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TV-Kritik "Günther Jauch": "Blatter ist wie der Godfather"

Der Fifa-Sumpf sollte dieses Mal Thema sein bei Günther Jauch. Aber eigentlich drehte sich alles nur um einen Mann: Joseph "Sepp" Blatter.

Von Simone Deckner

Günther Jauch diskutierte in seiner Talkshow über den Fifa-Skandal.

Günther Jauch diskutierte in seiner Talkshow über den Fifa-Skandal.

Blatter ist beratungsresistent. Blatter ist von Macht besessen. Blatter muss von der Korruption gewusst haben. Blatter ist für die Kultur der Korruption bei der Fifa doch erst verantwortlich. Blatter, Blatter, Blatter.

Sollte Blatter in Zürich zufällig zu "Günther Jauch" gezappt haben, es dürfte ihm gefallen haben, was er zu hören bekam. Vor allem nämlich seinen Namen. Fünf mehr oder minder geeignete Fußball-Experten und Teilzeit Sport-Moderator Jauch versuchten sich daran, das "System Blatter" zu entschlüsseln.

Der Fifa-Präsident, seit gefühlten sechzig Jahren im Amt, scheint ja längst in eigenen Sphären zu existieren. Skandale gleiten an ihm ab wie an einer teflon-beschichteten High-Tech-Sohle. Das FBI verhaftet sieben Spitzen-Funktionäre wegen des Verdachts der organisierten Kriminalität? Nicht Blatters Problem. Die Schweizer Justiz ermittelt wegen Unregelmäßigkeiten bei der WM-Vergabe nach Katar und Russland? Blatter wird zum fünften Mal in Folge als Fifa-Präsident wiedergewählt.

Kultur der Korruption

Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und bekennende Panini-Bildchen-Sammlerin, attestierte dem 79-Jährigen schauspielerisches Talent. Roth: "Blatter ist wie der Godfather. Die ehrenwerte Gesellschaft hat ihn gewählt." Auch Sportmoderator Marcel Reif erkannte bei Blatter kreativen Einsatz - wenn auch in negativer Hinsicht: Er habe in den 40 Jahren, die er insgesamt bei der FIFA tätig sei, geradezu eine "Kultur der Korruption" geschaffen.

Korruption, die gibt es nun mal, überall im Leben. Auch die Fifa sei nicht frei von ihr, konterte der einzige Blatter-Befürworter in der Runde, Alexander Koch, Fifa-Sprecher von Beruf. Koch agierte ähnlich unbeeindruckt wie sein Chef. Man habe es mit einem "systemimmanenten" Vorgang zu tun, tat er den Vorwurf der Korruption ab. Blatter als Person sei da gar nicht entscheidend. Als Erklärung zauberte der PR-Profi einen verblüffenden Vergleich aus dem Hut: Man müsse sich die FIFA in etwa so vorstellen wie die Vereinten Nationen. Da sei schließlich auch nicht jeder Mitgliedsstaat moralisch erhaben.

Moral, ein gutes Stichwort für die weitere Diskussion um die umstrittene WM-Vergabe an den Wüstenstaat Katar. ARD-Journalist Florian Bauer berichtete von seinen wiederholten Recherchen: von Arbeitern, die mit 16 Personen in 20 Quadratmeter-Absteigen hausen, mieser Bezahlung, katastrophalen Arbeitsbedingungen. Hunderte sind bei den Bauarbeiten bereits gestorben. Bauer selbst wurde währen der Dreharbeiten fünf Tage lang in Katar inhaftiert.

Die nächste WM in Nordkorea?

Fifa-Sprecher Koch sagte, Blatter selbst habe gar nicht für Katar gestimmt. Dennoch sei der Wüstenstaat als WM-Austragungsort keine schlechte Wahl: "Die WM hilft den Arbeitern. Ihre Arbeitsbedingungen und die Wohnsituation verbessern sich", behauptete er. Claudia Roth sah man an, wie sehr sie sich eine Vuvuzela oder Manolo (der Fußballgott hab ihn selig) herbeiwünschte, um Koch einmal gehörig den Marsch zu blasen. Nach dessen "verrückten Argumentation" müsse man also genau in jenen Ländern die WM veranstalten, die möglichst wenig auf Menschenrechte und Arbeitsbedingungen gäben. Roth: "Dann also demnächst Nordkorea?!" Ob Roth denn wegen ihrer Kritik 2022 dann kein WM-Spiel schauen werde,wollte Günther Jauch wissen. "Ich gehe zum Weihnachtsmarkt und trinke einen Glühwein", entgegnete Roth nicht wirklich überzeugend. Reif bemühte sich noch schnell zu sagen, dass "Fußball doch eigentlich eine wunderbare Sache ist." Eigentlich.