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Meinung

"Germany's next Topmodel": Altbacken und unangemessen: Dieses Shooting war ein Desaster

Heidi Klum lässt ihre Kandidatinnen nackt für einen Charity-Kalender posieren. Das ist unangebracht und geschmacklos. Im Jahr 2020 sollte es intelligentere Wege geben als die alte Losung "Sex sells".

"Germany's next Topmodel"

Die GNTM-Kandidatinnen posieren nackt für einen Kalender

ProSieben

Die Idee hinter dem Projekt ist lobenswert, die Umsetzung dagegen ein Desaster: In der zwölften Folge der ProSieben-Show "Germany's next Topmodel" mussten die Top-Ten-Kandidatinnen für einen Kalender posieren. "Die Mädchen shooten in einem Meer aus Luftballons. Jede Farbe steht für einen Kalendermonat und jedes Mädchen verkörpert einen Monat", so erklärte Heidi Klum die Aufgabe. Die Einnahmen aus dem Verkauf des Kalenders sollen an die amfAR-Foundation gehen, die sich in der Aids-Forschung engagiert. So weit, so gut.

Was Klum nicht sagte: Die Kandidatinnen müssen dafür komplett nackt posieren. Dabei hat selbst der legendäre Pirelli-Kalender nach Jahrzehnten hüllenloser Models erkannt, dass Frauen nicht zum Sexobjekt degradiert gehören und auch auf andere Art und Weise Interesse geweckt werden kann.

GNTM: Nacktshooting mit Luftballons

Aber Heidi Klum lässt ihre Kandidatinnen splitternackt zwischen Luftballons sitzen und liegen - Ballons, die platzen können. Dabei sind sie der einzige Gegenstand, den die Kandidatinnen zum Schutz ihrer Intimsphäre haben. Ja, bei "Germany's next Topmodel" werden bei Nacktshootings die intimsten Stellen gepixelt und sind im Fernsehen nicht zu sehen. Nackt sind die Kandidatinnen trotzdem. Vor Heidi Klum, die Brustwarzen-Piercings anspricht, vor den Mitarbeitern des Teams und vor dem Fotografen, der die Mädchen mit den Worten "Weg mit den Bademänteln" zum Ausziehen auffordert.

MeToo im Jahr 2020! Und das, nachdem es zahlreiche Berichte von Models gab, die schilderten sich bei Shootings wie ein Stück Fleisch auf dem Wochenmarkt gefühlt zu haben: ausgestellt, begafft, bewertet. Vor wenigen Monaten unterzeichneten mehr als 100 Models einen offenen Brief an die Chefs der Dessousmarke "Victoria's Secret", in dem sie eine Kultur der Frauenfeindlichkeit, Tyrannei und Belästigung bei dem Label anprangerten.

Heidi Klum spielt mit den Träumen junger Frauen

Es ist auch eine Form von Missbrauch, was Heidi Klum betreibt. Sie spielt mit den Träumen der jungen Frauen: Zieh dich aus, dann darfst du mit mir zur amfAR-Gala kommen. "Jeder von uns will mit auf die amfAR-Gala", sagt Anastasia. "AmfAR ist das größte, was du hier mitnehmen kannst", findet Larissa. "AmfAR ist eine Bestätigung, dass dich Heidi mag", glaubt Tamara. Und Jacky kommen vor Rührung glatt die Tränen, weil sie glaubt, mit dem Kalender Menschen helfen zu können.

Das ehemalige Victoria-Secret-Model bringt heute 15 Kilo mehr auf die Waage

Klums Botschaft, dass bei dem Shooting die Persönlichkeiten der einzelnen Kandidatinnen zur Geltung kommen sollen, geht komplett verloren. Stattdessen nur nackte Hintern, entblößte Brüste und gespreizte Beine. Das ist unangebracht, geschmacklos und zeigt, dass sich das Format "Germany's next Topmodel" seit seiner Erstausstrahlung im Jahr 2006 kaum weiterentwickelt hat. Im Jahr 2020 sollte es intelligentere Wege geben, einen Kalender für den guten Zweck zu produzieren als über die alte Losung "Sex sells".