HOME

Stern Logo Germany's Next Topmodel

Meinung

Krabbeltiere und Stolperfallen : Hauptsache, die GNTM-Kandidatinnen stellen sich bloß: Muss das denn wirklich alles sein?

Bei "Germany's next Topmodel" werden Entertainer gesucht. Das hat Heidi Klum in Folge sechs noch einmal deutlich gemacht. Es geht aber vor allem darum, die jungen Mädchen bei der Suche danach bloßzustellen – alles für eine vermeintlich gute Show. 

GNTM 2020: Die Kandidatinnen mussten mit Insekten auf dem Kopf posieren

Die GNTM-Kandidatinnen mussten in der sechsten Folge mit Vogelspinnen, Kakerlaken und Skorpionen auf dem Kopf posieren

ProSieben

Um es noch mal klarzustellen: Die Sendung heißt "Germany's next Topmodel" und nicht "Germany's next Entertainer". Dass aber eher nach Letzterem gesucht wird, hat Heidi Klum in der vergangenen Folge der Castingshow noch einmal deutlich gemacht: "Am Ende sind wir alle Entertainer", sagte die 46-Jährige. Die Kandidatinnen sollten damit daran erinnert werden: The show must go on. Immer und jederzeit. 

Und zwar auch, wenn die Teilnehmerinnen eigentlich wahnsinnige Angst vor dem hatten, was auf sie wartete: Spinnen und andere fiese Krabbeltiere nämlich. Die sollten Heidis "Meeedchen" fürs anstehende Beauty-Shooting ins Gesicht und auf den Kopf gesetzt werden. Warum? Weil klar war, dass sich manche Model-Anwärterinnen so richtig ekeln werden und schön in die Kamera weinen. Alles für eine gute Show, wie gesagt. Dass man ein gutes Model ist, wenn man eine Spinne im Gesicht erträgt, ist völlig absurd. Ebenso ist es absurd, die jungen Frauen grundlos zu quälen. Sie hatten sich ja eigentlich nicht fürs Dschungelcamp beworben, sondern wollen Karriere als Model machen. Und da gibt es im deutschen Fernsehen nur diese eine Adresse. Heißt das aber auch, dass man dann jeden Quatsch mitmachen muss, nur weil es "Modelmama" Heidi Klum so will? Auch wenn das völlig ohne Sinn und Verstand ist?

Heidi Klum lässt die Kandidatinnen doof dastehen

Nun mag man sich denken: Es ist eine Unterhaltungsshow und soll die Zuschauer bespaßen. Und: Die Mädels haben sich selbst beworben. Das ist wohl wahr. Aber muss man trotzdem mit den Ängsten junger Frauen spielen und sie dann auch noch über einen waghalsigen Laufsteg schicken, bei dem sie sich womöglich noch ernsthaft verletzen können? "Der härteste Laufsteg aller Zeiten", wie Heidi Klum so schön sagte. Dass sie auf dem Zickzack-Runway inklusive Treppe, Popcorn-, Glas- und Kiesbelag fallen würden, war vorprogrammiert. Dass die Zuschauer etwas zu lachen hatten auch. Aber das auf Kosten von Mädchen zu machen, die sich eine Karriere als Model erträumen, muss doch wirklich nicht sein. 

GNTM: Catwalk-Probleme in Folge 1

Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, lässt Heidi Klum die Kandidatinnen noch schlechter dastehen: Sie zeigt ihrem Gastjuroren, dem Designer Peter Dundas, der ganz nebenbei auch schon Beyoncé und die Kardashians eingekleidet hat, wie es richtig geht. Souverän stöckelt sie in High Heels über Popcorn, Glas und Kies und zeigt, was für ein tolles Topmodel sie doch ist. Mit ihrer Aktion lässt sie ihre Mädchen aber noch schlechter dastehen und gibt zu verstehen, dass es doch wirklich nicht so schwer sei, über den Laufsteg zu stolzieren. Dass sie aber schon jahrelange Erfahrung in dem Business hat und ihre Kandidatinnen noch ganz neu in der Branche sind, hat sie wohl nicht bedacht. Egal. Hauptsache sie steht gut da und die GNTM-Teilnehmerinnen werden blamiert. 

GNTM-Kandidatin Sarah S. bietet Heidi Klum Paroli

Insgesamt hat die vergangene Folge mal wieder gezeigt, dass sich die Verantwortlichen alles Mögliche einfallen lassen, um die Mädchen in unangenehme Situationen zu bringen, ihnen Emotionen herauszukitzeln, sie zu blamieren oder auf andere Art und Weise die Zuschauer zu bespaßen. Wirklich spannend macht es das Ganze aber nicht mehr. Und da half auch kein Laufsteg-Trainer, der den jungen Frauen noch erklärte "weniger Bitch, mehr Sonnenblume" zu sein. 

Die Kandidatinnen aber machten trotzdem fleißig das, was Heidi Klum ihnen auftrug – nur, um dann festzustellen, dass doch irgendwas zur Karriere als Model, äh, Entertainer, fehlt. Am Ende von Folge sechs mussten Cassandra, Marie, Pinar und Sarah S. ihre Koffer packen. Und Letztere musste sich von der Chef-Jurorin zu allem Überfluss auch noch anhören: "Es hat wehgetan beim Zugucken." Doch am Ende durfte dann auch Heidi Klum endlich mal einstecken und bekam die passende Antwort: "Hat auch wehgetan, dabei zu sein."

Quellen: "Germany's next Topmodel" auf Prosieben / Instagram Heidi Klum