auf einer Pressekonferenz bringt 1989 die Mauer zum Einsturz - und macht Günther Schabowski weltberühmt.

Der 9. November 1989 ist ein historisches Datum. Ein Tag, der die Weltgeschichte, aber ganz sicher auch die deutsche Geschichte verändert hat. Denn an jenem Donnerstag fiel der Eiserne Vorhang, der mehr als 28 Jahre die Stadt Berlin teilte - und der gleichzeitig wie ein Riss durch das Land und durch ganz Europa ging. 

Doch im 40. Jahr ihres Bestehens war die DDR so morsch geworden, dass ein einziger Satz ausreichte, um die Mauer und damit den ganzen Staat zum Einsturz zu bringen. Es war Günther Schabowski, zu der Zeit so etwas wie der Regierungssprecher der DDR, der das Ende herbeiführte. 

Der damals 60-Jährige stellte an jenem 9. November die neuen Reiseregelungen vor, die das Politbüro erlassen hatte. Sie sollten jedem Bürger ermöglichen, über DDR-Grenzübergänge in den Westen zu gehen - damit Ausreisewillige nicht weiterhin über befreundete Drittländer wie die Tschechoslowakei oder Ungarn flüchten. Eigentlich sollten diese Regelungen erst ab dem folgenden Tag gelten. Doch auf die Nachfrage eines Journalisten, wann das Gesetz in Kraft trete, folgten die heute berühmten Worte: "Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich."

Damit war das Ende der DDR besiegelt. Denn die Pressekonferenz wurde live im DDR-Fernsehen übertragen - so verbreitete sich die Nachricht von der Grenzöffnung wie ein Lauffeuer. Noch am selben Abend strömten tausende DDR-Bürger an die Grenze zu West-Berlin -  was die Grenzbeamten sichtlich überforderte. Sie hielten dem Druck nicht lange Stand. Gegen 21.20 Uhr passierten die ersten Ostdeutschen den Grenzübergang Bornholmer Straße. Die Mauer war gefallen. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Die ging für Günther Schabowski nicht gut aus. 1997 wurde er vom Berliner Landgericht für den Schießbefehl an der Mauer mitverantwortlich gemacht und wegen Totschlags zu drei Jahren Haft verurteilt. Am 1. November 2015 starb er nach langer Krankheit im Alter von 86 Jahren.

Der 9. November 1989 allerdings hat ihn unsterblich gemacht: Tonaufnahmen der Pressekonferenz gehören mittlerweile sogar zum Weltdokumentenerbe der Unesco.


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