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Abschied von "Günther Jauch": An diese Momente werden wir uns erinnern

Zum letzten Mal hat Günther Jauch am Sonntagabend seine Talkshow moderiert. Wir erinnern an die größten Aufreger und die bewegendsten Momente: Schweigeminute, twitternde Politiker und ein Mittelfinger.

Von Carsten Heidböhmer

Möglicherweise war es diese Sendung, die für Jauch den Ausschlag gab, aufzuhören: Am 15. März war Janis Varoufakis zugeschaltet. Jauch wollte ihn nach allen Regeln der Kunst vorführen - und offenbarte nur seine ungenügende Qualifikation für diese Sendung. Ohne den Kontext zu nennen, konfrontierte Jauch den griechischen Finanzminister mit einer zwei Jahre alten Videosequenz, in der Varoufakis den Deutschen scheinbar den Mittelfinger zeigt. Varoufakis versichert, die Geste nie gemacht zu haben und bezeichnet das Video als "doctored". Gefälscht. Und mitten in der Schuldenkrise sprach das halbe Land nur über ein Thema: den Mittelfinger.   Vollendes ad absurdum geführt wurde die Diskussion, als Jan Böhmermann behauptete, das Mittelfinger-Video gefälscht zu haben, und eine wiederum gefälschte Dokumentation veröffentlicht, in der gezeigt wird, wie Böhmermann und sein Team angeblich den Mittelfinger in das Varoufakis-Video montieren.  Auch wenn das ZDF schließlich Böhmermanns Video als Satire zu erkennen gab: Jauchs unsauberes journalistisches Vorgehen, vor allem das Zitieren ohne Kontextnennung blieben hängen - und beschädigten die ohnehin schon angekratzte Reputation des Moderators.

Möglicherweise war es diese Sendung, die für Jauch den Ausschlag gab, aufzuhören: Am 15. März war Janis Varoufakis zugeschaltet. Jauch wollte ihn nach allen Regeln der Kunst vorführen - und offenbarte nur seine ungenügende Qualifikation für diese Sendung. Ohne den Kontext zu nennen, konfrontierte Jauch den griechischen Finanzminister mit einer zwei Jahre alten Videosequenz, in der Varoufakis den Deutschen scheinbar den Mittelfinger zeigt. Varoufakis versichert, die Geste nie gemacht zu haben und bezeichnet das Video als "doctored". Gefälscht. Und mitten in der Schuldenkrise sprach das halbe Land nur über ein Thema: den Mittelfinger.

Vollendes ad absurdum geführt wurde die Diskussion, als Jan Böhmermann behauptete, das Mittelfinger-Video gefälscht zu haben, und eine wiederum gefälschte Dokumentation veröffentlicht, in der gezeigt wird, wie Böhmermann und sein Team angeblich den Mittelfinger in das Varoufakis-Video montieren.

Auch wenn das ZDF schließlich Böhmermanns Video als Satire zu erkennen gab: Jauchs unsauberes journalistisches Vorgehen, vor allem das Zitieren ohne Kontextnennung blieben hängen - und beschädigten die ohnehin schon angekratzte Reputation des Moderators.

Vier Jahre sind genug: Seit dem 11. September 2011 moderiert Günther Jauch die wöchentliche Talkshow am Sonntagabend um 21:45 Uhr. Dem perfekten Sendeplatz direkt nach dem "Tatort" ist es zu verdanken, dass Jauch mit seiner Sendung die besten Quoten aller ARD-Talks einfährt. Bei den Kritikern hatte der Showmaster hingegen von Anfang an einen schweren Stand. Zu oft wirkte er mit den Themen überfordert, zudem hatte er Probleme, Politiker auch mal härter ranzunehmen.

Dafür gelang es Jauch immer wieder, mit seinen Sendungen für Aufreger zu sorgen, über die Deutschland noch Tage lang spricht. Da gab es beispielsweise den denkwürdigen Auftritt des "Quassel-Imams" im September 2014. Bei Jauch präsentierte sich mit Kathrin Oertel erstmals eine Vertreterin von Pegida im deutschen Fernsehen. Und AFD-Politiker Björn Höcke machte sich erst kürzlich lächerlich, indem er eine Deutschland-Fahne über seinen Sessel spannte.

Jauchs Sendung mit dem griechischen Finanzminister Janis Varoufakis sorgte beinahe für eine Krise in der EU. Dafür war seine Sendung zum 70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung eine Sternstunde des deutschen Talkshow-Fernsehens.

Wir blicken auf die größten Momente der Ära Jauch zurück.


Ponader, Kamouss, Oertel

Da war zum Beispiel der Auftritt des damaligen Geschäftsführers der Piratenpartei, Johannes Ponader: Er kam am 6. Mai 2012 barfuß in Jesus-Latschen und tippte während der Sendung auf seinem Handy herum. Daneben wirkten Dampfplauderer wie Christian Lindner (FDP) und Norbert Röttgen (CDU) plötzlich gar nicht mehr so schlimm.

"Gewalt im Namen Allahs - wie denken unsere Muslime?" lautete das Thema der Sendung am 28. September 2014. Am nächsten Tag wusste man immerhin, was er denkt: Abdul Adhim Kamouss plapperte ununterbrochen, fiel anderen ins Wort und war immer eine Spur zu laut. Der Boulevard taufte ihn "Quassel-Imam" und arbeitete sich noch Tage an dem Salafisten ab. Auch das war typisch für Jauch: Das eigentliche Thema, nämlich Muslime in Deutschland, trat darüber in den Hintergrund.

Wochenlang haben die Medien über Pegida berichtet, doch mit Pegida hat niemand gesprochen. Auch, weil sich die Bewegung der sogenannten Systempresse verweigerte. Bei "Günther Jauch" brach die damalige Frontfrau Kathrin Oertel den Bann - und inszenierte sich als ganz normale Frau aus dem Volk". Geholfen hat es ihr nichts: Kurz darauf trat Oertel nach internen Streitigkeiten von ihren Ämtern zurück.

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