VG-Wort Pixel

Heinz Reincke stirbt mit 86 NDR-Intendant würdigt den "norddeutschen Charakterkopf"


Ruppig und gleichzeitig charmant: So erlebten die Fernsehzuschauer Heinz Reincke in der ZDF-Serie "Der Landarzt". Am Mittwoch ist der Schauspieler 86-jährig verstorben.

Der Schauspieler und Fernsehliebling Heinz Reincke ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 86 Jahren in der Nähe von Wien, bestätigte eine Sprecherin der Bundestheater in Wien am Donnerstag der dpa. Reincke ist dem breiten Publikum vor allem durch seine Rolle als Ex-Pastor Eckholm in der ZDF-Serie "Der Landarzt" bekannt. Der gebürtige Norddeutsche hatte seit 1970 auch die österreichische Staatsbürgerschaft und lebte mit seiner Frau bis zuletzt in Wien. Er war die letzten Jahre schwer krank und zog sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück.

Als "norddeutschen Charakterkopf" würdigte NDR-Intendant Lutz Marmor am Donnerstag den verstorbenen Schauspieler. Reincke habe "die deutschsprachige Theater- und Filmlandschaft und nicht zuletzt das Fernsehen geprägt". ZDF-Hauptredaktionsleiter Klaus Bassiner nannte Reincke einen der "großen Alten", die Serien wie "Der Landarzt" Kontinuität gegeben hätten. "Wir trauern um einen Serienstar und Charakterdarsteller, der sich in seiner ruppig-charmanten norddeutschen Art in die Herzen der Fernsehzuschauer gespielt hat", erklärte Bassiner in einer Pressemitteilung.

Da die Serie "Der Landarzt" gerade in Wiederholung laufe, werde es keine Programmänderung geben, sagte ein Sprecher des ZDF der dpa. Der österreichische Rundfunk setzte kurzfristig für Sonntag um 14.10 Uhr die Verwechslungskomödie "Wenn jeder Tag ein Sonntag wär..." mit Reincke auf den Sendeplan.

Betroffen reagierte auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Er verwies in einer Mitteilung auf die Herkunft des Schauspielers als "Arbeitersohn": "Hinter seinem oftmals polternden und rauen Auftreten verbarg sich ein äußerst liebenswürdiger, gemütlicher und lebensbejahender Mensch." Der Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs FPÖ, Heinz-Christian Strache, erklärte in einer Pressemitteilung: "Die Wiener FPÖ verliert einen langjährigen Freund". Reincke habe "seine politische Heimat in der FPÖ gefunden".

Reincke wurde am 28. Mai 1925 in Kiel geboren und war Sohn eines Schneidermeisters. Schon als Lehrling schnupperte er in kleinen Theatern Bühnenluft, arbeitete als Souffleur oder Inspizient. Mitte der 1950er Jahre schaffte er im Schauspielhaus Hamburg mit Unterstützung des legendären Regisseurs Gustaf Gründgens den Durchbruch. 1968 ging er an das Wiener Burgtheater.

Im Fernsehen avancierte Reincke zum Publikumsliebling über Jahrzehnte. Er spielte in Heimatfilmen mit "Heintje" oder Hamburg-Streifen wie "Fluchtweg St. Pauli - Großalarm für die Davidswache"; an der Seite von Joachim Fuchsberger gab er in der Erich-Kästner-Verfilmung "Das fliegende Klassenzimmer" den "Nichtraucher". Auch in Serien wie "Großstadtrevier" und "Zwei Münchner in Hamburg" war er vertreten.

jwi/DPA/AFP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker