VG-Wort Pixel

TV-Kritik zu "Günther Jauch" Drei Deutsche gegen einen unbelehrbaren Griechen


Bei Günther Jauch wollten drei Deutsche mit einem Griechen über das Krisenland diskutieren. Unfair könnte man meinen. Doch der Syriza-Mann wusste sich zu wehren - wenn auch mit teils fragwürdigen Argumenten.
von Andrea Zschocher

Seit drei Wochen gibt es in der Talkshow von Günther Jauch nur ein Thema: der Grexit. Da sich die Meldungen an diesem Wochenende zum Thema Griechenland und der Ausweg aus der Schuldenkrise überschlugen, plante auch Jauch einen Talk dazu. Und, soviel vorweg, Jauch gibt "keine Garantie, dass wir Griechenland nächste Woche nicht besprechen". Denn es ist eines der momentan beherrschenden Themen, weil es Auswirkungen auf Gesamteuropa hat. Dennoch, es gäbe so viele andere, ebenfalls wichtige Krisenthemen wie die Flüchtlingsproblematik oder die IS-Terroranschläge zu besprechen.

Über den "Showdown im Schuldenstreit – was wird aus Griechenland" diskutierten der ehemalige Ministerpräsident Bayerns, Edmund Stoiber, der Geschäftsführender Direktor ESM und EFSF, Klaus Regling, die ARD- Börsenexpertin Anja Kohl, sowie der Berater der griechischen Regierung, Theodoros Paraskevopoulos. An diesem Abend konnten die Zuschauer im Kleinen eine Ahnung davon bekommen, wie die Gespräche in Brüssel verlaufen sind: Ein kleines Land gegen den Rest Europas, in diesem Fall drei gegen einen, unfair, könnte man meinen. War es bei Jauch aber nicht. Denn während Regling, Stoiber und Kohl sich um Kompromisse bemühen, zeigte sich Paraskevopoulos wenig einsichtig und besserwisserisch. Zur Eröffnungsfrage Jauchs, was passiert, wenn Griechenland Bankrott geht, erließ sich der Grieche in einer Erklärung über den Unterschied zwischen Zahlungsunfähigkeit und Bankrotterklärung. Die Frage beantwortete er nicht.

(Un)tragbarer Kompromiss für Griechenland

Dennoch redete er über weite Teile der Sendung alle Anwesenden in Grund und Boden. Oft von oben herab und wohl bewusst provozierend. So nannte er den im Vorfeld ausgestrahlten ARD-Brennpunkt "Propaganda", und sprach von "geballter Inkompetenz" bei den Verhandlungen. Der Berater wies auch darauf hin, dass es keine Solidarität mit Griechenland geben würde. Der Grieche machte deutlich, dass der von der Europäischen Union angebotene Kompromiss zur Rettung Griechenlands für ihn und die Bevölkerung nicht tragbar sei. Dem widersprach besonders der Geschäftsführende Direktor der ESM und EFSF massiv. Er habe schon oft im Verlauf der Verhandlungen gehört, dass Griechenland Vorschläge als "unannehmbar", als "Demütigung" und "Folter" abgetan habe. Aber dies entspräche seiner Meinung nach nicht der Wahrheit.

Klaus Regling gestand den Griechen durchaus zu, dass sie in den letzten Monaten viele der Auflagen erfüllt hätten, um zu zeigen, dass sie die Schuldensituation im Land ernst nehmen. Aber, so betonte Regling, das Problem in den Verhandlungen sei "das griechische Wirtschaftssystem. Man muss bereit sein, zusammen arbeiten zu wollen“. Stoiber griff hier in die Diskussion ein und fand deutlichere Worte: "Wenn sich mehr Länder so verhalten hätten wie Griechenland, dann wäre der Euro längst über die Wupper.“ Der ehemalige Ministerpräsident Bayerns machte seiner Meinung immer wieder Luft, antwortete auf Fragen Jauchs aber nur sehr ausweichend. Die Vorwürfe gegen Paraskevopoulos, er würde "immer nur aus griechischer Sicht" sprechen, machten deutlich, wie hitzig die Diskussion am Sonntag war. Beinahe die gesamte Sendung über fielen sich alle Beteiligten ins Wort. Als Klaus Regling bei einer Ausführung wiederholt vom griechischen Talkgast unterbrochen wurde, herrschte er diesen an. "Ich weiß, Sie wissen alles besser, und den Griechen geht’s gut."

Wie lange reicht das Geld?

Dass es ihnen eben nicht gut ging erklärte Anja Kohl. "Jetzt ist die Frage: Wie lange reicht das Geld. Sie haben eine akute Notsituation und behaupten, es wäre alles ok". Paraskevopoulos wiederholte in der Sendung mehrfach, dass Geld im Land vorhanden wäre, dass die Beamten am Dienstag ihre Gehälter bekämen und, dass Urlauber weiterhin mit Kreditkarten zahlen könnten. Alle anderen Anwesenden bezweifelten dies jedoch.

Fraglich ist auch, wie es nach einem positiv beschiedenen Referendum weitergeht. Bis zum 5. Juli sollen die Griechen darüber abstimmen, ob sie für oder gegen den Kompromiss, der in dieser Form nun aber schon nicht mehr existiert, sind. "Sagt die Bevölkerung 'ja' zu diesem Paket ist die Regierung Tsipras gescheitert", sagte Kohl. Paraskevopoulos widersprach, er wies daraufhin, dass in dem Fall Alexis Tsipras die Entscheidung mittragen würde. Besonders Regling zweifelte dies an, denn so ein Programm umzusetzen benötige "Tatkraft" und eine Regierung, die voll dahinter steht. Ministerpräsident Tsipras hatte die Griechen dazu aufgerufen sich gegen den Kompromiss zu entscheiden, folglich könne er die resultierenden Maßnahmen nicht mittragen. Welches Szenario letztlich eintreten wird, ist zur Stunde offen. Auch, ob die Verhandlungen solange ruhen, oder, wie Paraskevopoulos dem vollkommen verdutzten Regling eröffnete, am Montag bereits wieder verhandelt wird, das zeigt sich in der kommenden Woche.

Es steht zu befürchten, dass Griechenland noch länger ein Thema bei Günther Jauch sein wird. Wünschenswert wäre es aber, endlich auch mal andere Krisenherde zu thematisieren.
 


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker