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Momente der TV-Geschichte "Schminken Sie sich doch den Bart ab": Franz Josef Strauß poltert in der Elefantenrunde

Franz Josef Strauß
Franz Josef Strauß am 25. Januar 1987 - am Abend der Bundestagswahl live im TV.
© Youtube
Die Sendezeit war bereits abgelaufen, da tauchte CSU-Chef Franz Josef Strauß am Wahlabend 1987 doch noch im Studio auf - und lieferte eine denkwürdigen Auftritt ab.

Es ist der Abend des 25. Januar 1987. Bei der gerade zu Ende gegangenen Bundestagswahl ist Bundeskanzler Helmut Kohl und seine Regierungskoalition im Amt bestätigt worden. Doch rechte Jubelstimmung will bei den Unionsparteien nicht aufkommen, denn trotz des klaren Sieges ist die CDU/CSU mit einem Minus von 4,5 Prozent der Wahlverlierer des Abends. 

In der sogenannten Elefantenrunde sitzen die Parteivorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien: Helmut Kohl (CDU), Willy Brandt (SPD), Martin Bangemann (FDP) sowie Lukas Beckmann (Grüne) und bewerten das Wählervotum. Eigentlich soll aus Bayern noch CSU-Chef Franz Josef Strauß zugeschaltet werden. Doch der lässt sich bitten. Erst als die Sendezeit schon fast vorbei war, taucht Strauß doch noch auf dem Bildschirm auf. 

Der hat offenbar vorher schon einiges getankt. Im Gespräch mit dem in München anwesenden Reporter weist er Artikulationsprobleme auf: Die Zustimmung zur CSU in Bayern sei "sseehn Prozent höher" als zur Politik der Regierungskoalition. In Bonn wartet derweil Moderator Martin Schulze auf seine Gelegenheit, dem bayerischen Ministerpräsidenten ebenfalls Fragen stellen zu können. 

Franz Josef Strauß reagiert ungehalten

Als Schulz endlich zum Zuge kommt, verzettelt er sich in einer umständlichen Einleitung - sehr zum Missfallen von Strauß. "Ersparen Sie sich die Vorrede", bellt der CSU-Chef dazwischen. Damit ist der Ton gesetzt für den nachfolgenden Schlagabtausch.

Gleich bei der ersten Frage kracht es: Ob er gerne dem nächsten Kabinett angehören würde, will Schulz von dem Ministerpräsidenten wissen. "Meine Güte. Schminken Sie sich doch den Bart ab", fährt ihn Strauß an. Und schimpft sich in Rage über die "dumme Frage“, "beinahe unwürdig, angesichts der Probleme, um die es geht."

Der Schlagabtausch geht weiter. "Wenn wir schon die Freude haben, Sie begrüßen zu dürfen“, leitet Schulz seine nächste Frage ein. "Beruht auf Gegenseitigkeit", kontert Strauß unter großem Gelächter der Anwesenden in München. Je länger das Gespräch dauert, desto einsilbiger wird Strauß, der klagt, seine Partei sei für "gewisse Ungereimtheiten der Bonner Politik haftbar gemacht worden. 

"Was ist daraus für eine Konsequenz zu ziehen?"
"Sie können sich verlassen darauf, dass ich die ziehe."
"Welche?"
"Ja…"
"Kann es eine lange Regierungsbildung werden in Bonn?"
"Das weiß ich nicht. Das ist ja nicht meine Angelegenheit."
"Aber Sie werden sich an den Koalitionsverhandlungen auch persönlich beteiligen?"
"Das Gegenteil wär mir völlig neu."

Schulz merkt, dass er aus dem offenbar angeheiterten CSU-Politiker nichts Sinnvolles mehr rausholt, und da die Zeit ohnehin schon überschritten ist, bricht er das Gespräch an dieser Stelle ab.

"Ich höre mit Vergnügen, dass Ihre Äußerungen dort in München mit Beifall bedacht werden", beschließt Schulz den Abend und sagt mit Blick auf seine Studiogäste: "Auch hier herrscht nicht gerade Unglück in den Gesichtern der Zuhörer." Das dürfte sicherlich auch für viele Fernsehzuschauer gegolten haben, die den Schlagabtausch an diesem Abend live verfolgt haben.


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