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"Germany's next Topmodel"-Entscheidung Supersexy, supercool - superöde


Eine Österreicherin ist "Germany's next Topmodel": Alisar Ailabouni konnte sich im Finale das Krönchen schnappen. Die große Live-Show von Heidi Klums Modelsuche geriet jedoch einmal mehr zum Desaster.
Von Katharina Miklis

Eigentlich kann sie einem richtig leid tun. Heidi Klum steht live beim Finale von "Germany's next Topmodel" auf der Bühne und ringt nach Worten. Ihre Stimme ist fiepsig. Der Wortschatz beschränkt. Superlative schmeißt sie um sich wie Kamelle. Wahnsinn! Super! Hammer! Schon in den letzten Jahren geriet Klum bei der Moderation des Finales zu einer Karikatur ihrer selbst. Am Donnerstagabend setzte sie jedoch nicht nur dem neuen "Topmodel" Alisar Ailabouni, sondern auch ihrer katastrophalen Moderations-Karriere das Krönchen auf. Es ist das Finale der fünften "GNTM"-Staffel. Live in der Lanxess Arena in Köln. Und Heidi bekommt keinen geraden Satz heraus. Mit verzerrtem Grinsegesicht und im Leoparden-Kleidchen steht sie auf dem Laufsteg. "Juhuuu, ist das crazy hier mit den ganzen Leuten", kreischt sie überfordert. Dass 15.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena beim Finale von "Germany's next Topmodel" dabei sind, wird im Laufe der Show unzählige Male wiederholt. Aber auch Klums Jury-Kollegen Qualid "Q" Ladraa und Kristian Schuller fehlen auf unangenehme Weise die Worte. "Es ist ein Traum zu sehen, wie die Mädchen hier geliebt werden", stottert sich Fotograf Schuller ab. "Das Casting war ein Traum. Die Mädchen sind ein Traum".

Immerhin Laufstegtrainer Jorge Gonzalez, die kubanische Version eines Bruce Darnell, kann den müden Haufen mit seinem High-Heel-Auftritt ein wenig aufmischen. Quälende Moderationspausen und Verhaspler ziehen sich durch die Show. Für die kurzen Moderations-Schnipsel bei den Casting-Folgen mag Heidis Sprachtalent reichen. Auf der Live-Bühne ist es eine Katastrophe. Keine Schadenfreude. Mitleid hat man mit dem schönen Supermodel, das sich so sehr bemüht. Fast freut man sich über die erste Werbepause, die schon nach etwas mehr als zehn Minuten von den Qualen befreit.

Finalistinnnen wie immer schwarz, rot, blond

Aber zum Glück geht es ja nicht um "Germany's next Moderationstalent" sondern um Deutschlands neues "Topmodel". Nach dem ersten Werbeblock bittet Heidi die drei Finalistinnen Alisar Ailabouni, Hanna Bohnekamp und Laura Weyel zum ersten Live-Walk. Die drei Kandidatinnen haben sich neben 23.245 Mitbewerberinnen durchgesetzt. Sie sehen den Gewinnerinnen der letzten Jahre überraschend ähnlich: schwarz, rot, blond. Als würde man bei GNTM einem immergleichen Muster folgen.

"Sie werden supercool sein, supersexy und werden es supermeistern." Bei Heidi ist an diesem Abend alles super. In bunten Glitzerminis schreiten die drei Finalistinnen über den Catwalk. Mit dem glamourösen Auftritt im letzten Jahr, als Sara Nuru gewann, hat das allerdings nichts zu tun. Verglichen mit den Kandidatinnen der vergangenen Staffeln wirkt alles steif und verklemmt. Scheinbar hat jemand den Mädchen gesagt, sie sollen am Ende des Laufstegs aus sich heraus kommen und feiern. Krampfig reißen sie ihre Arme hoch. "Habt Spaß! Habt Spaß!", muss Heidi Klum immer wieder erinnern. "Ihr seid superschön. Ich weiß, der Boden ist superglatt. Aber wir haben super viel Spaß." Super viel Spaß haben die TV-Zuschauer sicher nicht. Neben dem sinnentleerten Geplänkel der Juroren (Q: "Die Mädchen sind total genial, total der Hammer") gibt es etliche Rückblenden, Best-Ofs, Slowmotions, Eigenlob. Zwischendurch ein Blick hinter die Bühne. Zwei Ex-Kandidatinnen stöbern rein zufällig in einem Topmodel-Magazin. Backstage-Reporterin Charlotte Engelhardt: "Ach, das kann man ja jetzt überall kaufen." So wie die "Topmodel"-DVD. Und die "Topmodel"-CD. Und natürlich das "Topmodel"-Buch von Fotograf Kristian Schuller.

Zäh wie Kaugummi

Die Live-Show ist platt, langweilig und ohne Spannung. Der Auftritt von Sängerin Kylie Minogue ist das einzige Professionelle an diesem Abend, der sich wie zuckerfreier Kaugummi zäh in die Länge zieht. Nach der vierten Werbeunterbrechung fliegt die 23-jährige Düsseldorferin Laura Weyel mit den raspelkurzen Haaren raus. Die Freude bei den Kandidatinnen hinter der Bühne ist riesig. Laura war vielen zu ehrgeizig, da wird man schnell als Zicke abgestempelt. Zwei Werbepausen später kommt es dann nach dem Auftritt von Katy Perry endlich zur Verkündung der Siegerin. Heidi Klum zieht das große Finale natürlich in die Länge. Wirklich spannend ist es jedoch nicht. Die 21-jährige Österreicherin Alisar Ailabouni wurde bereits in den letzten Wochen als Favoritin gehandelt und auch während der Show von der Jury auffallend oft gelobt. Und das obwohl die gebürtige Syrerin auch im Finale ihre Schüchternheit einfach nicht ablegen kann.

Als das Foto der dunklen Schönheit nach 23 Uhr auf dem "Cosmopolitan"-Cover erscheint, hat selbst Hanna, die rothaarige Zweitplatzierte und "Shooting-Heulsuse" (Klum), keine Tränen mehr. Irgendwie scheinen alle erleichtert, dass jetzt alles vorbei ist. Klum ist "superstolz" und "superglücklich". Alisar indes kann sich über Kampagnen im Wert von 400.000 Euro freuen. Und natürlich den "Topmodel"-Titel, der ihren Vorgängerinnen allerdings nicht allzu viel gebracht hat. Aber vielleicht schafft es die hübsche Österreicherin. Immerhin weiß sie, warum sie das Zeug zum Model hat: "Weil ich ganz viel lernfähig bin."


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