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"GNTM"-Finale: Germany's next Gähnmodel

In der Finalshow wurde haarklein das Debakel von Mannheim rekonstruiert. Der Sieg von Vanessa geriet da fast zur Nebensache. Das lag aber auch an der Gewinnerin selbst.

Von Mark Stöhr

Vanessa aus Bergisch Gladbach gewann das Finale von Germany's next Topmodel.

Vanessa aus Bergisch Gladbach gewann das Finale von Germany's next Topmodel.

Eine Sache muss jetzt ein für alle Mal geklärt werden. Alle mal herhören. Das kann man übrigens auch gerne den Kollegen in der Kantine weitererzählen. Heidi Klum hat vor zwei Wochen die Halle in Mannheim nicht schreiend verlassen. Zum Mitschreiben: nicht. Also geschrien hat sie schon. Aber wegen ihrer Mutter. Genau genommen hat sie ihre Mutter angeschrien. Der fiel nämlich draußen ein, dass drinnen noch ihre Tasche war. Sie also wieder zurück zur Halle, zumindest pitchte sie ihrer Tochter gegenüber die Idee einer Rückkehr. Und die fing an zu schreien.

Was genau sie schrie, ist leider nicht überliefert, aber sehr wahrscheinlich enthielt der emotionale Ausbruch die Versatzstücke "alte Kuh", "verkalkt wie Papa", "Natürlich kenne ich Louis Vuitton", "Ich kauf' dir zehn neue" und "Ja, morgen". So war das. Heidi Klum war es wichtig, das klarzustellen. Es machte fast den Anschein, als hätte es die Show gestern nur für diese Klarstellung gegeben: Dass sie, die immer perfekt Polierte und Panierte, auch in einer so potentiell bedrohlichen Situation wie der einer Bombendrohung die Kontrolle behält.

Überhaupt war dieses "finale Finale", wie es genannt wurde, mehr ein Making-of Mannheim als ein Making of Germany's next Topmodel. Die drei Finalistinnen latschten ein paar Runden durch geradezu aufreizend schläfrige Choreografien und wurden dabei von 150 Freunden und Familienmitgliedern beklatscht. Ein echtes Anti-Spektakel war das. Mit einer Stimmung wie in einer Aula bei der Verleihung der Abiturzeugnisse.

Die Chronologie der Krönung ist schnell erzählt. Erst wurde Ajsa hinauskomplimentiert ("Ist egal. Wolfgang Joop hat mir seine Handynummer gegeben"). Dann zog Anuthida den Kürzeren (Joop: "Du brichst alle Herzen im Saal, ich habe es knacken hören"), was wenigstens noch einen Mini-Hauch unerwartet war. Vanessa, die Siegerin, schließlich bekam zur Belohnung eine Papierschnipsel-Dusche und 100.000 Euro in bar. Das entsprach ungefähr dem Betrag, den es gekostet haben muss, die ganze Bagage nebst Anhang nach New York zu verfrachten.

New York war eine Flucht in den Glamour und die Dynamik einer Weltmetropole nach dem Debakel im engen, grauen Provinzloch Mannheim. Fragt sich nur, warum die Show so dermaßen lahm und bieder inszeniert war, dass sie genauso gut in einer Turnhalle in Ludwigshafen hätte stattfinden können. Und warum in Manhattan die meiste Zeit von Mannheim die Rede war. Haarklein und mit viel Drama wurden die Ereignisse noch einmal aufgerollt – mit ganz und gar verblüffenden Augenzeugenberichten der Hauptakteure.

Straightes Powerpaket mit Hang zur Pornomimik

Anuthida sagte: "Erst war ich ganz normal drauf." Ajsa sagte: "Das war ganz komisch." Und Vanessa sagte: "Ich war kreidebleich." Wolfgang Joop klagte, dass er nach der Evakuierung sein Handy nicht benutzen durfte, weil man es sonst hätte orten können. Wer wusste schon, was genau vor sich ging? Und für Heidi Klum war alles ein "riesengroßer Schock". Aber sie ist nicht schreiend aus der Arena gerannt. So ging das eine sehr, sehr lange Weile.

Richtiggehend skurril wurde es, als zwischendurch Aufnahmen von der Generalprobe gezeigt wurden. Nach dem Motto: So hätte es sein können. Und: Das hat uns dieser Bombendroher versaut. Da räkelten sich die letzten neun "GNTM"-Gewinnerinnen mit der Klum auf dem Sofa und übten Smalltalk ("Ist es cool, wieder hier zu sein?"). Da marschierten die Top 20-Kandidatinnen der letzten Staffel den Catwalk entlang, was ihnen in der Liveshow ja dann verehrt blieb. Und Lena trällerte ein Stück aus ihrem neuen Album. Das alles vor leeren Zuschauerrängen, was wenigstens noch ganz gut mit den kümmerlichen Claqueuren in der New Yorker Finalaufzeichnung korrespondierte

Joop verabschiedet sich mit kruder Theorie

Mit Vanessa gewann die "Kämpferin" (Thomas Hajo). Ajsa entsprach für ein Model von Klums Gnaden zu wenig dem Massengeschmack. Anouthida war noch zu jung und zu zerbrechlich. Blieb als Siegerin also eigentlich nur die überehrgeizige, 19-jährige Bergisch Gladbacherin, die in ihren Selbstbeschreibungen mindestens einmal zu häufig hervorhob, dass sie wahlweise "immer alles" oder "immer 100 Prozent" gegeben habe.

Vanessa ist hübsch, aber nicht besonders schön. Ein straightes Powerpaket mit dem Hang zur Pornomimik, das aber immerhin die Gunst von Wolfgang Joop auf seiner Seite hat. Der verabschiedete sich mit einer typisch kruden Joop-Theorie wieder in seine eigene Welt: Im Grundwasser von Bergisch Gladbach müsse ein "Miracle" wohnen, das Frauen wie Vanessa und Heidi hervorbringe. Das konnte ein Kompliment sein, musste es aber nicht.